Unternehmen Vom Bergbau- zum Autoland: Saarlands Wirtschaft hat ein neues Gesicht

Ein Förderturm der RAG Deutsche Steinkohle.

Ein Förderturm der RAG Deutsche Steinkohle.© RAG Deutsche Steinkohle

Mitte 2012 war nach 250 Jahren endgültig Schicht im Schacht im Bergwerk Saar. Den Strukturwandel hat das Saarland aber längst hinter sich - und hat sich zu einer der wachstums- und exportstärksten Regionen Deutschlands entwickelt.

Der Bergbau im Saarland ist seit einem Jahr Geschichte. Mit einem „Tag des Bergmanns“ will der Landesverband am Sonntag (30. Juni) die Traditionen wachhalten. Und die Fördertürme und Halden werden noch Jahrzehnte vom schwarzen Gold künden, das jahrzehntelang für Wohlstand sorgte. Doch die Wirtschaft hat längst ein neues Gesicht.

„Es gibt nur wenige Regionen in Europa, in denen sich die wirtschaftlichen Strukturen so grundlegend gewandelt haben – und dazu noch erfolgreich“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Saar, Volker Giersch. Seit 1960 gingen rund 80 000 Arbeitsplätze bei Gruben und Hütten verloren, die meisten im Bergbau.

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„Weitgehend unbemerkt hat sich das Land zu einer der wachstums- und exportstärksten Regionen Deutschlands entwickelt“, sagt Giersch. In fünf Jahrzehnten wurden mehr als 200 Industriebetriebe mit 40 000 Arbeitsplätzen angesiedelt. Die in den 80er Jahren kriselnde Stahlindustrie wurde zur High-Tech-Branche mit 11 000 Arbeitsplätzen entwickelt. Die Arbeitslosenquote liegt mit 7,4 Prozent im Mittelfeld der Bundesländer. Von „strukturschwach“ist keine Rede mehr.

Motor der Saar-Wirtschaft: Maschinenbau und Autoindustrie

Motor der Saar-Wirtschaft ist der Maschinenbau und die Autoindustrie. Größter Arbeitgeber im Land sind mit bald mehr als 9000 Beschäftigten der Getriebehersteller ZF sowie Bosch´(Einspritzpumpen) und das Ford-Werk mit je etwa 6 000 Mitarbeitern.

„Die Wirtschaft des Landes ist nicht schlecht aufgestellt“, räumt auch Wirtschaftsprofessor Heinz Bierbaum von der Linkspartei ein. Ein Problem sei, dass die Firmenzentralen der großen Unternehmen nicht im Saarland liegen: „Die Entscheidungen werden eben nicht in Saarlouis oder Saarbrücken getroffen“, stellt Bierbaum fest.

Bis zu 70 Prozent der Produkte gehen direkt oder indirekt ins Ausland. Die Wirtschaft profitiert so besonders von Konjunkturhochs, bekommt aber auch die Tiefs zu spüren. Zudem sitzt das Saarland auf einem Schuldenberg von 13 Milliarden Euro. Rund die Hälfte davon geht nach Schätzungen auf das Konto des Strukturwandels. Das Land hängt am Tropf der Geberländer und muss zur Einhaltung der Schuldenbremse kräftig sparen.

Bergbaumaschinen verschrottet oder ins Ausland verkauft

Wirtschaft und Regierung plagt jetzt die Sorge um Facharbeiter. Hier droht nach Einschätzung der Demoskopen noch schneller ein Mangel als in anderen Teilen der Republik. Die Landesregierung hat erste Programme aufgelegt, um Langzeitarbeitslose zu reaktivieren, die Ausbildung im Land zu verbessern, Azubis aus dem angrenzenden Lothringen und Fachkräfte aus anderen Teilen Deutschlands anzulocken.

Die Arbeiten unter Tage sind indes beendet. Die Maschinen und andere Gerätschaften wurden nach oben geholt, verschrottet, nach Nordrhein-Westfalen gebracht, oder ins Ausland verkauft; die meisten Schächte sind mit Beton verfüllt. Doch der Bergwerkskonzern RAG hat noch Einiges zu tun. So wird es Jahrzehnte dauern, bis die Stollen kontrolliert mit Wasser gefüllt und damit voll stabilisiert sind.

Solaranlagen auf früheren Bergbauflächen

Jetzt steht vor allem die Entwicklung von rund 2 750 Hektar Bergbauflächen und rund 800 Gebäuden an. Die Planungen für Gewerbe- und Energieparks, Industriedenkmäler und Freizeitflächen sind angelaufen. Dabei schauen auch die Nordrhein-Westfalen genau hin. An Rhein und Ruhr endet 2018 der Bergbau in Deutschland insgesamt. „Wir sind im Saarland die erste Region, in der ein komplettes Revier abgewickelt wird“, berichtet der Saar-Repräsentant der RAG Montan Immobilien GmbH, Rudolf Krumm.

Besonders interessant sind dabei die Projekte für die Entwicklung Neuer Energien. Im Saarland wurden auf früheren Bergbauflächen bereits Solaranlagen mit einer Kapazität von mehr als 20 Megawatt errichtet. Weitere sowie Windparks sind in Planung.

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