Unternehmen Ungewisse Aussichten für Chinas Wirtschaft

Die Signale der zweitgrößten Volkswirtschaft sind widersprüchlich. Chinas private Firmen klagen über rückläufige Aufträge und Beschäftigung. Aber Staatsbetriebe profitieren von Konjunkturhilfen.

Die Aussichten für die chinesische Wirtschaft sind ungewiss. Der offizielle Einkaufsmanagerindex stieg im Juli leicht von 50,1 im Vormonat auf 50,3, wie der Einkaufs- und Logistikverband (CFLP) am Donnerstag in Peking mitteilte. Experten hatten einen leichten Rückgang des Stimmungsbarometers erwartet. Es gab aber auch ganz andere Signale: So fiel der Einkaufsmanagerindex der britischen Großbank HSBC, die stärker kleine und mittelgroße Unternehmen nach ihrer Zuversicht und Auftragslage befragt, von 48,2 auf 47,7 und damit auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten.

Die Beschäftigung fiel sogar so stark wie seit März 2009 nicht mehr. Auch die neuen Aufträge gingen wegen der geringen Nachfrage in Europa, Südostasien und den USA so schnell zurück wie seit elf Monaten nicht mehr, wie die HSBC anhand endgültiger Daten mitteilte. Denn fällt der Index unter 50, ist davon auszugehen, dass die Zeichen auf Abschwung stehen. Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft war im zweiten Quartal auf 7,5 Prozent gefallen – nach 7,8 Prozent im vergangenen Jahr.

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Analysten der NordLB erklären das Auseinanderdriften der beiden Frühindikatoren so: Die 420 meist privaten Betriebe, die im Fokus der HSBC-Umfrage stehen, dürften durch schwache Exportnachfrage, aber auch durch restriktivere Geldpolitik der Zentralbank besonders schwer getroffen werden. Einige große staatseigene Unternehmen, die hingegen bei den offiziellen Daten ausschlaggebend sind, könnten hingegen von den konjunkturstützenden Maßnahmen Pekings profitieren.

Regierung will Kreditboom zügeln

„Mit der schwachen Nachfrage durch heimische und externe Märkte belastet die Abkühlung des Produktionssektors die Beschäftigung“, sagte HSBC-Ökonom Qu Hongbin. Diese Entwicklung und andere schwächere Konjunkturdaten hätten die Regierung veranlasst, einige Maßnahmen wie Steuererleichterungen, Investitionen in öffentlichen Wohnungsbau, Eisenbahn und andere Infrastrukturbereiche zu ergreifen. „Diese gezielten Schritte dürften die Zuversicht stärken und Abwärtsrisiken für das Wachstum verringern.“

An den Finanzmärkten überwog die Erleichterung über die offiziellen Zahlen. Die Reaktionen an den asiatischen Aktienmärkten waren weitestgehend positiv. „Vor allem in Verbindung mit den jüngsten Ankündigungen des Staatspräsidenten Xi Jinping, dass die diesjährige Wachstumsvorgabe von 7,5 Prozent nicht gerissen werde, gehen wohl einige Beobachter davon aus, dass Peking doch noch etwas spürbarer ins Geschehen eingreifen wird“, kommentierte die NordLB.

Die HSBC rechnet in diesem Jahr nur noch mit 7,4 Prozent Wachstum. Es wäre der geringste Anstieg seit mehr als zwei Jahrzehnten. Doch will die neue Regierung bewusst mit einigen Sünden der Vergangenheit brechen und den Kreditboom zügeln. Das eindrucksvolle Wachstum der vergangenen Jahre war maßgeblich durch üppige Geldversorgung und lockere Kreditvergabe erkauft. Nun droht das Pendel zurück zu schwingen: Die Immobilienblase, ein florierender Schattenbankensektor und verschwenderische Provinzregierungen treiben Volkswirten die Sorgenfalten auf die Stirn.

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