Auto Das verdient die ADAC-Spitze

ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair bei der Verleihung des Autopreises "Gelber Engel" am 16. Januar 2014.

ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair bei der Verleihung des Autopreises "Gelber Engel" am 16. Januar 2014.© ADAC

Die ADAC-Chefs wollen trotz einer Welle der Kritik auf ihren Posten bleiben. Erste Branchenvertreter gehen auf Abstand. Unterdessen wurde bekannt, wie viel die Führungsspitze des Autoclubs insgesamt pro Jahr verdient: einen Millionenbetrag.

Der ADAC zahlt seiner Führungsspitze jährlich insgesamt rund 1,6 Millionen Euro. Einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung bestätigte der ADAC am Mittwoch auf Anfrage. Laut ADAC fließen davon rund 336.000 Euro als Aufwandsentschädigung an die Mitglieder des Präsidiums. Die acht Männer erhalten demnach pro Monat im Durchschnitt 3500 Euro. Die übrigen knapp 1,3 Millionen Euro bekommen die vier Geschäftsführer des ADAC, die als Manager Verein und Konzern mit rund 8600 Mitarbeitern wirtschaftlich führen. Im Schnitt verdient ein Geschäftsführer damit rund 319.000 Euro pro Jahr.

Im Skandal um Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ gerät der ADAC unterdessen zunehmend unter Druck. Die Staatsanwaltschaft interessiert sich für die Affäre. Autobauer VW und Branchenverband VDA fordern Aufklärung. Zugleich scheinen konkurrierende Autoclubs von der Zahlenfälschung bei dem mit Abstand größten Autofahrer-Verband zu profitieren.

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Die vom ADAC angekündigte Transparenz „ist dringend nötig, denn nur so kann die Glaubwürdigkeit des Verfahrens wiederhergestellt werden“, sagte ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie VDA der Zeitung „Die Welt“. Volkswagen will als Reaktion auf die manipulierten Zahlen vorerst auf Werbung mit dem „Gelben Engel“ verzichten.

Kommunikations-Experte: „ADAC ist organisiert ist wie ein Kaninchenzüchterverein“

Der Kommunikations- und PR-Experte Klaus Kocks geht noch einen Schritt weiter und fordert einen sofortigen Managementwechsel beim ADAC. „Der ADAC ist ein Staat im Staat, eine riesige Organisation, die gewaltige Geldmengen bewegt, aber organisiert ist wie ein Kaninchenzüchterverein“, sagte Kocks dem Hessischen Rundfunk. Mit seiner heutigen Führung sei der ADAC nicht in der Lage, das Vertrauen der Autofahrer wiederherzustellen.

Das Präsidium des ADAC ( v. l. n. r.): Kurt Heinen, August Markl, Thomas Burkhardt, Peter Meyer, Ulrich Klaus Becker, Klaus-Peter Reimer, Werner Kaessmann und Hermann Tomczyk.

Das Präsidium des ADAC ( v. l. n. r.): Kurt Heinen, August Markl, Thomas Burkhardt, Peter Meyer, Ulrich Klaus Becker, Klaus-Peter Reimer, Werner Kaessmann und Hermann Tomczyk.© ADAC

ADAC-Präsident Peter Meyer lehnt einen Rücktritt weiterhin ab und verteidigt auch seinen Geschäftsführer. „Wir haben volles Vertrauen in die Arbeit von Dr. Obermair, der mit der umfassenden Aufklärung der Angelegenheit beauftragt ist. Er ist Aufklärer und nicht Verursacher“, sagte Meyer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Die Staatsanwaltschaft München will unterdessen aufgrund der Medienberichte prüfen, ob Straftatbestände berührt sein könnten. Sie betonte zugleich, dass bisher kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. Der ADAC bot der Staatsanwaltschaft in München „vollumfängliche Unterstützung“ an.

Deutlich mehr Anfragen bei der ADAC-Konkurrenz

Der Auto Club Europa (ACE) und der Automobilclub von Deutschland (AvD) registrierten derweil gesteigertes Interesse an ihren Angeboten. Die Leitungen seien überlastet gewesen, sagte ein ACE-Sprecher. „Viele Anrufer sind leider nicht durchgekommen.“ Auf der Webseite habe es fünf Mal mehr Zugriffe als sonst gegeben. Ob die Mitgliederzahl von rund 580.000 steigen werde, sei noch unklar, da wechselwillige ADAC-Mitglieder Kündigungsfristen einhalten müssten.

Auch beim kleineren Automobilclub für Deutschland (AvD) stiegen die Anfragen seit Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe sprunghaft an, wie eine AvD-Sprecherin der „Rheinischen Post“ sagte. „Wir hatten seit dem Wochenende ein sehr stark erhöhtes Anrufvolumen. Viele Anrufer wollten sich nach unseren Konditionen erkundigen.“

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