Unternehmen Wachsen gegen den Trend

Franchiseunternehmen erweisen sich auch in der Krise als stabil. Ihr Vorteil sind engagierte Partner, die die Geschäftskonzepte selbstständig umsetzen. Was die Gewinner des impulse-Franchise-Wettbewerbs erfolgreich macht.

Donnerstagmorgen, kurz vor neun
Uhr. Wilhelm Weischer betritt die
gläserne Franchise-Zentrale von
Baby One im westfälischen Münster. Ein
kurzer Blick auf die im Foyer ausgestellten
Kinderwagenmodelle, dann erklimmt
er die wenigen Stufen hinauf in
den ersten Stock. Von hier aus lenkt der
geschäftsführende Gesellschafter
die Fachmarktkette
für Baby- und Kleinkindbedarf.

Sein wichtigster Termin
heute: ein Treffen mit
ausgewählten Partnern seines Franchisesystems.
Er will mit ihnen
über das Umsatzwachstum
sprechen, das sie in diesem
Jahr erreichen
sollen: „Wir haben
zehn Prozent plus x fest im Visier.“ 2008
eroberte die Firma
die Spitzenposition
unter den Baby-Fachmarkt-Systemen
Deutschlands. Trotz schwierigem Umfeld
konnte Weischer den Gesamtumsatz
von
112 auf 130 Millionen Euro steigern.

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Franchisegeber 2009

Sieger Dieses Jahr vergibt impulse den
Preis für das beste Franchisesystem
zum 19. Mal. Wilhelm Weischer, Chef des
Fanchisesystems Baby One, ist 2009 die
Nummer eins der Branche. Seine Fachmarktkette
ist in Deutschland führend
bei Baby- und Kleinkindbedarf.

Anforderungen An dem Wettbewerb
kann teilnehmen, wer mit seinem System
mindestens drei Jahre auf dem Markt ist.
Die Jury prüft, ob die Geschäftszahlen
positiv sind und das Konzept überzeugt.
Es darf keine kritische Rückmeldung von
einem Partner geben. Wichtig ist auch,
was der Franchisegeber unternimmt, um
die Marke bekannt zu machen.

Jury Sie setzt sich zusammen aus Dieter
Fröhlich, Präsident des Deutschen Franchise-
Verbands, Unternehmensberater
Detlef Kutta, Martin Ahlert, Geschäftsführer
des Internationalen Centrums für
Franchising & Cooperation der Universität
Münster, Christoph Preuß, Leiter
Shop-Vertrieb bei Mobilcom-Debitel und
Michael Jansen für impulse.

Das überzeugte die Juroren des Franchisegeber-
Preises, den impulse in diesem
Jahr zum 19. Mal vergibt. Sie wählten
Baby One zum Champion 2009. „Ein
derartiges Wachstum ist in diesen schwierigen
Zeiten ungewöhnlich“, analysiert Jurymitglied Dieter Fröhlich. Der Präsident
des Deutschen Franchise-Verbands
vertritt 950 Unternehmen der Branche
und 57 000 Franchisenehmer. Die Juroren
kürten auch den besten Gründer einer
eingeführten Marke. Die Wahl fiel
auf Joachim Rehkämper, Besitzer eines
erfolgreich gestarteten Vapiano-Restaurants
in Münster.

Wie den Preisträgern Rehkämper und
Weischer geht es der ganzen Branche
vergleichsweise gut. Ihr Verband rechnet
2009 immerhin mit einem einstelligen
Wachstum; für den gesamten Mittelstand
rechnen die Wirtschaftsverbände mit einem
Minus von zwei Prozent.

