Unternehmen Warenprobe: Senkel mit Seele

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Ein Schnürsenkel der Firma Barthels-Feldhoff

Ein Schnürsenkel der Firma Barthels-Feldhoff© Boris Kumicak

Welcher Zulieferer stecken hinter unseren Alltagsgegenständen? impulse stellt regelmäßig ein Produkt in allen Details vor. Wer liefert was, wer arbeitet mit wem zusammen? Dieses Mal: Schnürsenkel eines Familienunternehmens aus Wuppertal.

SCHNÜRSENKEL
Barthels-Feldhoff Wuppertal. Seit 1829 spinnt das Familienunternehmen Garne. Heute stellt es mehr als zwei Milliarden Meter pro Jahr her. Das entspricht etwa fünfmal der Strecke zwischen Erde und Mond – mehr Garn produziert kein anderer Hersteller in Europa. Die Werke stehen in Erfurt, Wuppertal und Polen. Die Eigenmarke Ringelspitz, unter der der abgebildete Schnürsenkel verkauft wird, kam 1860 auf den Markt. Die 200 Mitarbeiter fertigen auch Stoffe für die Luftfahrt- und Auto­industrie, Anglerleinen, Gartenbeet-Einfassungen.

 

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FLECHTEN
Herzog Oldenburg. Aus dem Feinen Zwirn wird der Mantel geflochten, der das Innere des Schnürsenkels umgibt – auf einer Maschine von Herzog. Herzog wurde 1861 in Wuppertal gegründet und im Krieg ausgebombt. Seit 1951 steht die Firma in Oldenburg, der Geburtsstadt von Eva Maria Herzog. Die Unternehmerin etablierte nach dem Tod ihres Mannes 1972 die Firma als Weltmarktführer. Heute führt die fünfte Generation. Die Flechtmaschine hat 24 Klöppelspulen. Zwölf drehen sich nach links, zwölf nach rechts, wie beim Tanz um den Maibaum. Der Schnürsenkel entsteht bei 400 Umdrehungen pro Minute. Mehr geht nicht, weil sonst die Fliehkraft zu stark wäre.

 

BENADELUNGSBAND
Artur Müller & Söhne Wuppertal. Der noch viele Meter lange Senkel muss geschnitten werden in 60, 75, 90 und 120 Zentimeter lange Stücke. Das übernimmt eine Maschine der Firma Artur Müller & Söhne. Die Maschine hat allerdings so viele Optimierungen erfahren, dass sie inzwischen eigentlich eine Barthels-Feldhoff-Maschine ist. Sie wickelt die Senkel auch zu Achten und bringt das Benadelungsband an sowie die Cellophanfolien an den Enden zum besseren Ein­fädeln. Geklebt wird mit Aceton, das gibt es überall im Handel, meist von BASF.

 

UMSPULE
Hacoba Reinbek. Die gefärbten Garne werden bei Barthels-Feldhoff auf Hacoba-Automaten vollautomatisch umgespult. 1000 Meter pro Minute rollen auf eine Spindel, die später in die Flechtmaschine kommt. Hacoba gehörte länger zu Babcock, einem Industriegiganten, der pleite ging. Heute existiert Hacoba nur noch als Marke und gehört zu Inter­spare in Reinbek bei Hamburg. Das Unternehmen übernimmt die Wartung der alten Maschinen. Zu jeder Hacoba-Maschine auf der Welt – es gibt ein paar Hundert – hat Interspare drei bis vier Aktenordner mit Informationen.

 

BANDEROLE
Vertikett Solingen. Die Benadelungsmaschine ist ein Tausendsassa. Sie wickelt am Ende auch noch die Banderolen um je zwei Schnürsenkel. Die bunte Banderole liefert die Firma Vertikett aus Solingen bereits fertig bedruckt.

 

VERTRIEB
Barthels-Feldhoff Wuppertal. Die Schnürsenkel gehen per Spedition und DPD an Großhändler, direkt an Schuhgeschäfte oder Schuhhersteller wie Puma. Seit Kurzem können Endkunden via Amazon direkt bei Barthels-Feldhoff kaufen.

 

FARBE
Dystar Singapur. Gehörte mal zu Hoechst, wurde dann mit den Textilfarbentöchtern von Bayer, BASF und Mitsubishi vereint und nach Singapur verlegt. Heute ist Dystar Teil eines indischen Textilkonzerns. Produziert wird in Indien, das Management sitzt in Singapur. Ein Tanklager steht im hessischen Raunheim und versorgt Wuppertal. Dort werden die Farbstoffe mit Wasser und sechs Bar Druck in einem Edelstahlkessel auf gerolltes Garn gesprüht. Der Druck sorgt dafür, dass die Farbe überall ankommt.

 

SEELE
B. Ahlers & Sohn Nordwalde. Seele heißt der innere Teil eines Schnürsenkels. Er ist stabiler als die Hülle, besteht aber genauso aus Baum­wollgarn. Das kauft Händler Ulrich Ahlers, der Textilrohstoffe importiert, in Indien.

 

MANTEL
B. Ahlers & Sohn Nordwalde. Der Ausdruck „Feiner Zwirn“ hat zwei Bedeutungen: erstens die umgangssprachliche, klar. Zweitens beschreibt er eine Garnqualität. Aus Feinem Zwirn wird der Mantel des Senkels her­gestellt, der die Seele umgibt. Auch den Feinen Zwirn kauft Ahlers & Sohn in Indien.

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