Unternehmen US-Investor greift bei Conergy zu

Produktion bei Conergy in Frankfurt an der Oder

Produktion bei Conergy in Frankfurt an der Oder© Conergy

Für die Solarfirma Conergy hat der vorläufige Insolvenzverwalter eine Teillösung gefunden. Ein Finanzinvestor gibt frisches Kapital. Das hätten sich auch die Produktionsstätten in Brandenburg gewünscht.

Der vorläufige Conergy-Insolvenzverwalter versprüht Optimismus: Sven-Holger Undritz spricht von „hervorragender Vorarbeit“ des Vorstandes und gibt sich zuversichtlich, auch für die von der vorläufigen Insolvenz betroffenen Produktionstöchter in Brandenburg eine Lösung zu finden. Bei dem überschuldeten Solarunternehmen dürfen sich seit Freitag mindestens 400 Auslandsbeschäftigte darüber freuen, dass der US-Investor Kawa bei den weltweiten Vertriebs- und Servicegesellschaften zum Zugriff kommt. Ob es künftig noch eine große Modulproduktion in Deutschland geben wird, steht in der Branche angesichts der Billigangebote aus China allerdings infrage.

Nur zwei Wochen nach dem Insolvenzantrag der Conergy AG hat der vorläufige Insolvenzverwalter den Weg für das Überleben eines Teilbereichs geebnet – mit denselben Akteuren wie vor dem Gang zum Gericht. „Kawa ist unser Wunschpartner“, freute sich Vorstandschef Philip Comberg. Er hatte monatelang Verhandlungen mit dem Kapitalgeber zum Einstieg bei Conergy geführt.

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Insolvenz weil ein Kreditgeber querschoss
Doch dieser Plan war letztlich gescheitert, weil sich die Banken nicht einig waren. Einer von zehn Kreditgebern schoss quer, wollte das ursprüngliche Konzept nicht mittragen. Für die Banken ist das jetzt eine bittere Pille. Finanzkreisen zufolge hätten sie vor dem Insolvenzverfahren deutlich mehr Geld bekommen. Damals soll Kawa den Instituten ein Angebot vorgelegt haben, deren Kredite mit einem gewissen Abschlag zu kaufen. Jetzt fließt der Kaufpreis, über den Stillschweigen vereinbart wurde, in die Insolvenzmasse, aus der alle Gläubiger bedient werden.

In den vergangenen zwei Jahren richtete Vorstandschef Comberg Conergy auf internationalen Vertrieb und Serviceleistungen aus. Der Manager sieht wie Finanzinvestor Kawa das abgespeckte Unternehmen – ohne den Ballast der eigenen Produktion – für die solaren Wachstumsmärkte nun richtig aufgestellt. „Wir sehen großes Potenzial, länderübergreifend Solarkraftwerke zu finanzieren und zu realisieren und so stabile Kapitalrückflüsse für unsere Fonds zu erwirtschaften“, erklärte Kawa-Gründer Daniel Ades. Im Fokus: private und gewerbliche Dachanlagen sowie Großkraftwerke. Wieviel Kapital Kawa aktuell in Conergy pumpt, wurde nicht mitgeteilt. Das Finanzengagement solle langfristig sein.

Käufersuche für die Modulproduktion
Obgleich die Conergy-Modulproduktion in Frankfurt an der Oder am Montag wieder anlaufen soll, müssen die dort rund 320 Beschäftigen weiter bangen. „Die Stimmung ist verhalten optimistisch“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Harald Frick. „Es sind Aufträge bis Oktober da“, ergänzte Peter Ernsdorf von der IG Metall Ostbrandenburg.

Experten bezweifeln, dass der vorläufige Insolvenzverwalter für das Modulwerk einen Käufer finden wird – selbst wenn er „zeitnah“ eine Lösung in Aussicht stellt. Auch der Autozulieferer Bosch hat große Probleme, sich von seinem vor wenigen Jahren zugekauften Solargeschäft zu trennen. In Branchenkreisen heißt es, dass mögliche Investoren sogar schon gefragt hätten, wie viel Geld man für die Übernahme von Produktionsanlagen mitbekomme.

Besonders zuversichtlich gibt sich Undritz für das Conergy-Werk Rangsdorf und seine 200 Mitarbeiter: „Für Mounting Systems führen wir bereits erfolgversprechende Gespräche mit potenziellen Investoren.“ Kann er auch hier positiven Vollzug melden, wäre dass ein weiterer Lichtblick in der tiefen Krise der Solarbranche in Deutschland.

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