Unternehmen Verdacht auf Insiderhandel bei Triumph-Adler

Der japanische Konzern Kyocera kündigte 2008 die Übernahme des Bürotechnikunternehmens an. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt nun elf Personen, Insiderwissen für Aktiengeschäfte genutzt zu haben - und lässt bundesweit Büros durchsuchen.

Wegen des Verdachts auf Insiderhandel hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg bundesweit Objekte des Bürotechnikunternehmens Triumph-Adler durchsuchen lassen. Beschuldigt werden elf Personen. Sie sollen im Herbst 2008 ihr Wissen über ein bevorstehendes Übernahmeangebot des japanischen Konzerns Kyocera Mita für unrechtmäßige Aktiengeschäfte genutzt haben, sagte am Mittwoch eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Financial Times Deutschland (FTD)-Anfrage. Der Aktienkurs hatte sich im November 2008 mehr als verdoppelt.

Nach FTD-Informationen wurden am Dienstag bundesweit zehn Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Zu den Beschuldigten gehört auch der 52-jährige Triumph-Adler-Vorstandschef Robert Feldmeier sowie dessen Ehefrau. Ein Sprecher des Unternehmens wollte „wegen der laufenden Ermittlungen keine Stellung nehmen“. Vorwürfe gegen Einzelpersonen seien ihm „nicht bekannt und wir werden dazu auch keine Stellung nehmen“.

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Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Nürnberg wird überwiegend gegen aktive oder ehemalige Beschäftigte von Triumph-Adler, aber auch einige Personen außerhalb des Konzerns ermittelt. Zu konkreten Namen wollte sich die Behörde nicht äußern. An der Durchsuchungsaktion am Dienstag seien im Großraum Nürnberg vier Staatsanwälte, über 50 Polizeibeamte sowie Mitarbeiter der Finanzaufsicht BaFin beteiligt gewesen.

Das traditionsreiche Nürnberger Unternehmen Triumph-Adler mit rund 290 Millionen Euro Umsatz im 2009 gehört mittlerweile fast vollständig zum japanischen Konzern Kyocera Mita. Auf einer gesonderten Hauptversammlung im März wurde der Beschluss über den Zwangsausschluss der noch knapp fünf Prozent Kleinaktionäre gefasst. Rechtlich umgesetzt ist er noch nicht, weil ein Aktionär gegen die Beschlüsse klagt.

Kyocera Mita hatte sich in den vergangenen Jahren schrittweise bei dem Vertriebsunternehmen für Kopierer, Drucker und Archivierungssysteme eingekauft. Mitte November 2008 gab der japanische Konzern dann bekannt, dass er seinen Anteil von damals knapp 30 Prozent durch ein Übernahmeangebot von 1,90 Euro je Aktie auf 60 bis 70 Prozent erhöhen will. Durch die Veröffentlichung des Übernahmeangebots sprang der Triumph-Adler-Kurs in die Höhe. Der Vorstand stimmte den Einstiegsplänen von Kyocera Mita zu.

Nach den veröffentlichten Aktienkäufen der Triumph-Adler-Manager kaufte Vorstandschef Feldmeier allein 2008 fünf Mal Aktien seines Unternehmens für gut 70.000 Euro, zuletzt noch Ende September 2008 für gut 15.000 Euro.

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