Unternehmen Was die Industriebranchen 2013 erwartet

Die Konjunkturprognosen sind bescheiden, aber die großen deutschen Industriezweige sind voller Zuversicht ins neue Jahr gestartet. Lesen Sie hier, welche Erwartungen die einzelnen Branchen an 2013 haben.

Egal ob Maschinenbau, Chemie oder Elektro: Sie alle
rechnen 2013 mit besseren Geschäften als im alten Jahr. In der
Autoindustrie ist die Zuversicht auf die Konzerne begrenzt, die in
Übersee stark sind. Denn in Europa stehen Opel & Co. vor einem
weiteren schweren Jahr. Große Unsicherheit herrscht in der
Finanzwelt, die Commerzbank scheut gar einen klaren Ausblick. Die
Branchen im Überblick:

Autoindustrie

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Der Autobranche droht 2013 nach Ansicht von Experten ein besonders hartes Jahr. Fachmann Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sieht die europäische Autoindustrie – insbesondere Südeuropa – vor ihrer „größten Belastungsprobe seit dem Zweiten Weltkrieg“. Die Euro-Zone bleibe länger in der Rezession, und der Abwärtstrend auf den Pkw-Märkten könne erst im nächsten Jahr gestoppt werden. In vielen Ländern, vor allem im schuldengeplagten Süden Europas, wurden 2012 so wenige Neuwagen verkauft wie seit Jahren nicht mehr.

In Spanien schrumpften die Absatzzahlen laut Branchenverband im Dezember um 23 Prozent, über das ganze Jahr 2012 belief sich das Minus auf 13 Prozent. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge lag mit knapp 700.000 so niedrig wie zuletzt zu Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1989. In Frankreich wurden im abgelaufenen Jahr 1,9 Millionen Autos neu zugelassen – das sind 14 Prozent weniger als 2011 und so wenige wie letztmals 1997. Autoexperte Dudenhöffer geht davon aus, dass 2013 und 2014 „Staatshilfen für die Autoindustrie in Südeuropa eingesetzt werden“. Überkapazitäten in der Branche würden nur langsam abgebaut. Rabattschlachten hielten über die nächsten Jahre an.

Der Autoexperte rechnete zudem damit, dass Deutschland im weltweiten Vergleich an Bedeutung verlieren wird. „Deutschland wird ab 2015 nicht mehr unter den Top 5 der größten Automärkte der Welt sein.“ Russland und Indien dürften seiner Schätzung zufolge bis dahin vorbeigezogen sein.

Dennoch startet die deutsche Autoindustrie selbstbewusst ins
neue Jahr. Der weltweite Absatz wird nach einer Prognose des
Branchenverbands VDA von 68 Millionen Autos in diesem Jahr auf 70
Millionen steigen. Davon werden Konzerne wie VW, BMW oder Daimler
profitieren. Wachstumstreiber sind die beiden größten Märkte USA und
China. BMW etwa strebt nach dem Rekordjahr auch 2013 Bestwerte an.
Autobauer wie Opel, Fiat oder Peugeot, die sich auf Europa
konzentrieren, haben hingegen ein weiteres schweres Jahr vor sich.
Opel-Chef Thomas Sedran ist pessimistisch für die Marktentwicklung in
Europa: „Der Gesamtmarkt nächstes Jahr wird unserer Erwartung nach
sogar noch etwa schwächer werden als dieses Jahr.“ Auch der deutsche
Markt wird nach VDA-Schätzung noch etwas nachgeben.

Stahlindustrie

Nach Angaben des Weltstahlverbandes wird die welweite Nachfrage nach Stahl 2013 um 3,2 Prozent auf ein Rekordniveau von 1,455 Milliarden Tonnen zulegen. In Europa erwartet der Verband ein Wachstum von 2,4 Prozent. Die Stahlindustrie in Deutschland mit Branchengrößen wie ThyssenKrupp und Salzgitter erwartet nach den Einbußen im vergangenen Jahr ebenfalls keine großen Sprünge. Die Rohstahlproduktion werde wohl um ein Prozent auf rund 43 Millionen Tonnen steigen, schätzt die Wirtschaftsvereinigung Stahl. 2013 sei „vor dem Hintergrund der gegenwärtigen allgemeinen wirtschaftlichen Lage noch nicht mit einer durchgreifenden Erholung der Stahlkonjunktur zu rechnen“, so Verbands-Präsident Hans Jürgen Kerkhoff. Wegen der Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung halten sich die Kunden zurück. 2012 fiel die Rohstahlproduktion um vier Prozent auf 42,5 Millionen Tonnen.

