Unternehmen Was darf es sein, Heiner Beckmann?

Heiner Beckmann, 65, Chef von Delta Pronatura

Heiner Beckmann, 65, Chef von Delta Pronatura© Manuel Hauptmannl

Seinen "Dr. Beckmann Fleckenteufel" hat fast jeder zu Hause, die Firma dahinter ist unbekannt. In seinem Stammlokal gewährt der 65-Jährige Einblicke.

Im Lobster Weinbistrot ist Heiner Beckmann seit der Eröffnung 1978 ein gern gesehener Gast. Damals gab es noch keine Speisekarte, der Weinladen musste zum gesetzlichen Ladenschluss um halb sieben die Jalousien herunterlassen. Wer es bis dahin schaffte, durfte bleiben – und den Feierabend mit einem Gläschen in geselliger Runde einläuten. „Ich habe damals nur zehn Minuten vom Büro hierher gebraucht. Trotzdem musste ich mich oft beeilen“, erinnert sich Beckmann.

Heute ist das Weinbistrot in Frankfurt-Sachsenhausen ein Restaurant, mit dem Inhaber ist Beckmann per Du, er nimmt den Käseteller und das Kalbsfilet. Dazu bestellt er einen Chardonnay und für später einen Rioja. Im Laufe des Abends wird sich zeigen: Der 65-Jährige und sein Stammlokal passen gut zusammen. Sie sind traditionsbewusst, aber Neuem gegenüber aufgeschlossen. Auf ihre Weise erfolgreich und trotzdem überaus bodenständig.

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Von Abdeckfarbe bis Zucchini

Noch bevor das Essen da ist, referiert der Unternehmer leidenschaftlich über sich ändernde Waschgewohnheiten und die unterschiedlichen Waschmaschinentypen in Europa, den USA und Asien. Beckmann lebt davon, dass Persil, Ariel und andere den kleinen Missgeschicken des Alltags nichts entgegenzusetzen haben: Sein Unternehmen bietet für alle erdenklichen Flecken von A wie Abdeckfarbe bis Z wie Zucchini einen passenden „Dr. Beckmann Fleckenteufel“ an. Einzig gegen Malheure mit Edding-Stiften haben die Chemiker in Beckmanns Labors noch keine Formel gefunden.

Obwohl die „Beckmann“-Marke inzwischen in über 50 Ländern in Küchen und Waschstuben präsent ist, ist nur wenig über die Firma dahinter bekannt: Delta Pronatura, so der Firmenname, gehört zur Kaste der verschwiegenen Familienunternehmen. Zahlen veröffentlicht die Kommanditgesellschaft keine, Öffentlichkeitsarbeit findet kaum statt, dieses Interview ist eine Ausnahme. „Wir wollen uns niemandem anbiedern“, sagt Beckmann und nippt an seinem Chardonnay. Auch wegen dieser Zurückhaltung lautet das inoffizielle Unternehmensmotto: „Nicht klotzen, sondern kleckern.“

Heiner Beckmann führt die Firma in dritter Generation gemeinsam mit seinem Cousin Gerhard Krauss. Die Hälfte des Umsatzes macht das Unternehmen im Ausland – mit steigender Tendenz. Das Firmengelände in Egelsbach, einer kleinen Gemeinde südlich von Frankfurt, haben sie vor einem Jahr auf 40 000 Quadratmeter verdreifacht. Inzwischen arbeiten 300 Menschen für das Unternehmen. Den Grundstein für das Auslandsgeschäft hat Beckmann als junger Mann selbst gelegt. „Mein Vater war ein Patriarch, wie er im Buche steht“, erzählt er. „Als ich vor 40 Jahren anfing, gab es eigentlich keinen Platz für mich.“ Seine Aufgabe habe er auch deshalb im Aufbau des Auslandsgeschäfts gesucht und gefunden. Noch heute ist das sein Steckenpferd – zum Leidwesen seiner Frau: „Sie hat mir vorgerechnet, dass ich im vergangenen Jahr an genau 89 Werktagen im Ausland tätig war.“ Er will eben selbst überprüfen, wie seine Produkte in Supermärkten präsentiert werden und was die globale Konkurrenz in die Regale stellt.

Der Chardonnay ist jetzt vom Rioja abgelöst, der Teller mit dem Kalbsfilet halb leer. Zeit, mal an etwas anderes zu denken als die Firma? Aber das fällt dem Unternehmer schwer. Es kommt vor, dass Beckmann sogar in den Ferien einen neuen Markt erschließt. Aus Urlaubsbekanntschaften auf Mauritius und in Namibia sind so Dr.-Beckmann-Distributoren geworden.

Richtig Ruhe findet Beckmann eigentlich nur in der Natur, in der Hütte im Schwarzwald, in die er sich manchmal einquartiert, oder beim Bergwandern in den Alpen. „Dafür trainiere ich das ganze Jahr“, sagt der 65-Jährige. Morgendliche Waldläufe stehen auf seinem Trainingsplan und gezielte Geräteübungen mit Personal Trainer. „Ich bin heute fitter als vor zehn Jahren“, sagt Beckmann nicht ohne Stolz. Auch beruflich sind keine Anzeichen von Müdigkeit zu erkennen. Zu gern reibt er sich als David an den Goliaths Henkel, Procter & Gamble und Reckitt Benckiser. Die Waschmittelkonzerne machen ihm das Leben schwer – und umgekehrt. „Inzwischen akzeptieren sie mich.“

Später am Abend. Dessert ist eigentlich nicht so seins, aber heute nimmt Beckmann ausnahmsweise das Tiramisu. Das Gespräch dreht sich jetzt um Verbandspolitik, Beckmann engagiert sich beim Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) und sagt nicht zum ersten Mal an diesem Abend: „Wir Mittelständler müssen zusammenhalten.“ Das gibt er auch seinem Sohn mit, der eines Tages die Unternehmensanteile übernehmen soll.

Schon jetzt kommt der Sprössling mit auf Dienstreisen, arbeitete während seiner Masterarbeit im Unternehmen. „Zum Jahresende hat er aber bei uns aufgehört“, sagt Beckmann und macht auch klar, wessen Entscheidung das war: „Ich denke, er sollte nun für einige Jahre erst mal auf eigenen Beinen stehen.“

Lobster Weinbistrot
Das Lobster Weinbistrot liegt an der Wallstraße in Frankfurt-Sachsenhausen. Die Karte bietet neben den zahlreichen Weinen auch bürgerlich-mediterrane Küche, zum Beispiel das Kalbsfilet mit Steinpilzen (20 Euro) oder Dorade in frischenTomaten (17 Euro).
Delta Pronatura
In Deutschland und Österreich vertreibt Delta Pronatura neben der international bekannten Marke Dr. Beckmann auch Blistex (Lippenpflege), Bi-Oil (Hautpflege) und Bullrich Salz (rezeptfreies Arzneimittel).

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