Unternehmen Vertrauen statt Gleitzeit

Längst gehört der starre Arbeitstag von 8 bis 17 Uhr der Vergangenheit an. Viele Arbeitgeber ermöglichen inzwischen flexibel Arbeitszeiten und wollen so attraktiver für Fachkräfte werden. impulse.de stellt die Vor- und Nachteile verschiedener Arbeitszeitmodelle vor.

Noch vor einigen Jahren wäre eine mehrmonatige Motorrad-Tour, ein Sabbatjahr oder eine Auszeit, um die Eltern zu pflegen, in einem normalen Arbeitsverhältnis undenkbar gewesen. Doch der Trend zu einer Flexibilisierung ist ungebrochen – auch das Arbeitszeitgesetz bietet mittlerweile genug Möglichkeiten für Arbeitnehmer, aus der klassischen 40-Stunden-Woche auszubrechen.

So kann die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden überschritten werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Arbeitgeber müssen ihren Arbeitnehmern im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) Teilzeitarbeit ermöglichen. Geregelt wird dort auch auch die Ausweitung und die Reduzierung von Arbeitszeiten.

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Gewerkschaften und Arbeitgeber können zudem in Tarifverträgen abweichende Arbeitszeitvereinbarungen treffen. Darüber hinaus können zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber Betriebsvereinbarungen geschlossen werden. Sollten sich zwei Regelungen widersprechen, gilt der Tarifvorrang.

Genauer eingegrenzt wurden die flexiblen Arbeitszeiten durch das 2009 eingeführte Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen (Flexi-II-Gesetz), das mehrere Sozialgesetze betrifft. Es regelt unter anderem die Handhabung von Zeitwertkonten genauer.

Flexibilisierung geht oft noch zugunsten der Chefs und ist teuer

Die IG Metall findet das Streben nach mehr Freiheit zeitgemäß. „Die Beschäftigten wollen mehr Freiheit, als sich mit einem klassischen 35- oder 40-Stunden-Vertrag abbilden lässt“, sagt Hans Baur, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart. Es gibt aber auch Kritik an der Flexibilisierung: Es gebe noch zu oft eine Flexibilisierung zugunsten der Arbeitgeber. Die Menschen wollten mehr Zeitsouveränität, Selbstbestimmung und Lebensqualität, sagt Kay Ohl, Abteilungsleiter Tarifpolitik bei der Gewerkschaft. Voraussetzung hierfür sei aber „eine Balance von Arbeit und Leben, die planbar ist und nicht unter dem Diktat der Marktorientierung steht“.

Wer Flexibilität will, muss vorausschauend handeln. Und investieren. „Die Einführung und Verwaltung von Arbeitszeitkonten verursacht natürlich auch Kosten“, sagt die Arbeitsmarktexpertin Ines Zapf vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Die Unternehmen müssen beispielsweise Software anschaffen oder das Personalwesen verstärken.

Die bereits seit längerem eingeführte Gleitzeit allein reicht den Beschäftigten offenbar nicht mehr. Eine Sprecherin von Daimler betont, dass Teilzeitarbeit, Tele-Arbeitsplätze oder Sabbaticals im Unternehmen schon längst dazu gehörten. impulse.de stellt die gängigsten Modelle vor.

Gleitzeit

Die Gleitzeit ist eine der frühesten Formen der Arbeitszeitflexibilisierung. Bereits Ende der 60er Jahre wurden entsprechende Modelle in Deutschland umgesetzt. Innerhalb eines vorgegebenen Rahmens können Arbeitnehmer ihre Anfangs- und Feierabendzeiten selbst festlegen.

Teilzeitarbeit

Damit sind die Beschäftigungsverhältnisse gemeint, die zeitlich unter der Regelarbeitszeit der Unternehmen liegen. Darunter fallen klassische Mini-Jobs auf 400-Euro-Basis, aber auch Halbtagstätigkeiten. Frauen arbeiten vor allem aus familiären Gründen häufiger in Teilzeit. Auch die von Betrieben angeordnete Kurzarbeit ist eine Form der Teilzeitarbeit.

Job-Sharing

Auch dies ist eine Form der Teilzeitarbeit. Zwei oder mehrere Beschäftigte teilen sich dabei einen Arbeitsplatz. Die Einteilung der Arbeitszeit der einzelnen Beschäftigten ist ihnen dabei in der Regel selbst überlassen. Bei Ärzten wird diese Form gerne zur Praxisübergabe genutzt.

Telearbeit

Damit ist die Arbeit außerhalb der Unternehmensräume gemeint. Kommuniziert wird dann per Mail, Telefon, Videokonferenz, Messenger-Systeme wie Skype oder über Plattformen, auf denen Dokumente ausgetauscht werden können. Die Mitarbeiter bei IBM Deutschland haben beispielsweise die Möglichkeit, entweder im Büro oder von zu Hause aus zu arbeiten.

Vertrauensarbeitszeit

Ist eher eine Frage der Arbeitsorganisation als der zeitlichen Flexibilisierung. Das Ergebnis der Arbeit rückt in den Vordergrund, nicht mehr die Anwesenheit des Mitarbeiters. Seine Stundenzahl wird zwar vertraglich festgehalten, sie wird aber nicht in dem Maße kontrolliert wie bei einer Stechuhr.

Sabbatical

Hierbei handelt es sich um eine Auszeit vom Berufsleben. Angestellte können über einen bestimmten Zeitraum für die Hälfte ihres Lohns arbeiten und anschließend für die gleiche Zeit die andere Hälfte ausbezahlt bekommen. In der Zeit können sie sich beispielsweise weiterbilden, reisen oder Angehörige pflegen. Beamte haben in Deutschland die Möglichkeit, zwei bis sechs Jahre zwischen zwei Dritteln und sechs Siebteln des Gehalts zu beziehen. Während des Jahres Auszeit werden sie dann weiterhin bezahlt.

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