Die Schwerindustrie um Weltmarktführer ArcelorMittal steckt in einer Krise. Die Kunden bauen seit Monaten ihre Lager ab. In Spanien und anderen hoch verschuldeten Staaten Südeuropas ist die Nachfrage regelrecht eingebrochen. Zudem gibt es in der Branche Überkapazitäten. Bei ThyssenKrupp Steel Europe sind seit August rund 2000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Vorstandschef Heinrich Hiesinger stellt die Sparte auf den Prüfstand.

Die inzwischen niedrigen Lagerbestände sieht der Stahlverband aber auch als Chance für eine Trendwende. „Vor allem im ersten Quartal werden Lagerergänzungen zu einer Belebung der Stahlnachfrage führen.“ Impulse erwarten die Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte durch eine stärkere Nachfrage des Verarbeitenden Gewerbes. Für einen Hoffnungsschimmer sorgen auch die Maschinenbauer, die neben der Automobilindustrie und dem Baugewerbe zu den wichtigsten Kunden der Stahlkocher zählen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwartet 2013 ein Wachstum der Produktion um zwei Prozent.

Bauindustrie

Die deutsche Bauwirtschaft bleibt „auch vor dem Hintergrund eines labilen gesamtwirtschaftlichen Umfeldes positiv gestimmt“, teilten der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes am Mittwoch mit. Man erwarte für das laufende Jahr ein „nominales Umatzplus von zwei Prozent“. Damit stabilisiere sich die Baukonjunktur „real auf Vorjahrsniveau“, so die Verbände. Nachdem die Branche seit 2009 über 40000 Erwerbstätige hinzugewonnen habe, werde die Zahl der Beschäftigten 2013 im Jahresdurchschnitt „mit 745.000 auf Vorjahresniveau“ liegen.

Das für 2012 angepeilte Umsatzplus von vier Prozent wird die Branche nach Angaben der Verbände verfehlen. „Wenn wir ein Plus von ein oder zwei Prozent geschafft haben, können wir noch zufrieden sein“, sagte Hauptverbandsgeschäftsführer Michael Knipper.

Chemieindustrie

Die deutsche Chemieindustrie sieht die Talsohle
durchschritten: Nach einem Jahr der Stagnation rechnet der
Branchenverband VCI 2013 wieder mit besseren Geschäften. Verbandspräsident und Merck-Chef Karl-Ludwig-Kley warnt allerdings vor Euphorie: „Die konjunkturellen Vorzeichen für 2013 lassen ein erneut schwieriges Jahr für die
deutsche Chemie erwarten“. Vor allem die nachlassende Nachfrage aus Europa macht der Branche momentan zu schaffen. Wachstumstreiber bleibt demnach der Export in Länder
außerhalb Europas. Bereits 2012 hatte die Nachfrage vor allem aus den
Schwellenländern das schwächelnde Europageschäft ausgeglichen.
Wichtigster Auslandsmarkt bleiben die USA.

Ingesamt geht der Chemieverband für 2013 von
einer schmalen Ausweitung der Chemikalienproduktion um 1,5
Prozent sowie von einem leichten Anstieg des Branchenumsatzes
von zwei Prozent auf 188 Mrd. Euro aus. Der europäische
Branchenverband Cefic, dem derzeit BASF-Chef Kurt Bock
vorsteht, hatte für 2013 einen noch geringeren
Zuwachs der Produktion von 0,5 Prozent prognostiziert.
Impulse für das Geschäft erwartet der Industriezweig vor
allem aus den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas, wobei
China trotz schwächeren Wachstums die Lokomotive bleibt. Das
Exportgeschäft wird VCI-Verbandspräsident Kley zufolge daher auch 2013 der
Wachstumstreiber für die Branche sein. „In den USA bleibt der
Aufwärtstrend intakt, allerdings ohne Dynamik.“ Aus den Firmen
waren zuletzt aber auch wieder einige positive Stimmen zu hören.
So machte der US-Chemiekonzern DuPont Anzeichen für eine
Verbesserung der Marktbedingungen in einigen Bereichen aus.

