Unternehmen VW-Arbeiter in den USA sperren sich gegen Gewerkschaft

Eine Mitarbeiterin im VW-Werk in Chattanooga, USA

Eine Mitarbeiterin im VW-Werk in Chattanooga, USA© Volkswagen

Die US-Gewerkschaft UAW gilt bei konservativen Amerikanern als Mitschuldiger am Niedergang der heimischen Autoindustrie. Nun wollte die Gewerkschaft mit Rückendeckung der IG Metall in das VW-Werk in Tennessee einzuziehen. Doch die Mitarbeiter haben Nein gesagt.

Die Mitarbeiter in Volkswagens einzigem US-Werk haben der umstrittenen Autogewerkschaft UAW die Türe vor der Nase zugeschlagen. Sie stimmten mit 712 zu 626 Stimmen gegen den Vorschlag, sich von der Gewerkschaft in Tarifangelegenheiten vertreten zu lassen. Dies ist ein herber Rückschlag für die UAW, die seit Jahren vergeblich versucht, in den Autofabriken im Süden der Vereinigten Staaten Fuß zu fassen.

„Die Mitarbeiter haben gesprochen“, erklärte Werkschef Frank Fischer am späten Freitag (Ortszeit) bei der Bekanntgabe des Ergebnisses am Standort Chattanooga im Bundesstaat Tennessee. „Volkswagen wird die Entscheidung der Mehrheit respektieren.“

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Das VW-Werk war die bislang beste Chance für die UAW, ihre Stellung in dem traditionell eher gewerkschaftsfeindlichen Teil des Landes zu verbessern. Im Gegensatz zu amerikanischen und asiatischen Firmen sperrte sich Volkswagen nicht gegen den Vorstoß. Im Gegenteil: Der mächtige Konzernbetriebsrat hatte auf die Wahl gedrungen, um eine Arbeitnehmervertretung nach deutschem Vorbild in der amerikanischen Fabrik zu etablieren. Chattanooga ist das einzige große VW-Werk weltweit, das nicht organisiert ist.

Sieg der Gewerkschaft wäre Wendepunkt gewesen

Der Konzernbetriebsrat will nun zügig andere Wege ausloten, um eine Arbeitnehmervertretung zu gründen. Denn bei der Wahl ging es nur darum, ob die UAW die Stimme der Belegschaft sein soll. „Wir wissen aus vielen Gesprächen mit Kollegen in Chattanooga, dass das Interesse an der Einrichtung einer betrieblichen Arbeitnehmervertretung bei den Beschäftigten groß ist“, erklärte der Generalsekretär des Konzernbetriebsrats, Gunnar Kilian. 89 Prozent der berechtigen Mitarbeiter hatten nach Firmenangaben an der geheimen Wahl teilgenommen.

Die Wahl hatte landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Hätte die UAW gewonnen, wäre dies ein Wendepunkt in ihrer Geschichte gewesen. Im gewerkschaftskritischen Süden der USA haben sich viele ausländische Autohersteller angesiedelt. VW fertigt in der Region seit 2011 seinen US-Passat, Daimler und BMW bauen hier schon länger Geländewagen für den Weltmarkt. Auch Japaner und Südkoreaner betreiben große Fabriken. Dagegen liegen die Werke der großen US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler zumeist im gewerkschaftlich stark organisierten Norden.

Politiker machten gegen UAW mobil

Republikanische Politiker im Süden hatten gegen die UAW mobil gemacht, weil sie das Ausbleiben neuer Investoren fürchteten. Sie sehen die Gewerkschaft als Mitschuldigen am Niedergang der Autoindustrie rund um Detroit. Die Autometropole im Norden hatte im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden müssen. „Ich brauche es eigentlich gar nicht zu erwähnen, aber ich freue mich für die Mitarbeiter bei Volkswagen, für unsere Kommune und ihre Zukunft“, erklärte Senator Bob Corker.

Er sei enttäuscht über den Ausgang und gleichzeitig aufgebracht über die Einmischung von Außen, sagte UAW-Chef Bob King. Das Wahlergebnis muss allerdings noch von der zuständigen US-Aufsichtsbehörde National Labor Relations Board (NLRB) bestätigt werden. King: „Wir schauen uns unsere rechtlichen Möglichkeiten an.

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