Unternehmen Vorsicht vor Panikmache der Versicherer

Die neue Bilanzrechtsreform ist für die Versicherungsbranche ein Milliardengeschäft. Sie warnt vor einer Verdoppelung der Pensionsrückstellungen - und treibt Unternehmer damit zum Kauf ihrer Policen. Doch die Rückstellungen erhöhen sich weit weniger, berichtet impulse.

Die Auswirkungen des zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) auf die Rückstellungen für Pensionszusagen haben viele Versicherer unangemessen als Verkaufsargument genutzt, da die Auswirkungen vermutlich geringer ausfallen werden, als von den Versicherern angeführt.

impulse berichtet in der am 25. November erscheinenden neuen Ausgabe, dass Firmenchefs in der Bilanz für 2010 die Rückstellungen im Schnitt rund 20 Prozent erhöhen müssen. Norbert Steinle, Experte für betriebliche Altersversorgung von der Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner, bestätigt die Zahl gegenüber impulse. Im Einzelfall könne es mehr sein. Steinle widerspricht damit Äußerungen aus den Reihen der Versicherungsbranche, die eine durchschnittlich Erhöhung der Rückstellungen um 50 Prozent als realistisches Szenario schätzen.

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Aber auch nur eine 20-prozentige Steigerung der Pensionsrückstellungen wird für viele Firmen schwer darstellbar sein. Schließlich stecken in den Bilanzen geschätzte 250 Mrd. Euro Rückstellungen für Pensionszusagen. Schon heute zahlen Arbeitgeber jährlich Ruhegelder insgesamt in Milliardenhöhe an vier Millionen Rentner.

Der bAV-Referent bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Florian Swyter, hält das Vorgehen vieler Versicherer für Panikmache. „Es wird eine alarmistische Stimmung erzeugt“, sagt Swyter. Auch der renommierte Versicherungsmathematiker und Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung, Klaus Heubeck, ist skeptisch: „Erst machen Sie den Unternehmen Angst, und dann präsentieren sie eine Patentlösung.“ Er sei manchmal sprachlos, was man Unternehmen alles andrehen könne.

Für die Versicherungswirtschaft ist die bAV ein Milliardengeschäft. Die 2,6 Millionen Rückdeckungsversicherungen, die deutsche Firmen bislang abgeschlossen haben, belaufen sich auf mehr als 100 Mrd. Euro. An diesen Verträgen dürften die Vertriebe mehr als 5 Mrd. Euro an Provisionen verdient haben.

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Den ganzen Artikel lesen Sie in der am Donnerstag erscheinenden impulse-Ausgabe 12/2010.

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