Unternehmen Vom Totalschaden zum Schmuckstück: Warum Chrysler so begehrt ist

Chrysler hat eine wechselvolle Geschichte. Mal gehörte der US-Autobauer zum Daimler-Konzern, mal zum Finanzinvestor Cerberus. Glücklich geworden sind beide nicht mit Chrysler - ganz anders als der jetzige Mehrheitseigner Fiat.

„Achterbahn-Fahrt: Eine Geschichte des Unternehmens Chrysler.“ Es ist ein bezeichnender Titel, den der Wirtschaftshistoriker Charles Hyde seinem Buch über den kleinsten der drei US-Autokonzerne verpasst hat. Dabei konnte Hyde beim Erscheinen seines Werkes 2003 gar nicht ahnen, dass der rasanteste Looping erst noch folgen sollte: die Insolvenz Chryslers im Jahr 2009 und der Wiederaufstieg unter der Ägide des italienischen Fiat-Konzerns.

Die Ursprünge des Autoherstellers reichen bis in die 1920er Jahre zurück, als Walter P. Chrysler sich mit drei ehemaligen Studebaker-Ingenieuren zusammentat, um eine Nobelkarosse auf die Räder zu stellen. Der Chrysler Six kam 1924 heraus. Und noch für den Autoliebhaber von heute steht Chrysler für wegweisende Modelle wie den Minivan Voyager, fette Pick-up-Trucks der Tochter RAM oder den Geländewagen-Veteranen Jeep Wrangler.

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Chrysler flüchtet sich in den Gläubigerschutz

1998 schloss sich dann Daimler mit Chrysler zusammen. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp feierte dies als „Ehe im Himmel“. Die Idee war, einen transatlantischen Autobauer zu schmieden. Doch der deutsche Nobel- und der amerikanische Massenhersteller passten nicht so recht zusammen. In Zeiten steigender Spritpreise hatte Chrysler schließlich auch noch Probleme, seine technisch veralteten Boliden an die Kunden zu bringen. Sanierungsversuche scheiterten.

2007 verkaufte Daimler die Chrysler-Mehrheit an den US-Finanzinvestor Cerberus. Nur wenig später kochte die Finanzkrise hoch, die zur schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg führte. Chryslers Verkäufe brachen zwischenzeitlich um mehr als die Hälfte ein, selbst milliardenschwere Finanzhilfen aus Washington konnten eine Insolvenz nicht mehr verhindern. Am 30. April 2009 flüchtete sich Chrysler in den Gläubigerschutz.

Know-How gegen Anteile – Fiat wird Mehrheitseigner

Von hier an ging es allerdings aufwärts. Chrysler konnte sich im Insolvenzverfahren von drückenden Schulden befreien, unrentable Werke schließen und somit einen Neuanfang wagen. Das nötige Geld kam vom US-amerikanischen und kanadischen Steuerzahler; technisches Know-how steuerte Fiat bei und bekam dafür im Gegenzug Anteile. Fiat-Chef Sergio Marchionne wurde oberster Lenker beider Autofirmen.

Für die Italiener, selbst angeschlagen durch die Wirtschaftskrise, stellte sich der Deal letztlich als Glücksgriff heraus. Denn während der europäische Automarkt vor sich hin dümpelt, stiegen die Verkäufe in Nordamerika seit der Krise kontinuierlich. Chrysler glich mit seinen Gewinnen mehr als einmal die Verluste aus, die Fiat in Europa anhäufte. Es ist also kein Wunder, dass Marchionne den US-Autobauer gern komplett übernehmen würde.

Momentan hält Fiat 58,5 Prozent, die restlichen Anteile liegen bei einem Gesundheitsfonds der US-Autogewerkschaft UAW. Da sich beide Seiten bislang aber nicht auf einen Kaufpreis einigen konnten, ist die Gewerkschaft nun drauf und dran, ihr Paket an die Börse zu bringen. Was dann aus der Verbindung mit Fiat wird, ist offen. Es wäre der nächste Looping in Chryslers Achterbahn-Geschichte.

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