Unternehmen Rückenwind für die Wirtschaft – Aufschwung rückt näher

Die oberen Lagen der Container auf der CMA CGM Marco Polo im Hamburger Hafen sind bereits gelöscht, das Laden kann beginnen.

Die oberen Lagen der Container auf der CMA CGM Marco Polo im Hamburger Hafen sind bereits gelöscht, das Laden kann beginnen.© HHLA

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Positive Signale für die deutsche Wirtschaft wie die gute Stimmung bei Industrie und Verbrauchern lassen auf eine Konjunkturbelebung in der zweiten Jahreshälfte hoffen. Es bleiben aber auch Risiken.

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Die Verbraucher sind in Kauflaune wie seit Jahren nicht mehr und die Unternehmen überraschend positiv gestimmt – nach der Eiszeit zu Jahresbeginn keimt neue Hoffnung auf einen Konjunkturaufschwung in Deutschland. Das Konsumbarometer des Marktforschungsunternehmens GfK stieg im Mai auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren. Auch das vom Münchner Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima hat sich unterwartet aufgehellt.

Vielleicht kommt der Aufschwung etwas später als erhofft – aber er kommt, sind viele Experten überzeugt. Gut gefüllte Auftragsbücher in der Industrie, die anziehende Kauflaune der Verbraucher und ein robuster Arbeitsmarkt: Das alles sind positive Signale für die Konjunktur, die in der zweiten Jahreshälfte wieder spürbar in Gang kommen dürfte, erwartet beispielsweise die DZ Bank. Im krisengeplagten Europa könnte die deutsche Wirtschaft damit der Fels in der Brandung bleiben.

Vor allem der überraschend deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex von 104,4 auf 105,7 Punkte sorgte am Freitag für vorsichtige Zuversicht bei Volkswirten. Große Sprünge erwarten die Experten dabei noch nicht, wie die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr zwischen 0,2 und gut einem halben Prozent belegen. Verglichen mit dem Euro-Raum, der zurzeit in der Rezession steckt und auch im Gesamtjahr mit einem Minus abschließen dürfte, wäre das aber schon „respektabel“, schreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Kauflaune der Verbraucher steigt kräftig

Für Euphorie sehen die Experten allerdings noch keinen Anlass: Risiken wie die anhaltende Schuldenkrise in der EU und die Furcht vor einem Handelskrieg mit dem wichtigen Exportmarkt China müssen die Unternehmen im Auge behalten. Derzeit allerdings verspricht sich die deutsche Industrie auch für die kommenden Monate noch gute Exportchancen, sagt Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. „Das US-Geschäft läuft noch relativ gut.“ Und auch abseits von China gebe es durchaus interessante Märkte in Asien wie Indonesien, Vietnam oder Malaysia.

Die ohnehin sehr gute Stimmung der Verbraucher in Deutschland hat sich trotz der Rezession im Euroraum kräftig verbessert. „Eine auf hohem Niveau befindliche Beschäftigung, gute Tarifabschlüsse sowie eine sinkende Inflation stützen die Stimmung“, erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl die kräftig gestiegene Kauflust der Bundesbürger. Der Konsumklimaindex für Juni kletterte dadurch auf 6,5 Punkte, nach 6,2 Zählern im Mai. Dies ist der höchste Wert seit September 2007.

Wegen der aktuell extrem niedrigen Zinsen sparen die Deutschen derzeit so wenig wie nie. Die Aussicht auf höhere Löhne und Gehälter habe der Kauflaune ebenfalls Auftrieb gegeben. Auch der zuletzt starke Rückgang der Inflation trug zum guten Konsumklima bei, wie die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit rund 2000 Befragten ergab.

BIP steigt im ersten Quartal um 0,1 Prozent

Ohne die extrem gute Kauflaune der Verbraucher hätte die deutsche Wirtschaft im ersten Vierteljahr kein Plus geschafft – der Außenhandel als traditioneller Konjunkturmotor stotterte und auch die Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück. Auch am Bau tat sich wegen des schlechten Wetters wenig. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg preis-, saison- und kalenderbereinigt nur um 0,1 Prozent im Vergleich zum Schlussquartal 2012 – das Statistische Bundesamt bestätigte damit erste Schätzungen. Im Quartal zuvor war das BIP sogar um 0,7 Prozent geschrumpft. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Volkswirte gemeinhin von einer Rezession. Darin steckt der Euroraum schon seit eineinhalb Jahren.

Deshalb überraschte die Aufhellung der Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen im Mai die Experten umso mehr. Die rund 7000 vom Ifo Institut befragten Unternehmen zeigten sich mit ihrer aktuellen Geschäftslage deutlich zufriedener als im April. Anziehende Auftragseingänge hätten die Stimmung spürbar verbessert, sagte Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. Sowohl im Maschinenbau, Deutschlands Schlüsselindustrie, als auch bei elektrotechnischen Investitionsgütern und in der Chemieindustrie profitierten die Firmen von einer lebhaften Nachfrage. Einzig die Stahlbranche leide weiter unter Überkapazitäten und Preisdruck. „Die deutsche Konjunktur behauptet sich in einem schwierigen europäischen Umfeld“, erklärte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen.

Bundesbank rechnet mit einer „spürbaren gesamtwirtschaftlichen Belebung“

Beim Export musste der Maschinenbau im ersten Quartal zum Vorjahreszeitraum wegen der flauen Weltkonjunktur noch ein dickes Minus von 5,8 Prozent einstecken, wie der Branchenverband VDMA berichtete. Es gebe jedoch Signale aus den Auslandsmärkten, die auf eine zaghafte Belebung des Geschäfts im Jahresverlauf hindeuteten.

An den Finanzmärkten trieb die Stimmungsaufhellung nur kurzzeitig die Kurse nach oben. Die Verunsicherung über den weiteren wirtschaftlichen Fortgang sei noch zu groß, erklärten Experten. Die Bundesbank rechnet aber für das zweite Quartal 2013 „mit einer spürbaren gesamtwirtschaftlichen Belebung“. Bei Bauinvestitionen sei nach dem langen Winter einiges nachzuholen, zudem hätten die Aufträge für die Industrie spürbar angezogen, schrieb die Notenbank in ihrem jüngsten Monatsbericht. Die Bundesregierung ging zuletzt davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 0,5 Prozent wächst. Im vergangenen Jahr hatte das BIP um 0,7 Prozent zugelegt.

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