Unternehmen Verluste bei Hess deutlich höher als erwartet

Der Standort des Leuchtenherstellers Hess in Villingen-Schwenningen

Der Standort des Leuchtenherstellers Hess in Villingen-Schwenningen© Hess AG

Seit Januar ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Leuchtenhersteller Hess wegen des Verdachts der Bilanzfälschung. Nun wurden weitere brisante Details bekannt. Laut einer Untersuchung sind die über die vergangenen Jahre angehäuften Verluste deutlich höher als gedacht.

Der insolvente Leuchtenhersteller Hess AG hat einer neuen Untersuchung zufolge über Jahre Verluste in Millionenhöhe angehäuft. Die Bilanzen der Jahre 2007 bis 2012 müssten um mindestens 45 Millionen Euro nach unten korrigiert werden, sagte Insolvenzverwalter Volker Grub am Mittwoch in Stuttgart. Das Bild sei deutlich schlechter als gedacht. Das habe eine von ihm im Mai bei Wirtschaftsprüfern in Auftrag gegebene Untersuchung der Jahresabschlüsse ergeben.

Den größten Anteil der Ergebniskorrekturen machten durch Scheinrechnungen fingierte Umsätze aus, so Grub. Aber die Liste ist noch länger: So sollen Risiken aus Währungsgeschäften nicht ordentlich in der Bilanz aufgeführt, Wertberichtigungen auf Darlehen nicht durchgeführt worden sein. Der Großteil der Fehler sei direkt vor dem Börsengang in den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht, sagte Grub. In den 45 Millionen Euro noch nicht berücksichtigt seien mögliche Fehler in der Vorratsbewertung. Diese seien im Nachhinein nur sehr schwer nachvollziehbar.

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Die Hess AG hatte im Januar kurz nach ihrem Börsengang Insolvenz angemeldet. Zuvor waren die beiden Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie und gegen 20 weitere Verdächtige – den beiden Ex-Vorständen wird unter anderem Bilanzfälschung vorgeworfen. Die beiden ehemaligen Hess-Vorstände hatten die Vorwürfe mehrfach bestritten.

Angespannte Lage für Hess-Mitarbeiter

Die Staatsanwaltschaft Mannheim will sich den neuen Bericht nun anschauen. Sie hatte bereit im März eine vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Untersuchung angeschaut, die Fehler in der Bilanzen 2011 und 2012 zutage gefördert hatte. Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden, konnte der Sprecher der Behörde nicht sagen.

Für einen Großteil der Hess-Mitarbeiter hat sich die Lage indes entspannt. Der Leuchtenhersteller Nordeon hatte im Oktober die für den Geschäftsbetrieb notwendigen Teile der Hess AG sowie Standorte in Stockholm und den USA übernommen. Sie werden unter dem Namen Hess als GmbH weitergeführt.

Das Insolvenzverfahren für die Hess AG läuft unterdessen weiter. Mit einem schnellen Abschluss sei nicht zu rechnen, sagte Grub. Die korrigierten Jahresabschlüsse will er aber möglichst schon im kommenden Frühjahr vorlegen. Neu aufgerollt würden allerdings nur die Bilanzen der Jahre 2009 bis 2011. Die Abschlüsse aus 2007 und 2008 können aus Gründen der Rechtssicherheit nicht mehr angefasst werden, die Verluste fließen aber in die Rechnung für 2009 ein. Für 2012 lag bislang nur ein Bilanzentwurf vor.

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