Unternehmen VW greift mit US-Passat an

Der Wolfsburger Konzern will mittelfristig Toyota als Weltmarktführer ablösen. Entscheidende Etappe: 2011 rund 400.000 Autos in Amerika verkaufen. Helfen soll dabei eine US-Version des Passat.

Volkswagen will noch im Frühjahr die Produktion des New Midsize Sedan starten, eines auf der Basis des Passat speziell für den US-Markt entwickelten Familienautos. Der Wagen soll im neuen Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennesse vom Band rollen und helfen, den VW-Absatz auf dem wichtigen US-Markt deutlich auszubauen. „Es ist das wichtigste Jahr für VW in den USA“, sagte der neue US-Chef von VW, Jonathan Browning, am Sonntag in Herndon bei Washington. Nur wenn der Wolfsburger Konzern in den USA stärker wächst, kann er auch sein Ziel erreichen, Weltmarktführer Toyota in den nächsten Jahren zu überholen.

„Auch Toyota wird nicht stehenbleiben“, sagte Winterkorn. Der Rivale müsse ernst genommen werden, sagte der Konzernchef. Volkswagen will Toyota bis 2018 beim Absatz einholen und dann auch ähnlich profitabel sein wie sein japanisches Vorbild. Analysten hatten spekuliert, VW könne Toyota wegen der Rekordfahrt schneller an der Weltmarktspitze ablösen.

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Im abgelaufenen Jahr schlugen die Wolfsburger weltweit erstmals 7,14 Millionen Fahrzeuge los, eine Steigerung von 13,5 Prozent. Rivale Toyota rechnet nach früheren Angaben dank des florierenden Asiengeschäfts für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr mit einem konzernweiten Absatz von 7,41 Millionen Einheiten. Die Japaner waren vor einem Jahr wegen einer beispiellosen Rückrufaktion aus dem Tritt gekommen, haben sich inzwischen aber wieder gefangen.

Winterkorn sagte, Volkswagen werde den Absatz im laufenden Jahr weiter steigern. Auf die Frage, wie sich der Konzern schlagen werde, sagte er: „Ich hoffe, noch ein bisschen besser als 2010.“ Der Weltmarkt werde vermutlich auf 62 bis 63 Millionen Einheiten von 59 Millionen im vergangen Jahr steigen. Das Wachstum dürfte wie im abgelaufenen Jahr vor allem aus China und Brasilien kommen, wo die Autonachfrage nach wie vor hoch ist.

Der neue US-Passat soll auf der in dieser Woche in Detroit beginnenden Automesse erstmals einem größeren Publikum vorgestellt werden. Der Autobauer schult derzeit die neu eingestellten Beschäftigten in Chattanooga. 1300 Arbeiter wurden bisher eingestellt, bis zu 2500 Mitarbeiter soll die Belegschaft einschließlich Verwaltung und Management einmal umfassen, wenn das Werk voll arbeitet. Bis 2018 will Volkswagen in den USA jährlich eine Million Fahrzeuge absetzen, 200.000 davon soll die Tochter Audi beisteuern. Die neue Fabrik hat eine Kapazität von 150.000 Einheiten und kann später auf 250.000 Fahrzeuge ausgebaut werden. Einen großen Teil der in Amerika verkauften Autos liefert das VW-Werk im mexikanischen Puebla mit einer Jahreskapazität von rund 550.000 Fahrzeugen.

Angriff auf Toyotas Familienwagen Camry

Mit dem New Midsize Sedan will VW den in Amerika besonders erfolgreichen Familienwagen Toyota Camry angreifen. In dem mittleren Limousinen-Segment werden pro Jahr rund zwei Millionen Autos auf dem einst größten Pkw-Markt der Welt verkauft. Einen ersten Schritt zur Ankurbelung der Verkäufe in den USA hatte Volkswagen jüngst mit der Neuauflage des Jetta gemacht. Der auf dem europäischen Verkaufsschlager Golf basierende Wagen rollt in Puebla südlich von Mexiko-Stadt vom Band. Hinzu kommen in den nächsten Monaten neue Versionen des Käfer-Nachfolgers New Beetle und des kleinen Geländewagens Tiguan.

Im laufenden Jahr will der Konzern rund 300.000 (Vorjahr: 257.000) VW-Modelle und 100.000 Audis in den USA an die Kunden bringen. Die die Wolfsburger Kernmarke würde ihren Absatz damit erneut um etwa ein Fünftel steigern, die Ingolstädter Tochter träte dagegen trotz der für 2011 angekündigten Modellneuheiten auf der Stelle. Browning lehnte es aber ab, sich näher zu den Zielen von Audi zu äußern. Audi hatte im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 100.000 Einheiten geknackt.

Mit einem Marktanteil von rund drei Prozent spielt Europas größter Autokonzern in den USA derzeit aber weiter nur eine Nischenrolle. Um in die Nähe von Toyota zu kommen, müssen sich die Wolfsburger gewaltig steigern. Der japanische Konzern setzte 2010 in Amerika fast 1,8 Millionen Autos ab und lag damit auf Rang drei hinter den wiedererstarkten US-Herstellern Ford und General Motors. Insgesamt kamen in den USA im vergangenen Jahr 11,5 Millionen Neuwagen und leichte Nutzfahrzeuge neu auf die Straßen.

Für VW bedeutet die Eröffnung des Werks in Chattanooga einen Neuanlauf in den USA. Dank des legendären Käfers und des VW-Busses feierte der Konzern in den 1960er-Jahren Verkaufserfolge. 1970 erzielten die Wolfsburger mit insgesamt 570.000 Neuzulassungen einen Marktanteil von sieben Prozent. In den folgenden Jahren ging es für VW of America dann aber steil bergab, 1988 schloss der Konzern sein Werk in Westmoreland im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Grund zum Jubeln gab es für VW deshalb zuletzt in erster Linie in China, wo die Niedersachsen vor der Konkurrenz liegen. Dort schlug Volkswagen 2010 erstmals mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge los, 35 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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