Unternehmen Warum Herr Yildirim jetzt Unternehmer wird

Jeden Tag wagen Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit. Im Handelsregister finden sich die Geburtsurkunden ihrer Firmen. impulse stellt jeden Monat eine Gründung vor - ausgewählt nach dem Zufallsprinzip. Dieses Mal: Naim Yildirim, Vermittler von Fußballspielern.

Gründer Naim Yildirim, 50
Idee Vermittlung von Fußballspielern
Kapital 2000 Euro

Herr Yildirim, Sie sind ein gelernter Elektrotechniker und wollen nun Fußballspieler vermitteln. Eine ungewöhnliche Entscheidung.

Ich bin seit 30 Jahren ehrenamtlich engagiert, anfänglich bei „Rock gegen Rechts“ und dann im ersten Frankfurter Immigrantenfußballverein. Ich weiß, dass es Einwandererkinder meistens nicht leicht im Leben haben. Es gibt unter ihnen zwar viele Talente, aber im Fußball reicht Talent nicht allein. Man muss Glück haben und Beziehungen. Dabei will ich den Kindern helfen. Aber natürlich will ich damit auch meine Brötchen verdienen.

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Haben Sie schon Kontakte zu Spielern?

Zu Spielern ja. Ich habe jetzt vier gute unter Vertrag. Einer von ihnen ist eine klassische Zehn, die hinter den Spitzen spielt, der andere ist ein Linksaußen. Ich hoffe, dass ich die beiden in den Profibereich vermitteln kann. Dafür baue ich gerade ein Netzwerk zu Vereinen auf. Jedes Wochenende bin ich auf irgendeinem Fußballplatz zu finden.

Warum sind Sie Unternehmer geworden?

Ich war 13 Jahre bei einer Luftfahrtfirma angestellt, dort auch im Betriebsrat. Wir haben Instrumente für Airbus entwickelt. Als die Firma verkauft werden sollte, wollte ich einen Sozialplan erreichen. Damit habe ich mich aber nicht durchgesetzt, meine Betriebsratskollegen haben eher die Interessen des Managements vertreten. Ich bin dann gegangen und habe mich acht Monate lang beworben. Trotz guter Referenzen hat das nicht geklappt. Da habe ich gesagt: Okay, mir bleibt nichts übrig, dann werde ich selbst Unternehmer.

Keine schlechte Karriere für einen Betriebsrat.

In meiner anderen Firma, Taunus Gebäudedienste, habe ich bis heute immer über Tarif gezahlt. Meine Angestellten können vielleicht nicht üppig, aber in Menschenwürde leben. Aber natürlich wird mich das auch nicht reich machen.

Sie haben jetzt sogar zwei Firmen, sind ehrenamtlich und politisch engagiert – in der CDU. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Ich bin seit 33 Jahren in Deutschland. Was ich erlebt habe, ist schwer zu verdauen. Ich kann aber nur etwas ändern, wenn ich in eine Partei gehe und darauf achte, dass die Dinge richtig gemacht werden. Bei der Spielervermittlung bekomme ich Hilfe von meinen Töchtern und meinem Sohn. Der macht gerade eine Ausbildung beim Bundesgrenzschutz.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 04/2012.

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