Unternehmen Was, wenn der Mitarbeiter immer krank ist?

Es ziemt sich nicht, einen kranken Menschen zu entlassen. Doch was, wenn Betriebsabläufe nicht mehr ohne den fehlenden Mitarbeiter funktionieren? Was, wenn er gar nur vortäuscht krank zu sein? Im Interview mit impulse.de erklärt Anwalt Gregor Dornbusch, wie Unternehmer mit Dauerkranken rechtlich umgehen sollten.

Kann ich als Unternehmer „dauerkranken“ Mitarbeitern kündigen?

Ja, das können Sie durchaus. Und häufig passiert das auch so. Es funktioniert aber nur, wenn der Unternehmer eine Zukunftsprognose erstellt. Daraus muss hervor gehen, dass sich am Krankheitszustand des Mitarbeiters auch in Zukunft nichts ändern wird. Für diese Prognose brauche ich Indizien, die ich in der Vergangenheit gesammelt habe. So ist es zum Beispiel zu erwarten, dass der Arbeitnehmer wieder ausfällt, wenn er etwa in den letzten drei Jahren jeweils mehr als sechs Wochen ausgefallen ist. Dann habe ich ein Indiz. Der Arbeitnehmer kann das widerlegen. Etwa mit ärztlichen Gutachten. Besonders schwierig wird es bei psychischen Erkrankungen. Hier lässt sich nur schwer eine Prognose erstellen. Bei Alkoholkranken trifft mich als Arbeitgeber eine besondere Fürsorgepflicht. Ich sollte auf den Mitarbeiter zu gehen, ihn in eine Therapie schicken.

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Wie sollten Arbeitgeber grundsätzlich mit ständig kranken Mitarbeitern umgehen?
Kurzum: Der Arbeitgeber sollte dem Mitarbeiter Aufmerksamkeit schenken, sich Details notieren. Beispiel: ich kann dem Mitarbeiter einfach nicht nachweisen, ob er krank oder nicht krank ist. Was kann ich tun? Zum Beispiel einen Kontrollbesuch. Diese Besuche sollte ich gezielt einsetzen und sie dürfen nicht zu Mobbing führen. Auch kann ich den medizinischen Dienst konsultieren. Der ist der Krankenkasse angeschlossen. Die können den Mitarbeiter dann noch einmal untersuchen. Allerdings zahlt die Kasse solche Untersuchungen erst, wenn der Arbeitnehmer mehr als sechs Wochen krank ist. Nützt das alles nichts und ich möchte das Arbeitsverhältnis beenden, dann muss ich auf ein Fehlverhalten des Mitarbeiters hoffen. Das ist dann wiederum abmahnfähig. Meldet er sich rechtzeitig ab, wenn er krank ist? Gibt er die Krankmeldungen rechtzeitig ab?

Ist es bei soviel Aufwand dann nicht gerade für kleine Unternehmen schwierig, sich von „Dauerkranken“ zu trennen?

Nein. Wenn ich erwarten kann, dass der Mitarbeiter auch zukünftig krank ist, dann geht es. Bei kleinen Unternehmen ist es häufig so, dass es auf jeden Mitarbeiter ankommt. Ist nun der eine Disponent ewig krank, kann ich das vor Gericht geltend machen. Bedingung: Ich muss genau aufzeigen können, dass ich den zu bewältigenden Arbeitsaufwand nicht ohne eine Besetzung dieses Postens bewältigen kann.
Gerade kleinere Unternehmen sollten bei Dauerkranken genauer hinschauen: Nach der neuesten Rechtsprechung verfällt der Jahresurlaub von Mitarbeitern auch dann nicht, wenn sie das ganze Jahr krank waren. Das kann über die Jahre teuer werden.

Gregor Dornbusch ist Anwalt bei der Kanzlei Baker & McKenzie in Frankfurt am Main. Die Fragen stellte Jan-Henrik Förster

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