Finanzbranche

Die Zeiten für Banken bleiben unsicher. In den USA haben die größten
Finanzunternehmen 2012 nach Berechnungen des „Wall Street
Journal“ rund 40 000 Stellen gestrichen. Und auch die Deutsche Bank musste 2400 Mitarbeiter entlassen. Doch damit nicht genug: Regulatoren verschärfen
die Kapitalvorgaben (Stichwort „Basel III“), Politiker
fordern die Zerschlagung von Großbanken, viele Kunden vertrauen nach
Jahren der Krise und immer neuen Skandalen „den Banken“ kaum noch.
Die Institute richten sich darauf ein, dass sich ihre Kassen nicht
mehr so schnell füllen werden. „Wir sind gut beraten, wenn wir uns
für die kommenden Jahre auf anhaltende Volatilität einstellen“, sagt
etwa Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen. Die Commerzbank traut
sich nach der Bauchlandung mit der für 2012 ausgegebenen Gewinnmarke
keinen klaren Ausblick mehr zu. In einem hartumkämpften Markt bemühen
sich die Institute mehr denn je um Privatkunden – das könnte nach
Einschätzung der Bundesbank zu weiteren Fusionen zwingen.

Vor allem das Investmentbanking dürfte es schwer haben. Bei einigen Instituten stehen ganze Sparten vor dem Aus. So will
etwa die Schweizer UBS einen Großteil des Geschäfts mit Anleihen ganz
einstellen. Gerade komplexe Handelsgeschäfte könnten in Zukunft
einfach nicht mehr profitabel betrieben werden, erklärte
Verwaltungsratschef Axel Weber. Er sieht sein Unternehmen als
Vorreiter. Die Royal Bank of Scotland gab kürzlich die Trennung vom
Aktiengeschäft bekannt.

Die Deutsche Bank dagegen hält am Investmentbanking unbeirrt fest.
Sie verweist auf ihren hohen Marktanteil und will die Schwäche der
Konkurrenz ausnutzen. Die größte deutsche Bank will in allen
Bereichen an die Weltspitze. Nur dort dürften sich künftig die
Geschäfte noch lohnen, erklärt Co-Chef Jain. Experten rechnen damit,
dass am Ende nur ein paar wenige große Investmentbanken übrig bleiben
werden.

Maschinenbau

Der deutsche Maschinenbau sieht sich auch 2013 auf
Erfolgskurs. Nach Rekordumsätzen 2012 erwartet die mittelständisch
geprägte Industrie 2013 ein weiteres Plus – getragen
auch von einer wieder anziehenden Nachfrage aus China. „Wir sind
voller Zuversicht, dass sich der Nachfragestau in wichtigen Märkten,
namentlich in China, auflöst“, sagt Verbandspräsident Thomas Lindner.
Auch das Wachstum in den USA werde sich fortsetzen. Im
Deutschlandgeschäft könnte es ebenfalls wieder aufwärtsgehen:
Ökonomen erwarten, dass die Unternehmen im Inland 2013 wieder mehr
investieren – davon profitieren die Maschinenbauer.

Elektroindustrie

Nach einem Rückgang 2012 ist die deutsche Elektroindustrie mit guten Hoffnungen ins neue Jahr gestartet. Die Branche sei „vorsichtig zuversichtlich“, dass die preisbereinigte Produktion 2013 um eineinhalb Prozent wachse, sagte der Chef des Branchenverbands ZVEI, Klaus Mittelbach, bereits Mitte Dezember. „Die Erlöse sollten sich bis Ende des nächsten Jahres entsprechend auf 177 Mrd. Euro belaufen.“ Die Elektroindustrie mit ihren knapp 850.000 Beschäftigten zählt neben der Autoindustrie, dem Maschinenbau und der Chemiebranche zu den Stützen der deutschen Wirtschaft.

2012 sank die Produktion nach vorläufigen Berechnungen um zwei Prozent, der Branchenumsatz ebenfalls um zwei Prozent auf 175 Mrd. Euro. Nach einer Prognosesenkung im September hatte der Verband ZVEI eigentlich mit rund 180 Mrd. Euro an Erlösen gerechnet. Gründe für den Rückgang waren demnach die Euro-Krise und die Abkühlung der globalen Konjunktur. Die Exporte hätten sich auch 2012 wieder einmal am besten entwickelt, sagte Mittelbach. Sie kletterten um zwei Prozent auf den Rekordwert von 161 Mrd. Euro. Während die Ausfuhren in den Euroraum schrumpften, legte das Geschäft mit Kunden in Osteuropa, Amerika und auch Asien kräftig zu.

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