Baby-One-Chef Weischer ist ambitioniert.
Er diskutiert mit seinen Franchisepartnern
Details zum Werbeplan 2009
und Verkaufsstrategien im Internet.
„Wichtige Entscheidungen treffen wir gemeinsam“,
erklärt Weischer. „Die Franchisenehmer
sind nicht meine Angestellten,
sondern selbstständige Unternehmer.
Wir beraten und diskutieren auf
Augenhöhe.“ Der Vorteil dieses Systems
liegt für Weischer auf der Hand. Der
Franchisegeber verantwortet das unternehmerische
Gesamtkonzept, die Franchisenehmer
setzen es als Partner selbstständig
um: „Ein Unternehmer vor Ort ist
viel motivierter und engagierter als ein
Filialleiter.“

Zu diesen Unternehmern zählt Restaurantbesitzer
Joachim Rehkämper, der als
Gründer zunächst zwei Hindernisse aus
dem Weg räumen musste: Das Investment
für das Lokal in mediterranem Stil
betrug 1,6 Millionen Euro. „Keine deutsche
Bank wollte meine Existenzgründung
finanzieren“, erzählt er. Erst bei
einem österreichischen Institut fand er
seine Geldgeber.

Das zweite Problem tauchte auf, als er
im Sommer seinen Gästen auch Plätze
vor dem Restaurant anbieten wollte. Die
Stadt Münster weigerte sich, die vom
Konzept vorgeschriebenen, großen, langen
Holztische und Bänke für draußen
zu genehmigen. Unzählige Gespräche
waren notwendig, um erst sechs und später
schließlich 24 Tische hinausstellen
zu dürfen.

Franchisegründer des Jahres

Wettbewerb Welcher Franchisegründer startet als bester mit einem eingeführten Konzept?
Die Jury, die auch den Franchisegeber kürt, sichtet jedes Jahr die Unterlagen und
ermittelt einen Sieger. Zum vierten Mal vergeben impulse und Mobilcom-Debitel den Preis.

Sieger Platz eins geht an Joachim Rehkämper, dem in Münster ein von Beginn an gut
besuchtes
Vapiano-Restaurant gehört. Den zweiten Platz nimmt Thorsten Milhamke ein. Er
ist Franchisenehmer vom Scheiben-Doktor im niedersächsischen Lehrte, repariert und
erneuert
seit Mai 2007 die Scheiben von Autos und Lastwagen. Mit Erfolg: Während Newcomer
im Schnitt 210 000 Euro in den ersten zwölf Monaten erzielen, schaffte Milhamke
420 000 Euro. Für Platz drei qualifizierte sich Marcus Ströhle. Der 34-Jährige ist seit Juli
2007 Partner des Franchisesystems Pirtek, eines Spezialisten für Hydraulikservice, und
verdient
in Ulm glänzend mit der Geschäftsidee: Immer dann, wenn bei einem Bagger der
Hydraulikschlauch platzt, ist der Experte innerhalb von einer Stunde vor Ort. Das verkürzt
die Stillstandszeiten von Maschinen. Sein Service kommt an: 2008 schaffte er mehr als
550 000 Euro Umsatz.

Anforderungen Unter die Sieger kann kommen, wer mit seinem Umsatz deutlich über dem
Schnitt der anderen Gründer einer Branche liegt, Arbeitsplätze geschaffen hat und kreative
Ideen entwickelt, um auf seinem lokalen Markt bekannter zu werden. Der Kandidat muss
zudem eine Empfehlung seines Franchisegebers vorweisen.

Rehkämpers Restaurant ist bei Pizzaund
Pasta-Fans beliebt. Während ein
durchschnittlicher Vapiano-Gründer im
ersten Jahr zwei Millionen Euro Umsatz
erwirtschaftet, schaffte der zweifache Familienvater
3,16 Millionen Euro. Seine
105 Mitarbeiter bewirten mittlerweile
monatlich gut 40 000 Gäste. Der „Franchisegründer
des Jahres“ rechnet damit,
seine Investitionskosten innerhalb von
fünf Jahren über den Cashflow erwirtschaftet
zu haben. Schon schmiedet der
Münsteraner neue Pläne. Im August will
er in Osnabrück seinen nächsten Pizzaund
Pasta-Tempel starten.

Ganz so wie Weichert. Der fing vor 17
Jahren bei Baby One als Franchisenehmer
mit einem Laden an, hat heute selbst
16 Geschäfte und ist Chef der Kette.

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