Unternehmen Untergeschoben

1903 wurde der Bierdeckel erfunden - von Katz. Das Unternehmen aus dem badischen Weisenbach ist heute Weltmarktführer, produziert mit 240 Leuten jährlich 1,4 Milliarden Pappscheibletten in allen Formen und Farben.

Stanzformen

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Siebert Stanzformtechnik Gaggenau. Rund, oval, als Weihnachtsbaum, Elch, Puzzleteil, mit den Umrissen Australiens oder als Landkarte von Südtirol: Bei der Form des Bierdeckels kennen Kundenwünsche keine Grenzen. Aktuell sind im Katz-Werk rund 500 Stanzformen im Einsatz. Hersteller ist die badische Acht-Mann-Firma Siebert. „Trägermaterial der Formen sind Holzplatten, darin lasern wir die Kontur der Bier­deckel ein, in die Kontur setzen wir Bandstahl als eine Art Messer ein“, erklärt Firmenchef Klaus Siebert.

Folie

Bischof + Klein Lengerich. Sind die Bierdeckel fertig, wickelt Katz je 125 Stück stramm mit einer dünnen, aber stabilen „Feinschrumpffolie“ ein. Das 1892 gegründete Familienunternehmen beschäftigt weltweit 2400 Menschen, die Hälfte am münsterländischen Stammsitz, und hat sich auf flexible Verpackungen aus Kunststoff und Papier sowie auf technische Folien spezialisiert.

Holz

Verschiedene Holzhändler im Schwarzwald. Das Entscheidende am Bierdeckel ist seine Saugfähigkeit. Die bekommt er durch das Markenzeichen­produkt von Katz: Holzschliffpappe. Ihr Rohstoff Fichtenholz besitzt lange Fasern, die sich beim Herstellungsprozess verschränken und viele Hohlräume bilden. Die Fichten sind im Schwarzwald gewachsen, bei einem knappen Dutzend kleiner Holzhändler bezieht Katz Stammstücke, mit denen die Möbelindustrie nichts anfangen kann.

Druckmaschinen

Koenig & Bauer Radebeul. Bierfilze sind nicht nur sehr saugfähig, mit bis zu 2,3 Millimetern Dicke sind sie auch unflexibler als normales Papier. Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer hat daher drei seiner Anlagen in Radebeul an die Bedürfnisse bei Katz technisch angepasst: Spezielle Zieh- und Ausrichtsysteme garantieren, dass trotz des starren Materials kein Bogen stecken bleibt. Stammsitz des 1814 gegründeten Unternehmens ist Würzburg. Koenig & Bauer beschäftigt dort 2000 Mitarbeiter, in Radebeul sind es mehr als 1000. Die Branche kämpft seit 2008 gegen die Krise, der Umsatz mit Druckmaschinen hat sich seitdem halbiert.

Druckplatten

CGS Publishing Technologies International Hainburg. Um Belichtungssysteme, Digitaldruck und Farbmanagementsysteme bei Katz kümmert sich CGS. Auch die Druckplatten liefert das 1985 gegründete hessische Unternehmen, derzeit sind es Thermodruckplatten von Agfa Graphics. Die oberste Schicht der Platten ist weniger als ein Millimeter dick und empfindlich für Infrarotlicht, dadurch lassen sich die Platten deutlich schneller belichten als herkömmliche Druckplatten. Entsprechend fix kann Katz neue Motive in die Druckmaschinen schicken.

Papier

Drekopf Mayen. Herzstück des Bierdeckels ist sein Holzfaserkern, Ober- und Unterseite bestehen aus Abfällen, die bei der Produktion von Briefumschlägen anfallen: nicht verwendete Randstreifen der ­Papierrollen, Stanzausschnitte der Sichtfenster. ­Alles rein weiß und unbedruckt. Altpapierspezialist Drekopf sammelt das ein und presst es in 800-Kilo-Pakete. Pro Woche liefert die Niederlassung in Mayen 25 Tonnen Papierspäne an Katz.

Druckfarben

Flint Group Germany Stuttgart. Novastar F925 Low Tack Bio heißen bei Katz die Farben für den Offsetdruck. Basis der Farben sind pflanzliche Öle, dennoch sind die Farben unempfindlich gegen Wasser. Und sie sind laut Flint Group Germany stabil „auch auf rupfempfindlicheren Bedruckstoffen“.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 03/2012.

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