Anzeige Wenig Grund zum Feiern am „Tag der Luftfahrt“

Ein A380 in der Luft.

Ein A380 in der Luft. © Airbus S.A.S.

Am Wochenende veranstalten 20 deutsche Flughäfen erstmals den bundesweiten "Tag der Luftfahrt". Zu feiern gibt es eigentlich wenig: Sinkende Passagierzahlen und geringe Margen bereiten der Branche Sorgen.

Klaus-Peter Siegloch will am Tag der Luftfahrt mit tausenden Besuchern „den Spaß am Fliegen feiern“. Doch in Europa wie auch in Deutschland durchlebt die Branche eine Krise, wie auch der Präsident des Luftfahrtverbandes BDL an anderer Stelle betont. Die Unternehmen müssen sich in einem komplizierten Markt einem teils unfairen Wettbewerb stellen. Zu den dünnen Margen kommen hausgemachte Probleme wie beispielsweise der nicht funktionsfähige Hauptstadtflughafen oder das drohende Millionengrab in Kassel-Calden.

Dabei hat der internationale Airline-Verband IATA gerade mit 3,1 Milliarden Fluggästen einen weltweiten Passagierrekord für dieses Jahr angekündigt, doch das Kernproblem der fehlenden Ertragskraft gleich mitbenannt. Von 711 Milliarden US-Dollar weltweitem Umsatz bleiben den Unternehmen lediglich 12,7 Milliarden Dollar (9,8 Mrd Euro) Gewinn. Die Nettomarge von 1,8 Prozent entspricht pro Passagier knapp 3 Euro Gewinn, weniger als der Gegenwert eines Sandwiches, klagt IATA-Chef Tony Tyler.

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Hoffen auf die Schwellenländer
Auch in Europa sollen die Passagierzahlen trotz Schuldenkrise vor allem durch den zunehmenden Flugverkehr in die Schwellenländer wieder wachsen, doch bislang ist davon in Deutschland wenig zu merken. So verzeichnete der größte deutsche Flughafen in Frankfurt im ersten Quartal zwei Prozent weniger Passagiere als vor einem Jahr und musste seine Ausbaupläne für ein drittes Terminal zeitlich strecken. Auch bundesweit sinken die Passagierzahlen, die Gesellschaften haben ihre Flugpläne ausgedünnt. Der neue Chef der Deutschen Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheurle, hält es durchaus für möglich, dass die Flaute zehn Jahre andauert.

Die 22 deutschen Verkehrsflughäfen registrieren seit November 2012 geringere Passagierzahlen als im jeweiligen Monat des Vorjahres. Vor allem der innerdeutsche Verkehr ist eingebrochen, was die kleinen Flughäfen mit ihren vielen Zubringerflügen überproportional trifft. Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, macht neben dem harten Winter und Streiks auch die deutsche Luftverkehrsabgabe auf jedes Ticket dafür verantwortlich. Sie verzerre den Wettbewerb in Europa zulasten der deutschen Standorte.

Umstrittene Neueröffnungen
In dieser Situation startete in Nordhessen der mit 271 Millionen Euro Steuergeldern ausgebaute Flughafen Kassel-Calden, der den Nachbar-Flughäfen Hannover, Paderborn und Erfurt die Passagiere streitig macht. Der Bund der Steuerzahler wie auch Branchenexperten zweifeln daran, dass die Kosten jemals wieder eingespielt werden. Es droht nach anderen Negativ-Beispielen wie Hahn im Hunsrück ein weiteres Millionengrab.

Vorerst gar nicht in Fahrt kommt der neue Hauptstadtflughafen, der am Tag der Luftfahrt nur mit organisierten Bustouren zu erreichen ist. Gefeiert wird im alten Terminal – ausgerechnet mit Flugsimulatoren. Am neuen Flughafen will Chef Hartmut Mehdorn nun erstmal aufräumen. Ein Eröffnungstermin ist weiterhin nicht in Sicht, Mehdorns Überlegungen für eine Teilinbetriebnahme halten die deutschen Airlines für unausgegoren und unbrauchbar.

Hauptleidtragender ist die Nummer zwei am deutschen Himmel. Air Berlin, Mehdorns früherer Arbeitgeber, baut in Berlin sein Drehkreuz auf – unter erschwerten Bedingungen am überlasteten Altflughafen Tegel. Der ist für Umsteigeverbindungen eigentlich gar nicht gemacht. „Die Verschiebung im letzten Jahr hat uns geschadet und sie schadet uns weiterhin“, sagt Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer und fordert einen verlässlichen Eröffnungstermin.

Airlines in der Krise
Berlin ist aber längst nicht die größte Baustelle der rot-weißen Flotte: Air Berlin wird wie die Lufthansa von den ausgesprochenen Billigfliegern wie auch von staatlich gestützten Fluggesellschaften angegriffen. Air Berlin versucht, die Not zur Tugend zu machen und hat sich mit Etihad verbündet, der staatlichen Airline der Vereinigten Arabischen Emirate. Dennoch steckt Air Berlin in der Krise: Das zweite Sparprogramm in zwei Jahren ist angelaufen, dieses Jahr erwartet man nur eine schwarze Null vor Zinsen und Steuern.

Besser geht es der weitaus kräftigeren Lufthansa, die wie die meisten anderen europäischen Airlines ein striktes Sparprogramm aufgelegt hat, das bereits im Jahr 2015 den operativen Gewinn auf 2,3 Milliarden Euro pushen soll. In Tarifverhandlungen hat das Management vom Kabinen- und Bodenpersonal „Beiträge“ eingefordert, lediglich die Piloten sperren sich bislang noch gegen die Begehrlichkeiten nach flacheren Gehaltstabellen oder neuen Arbeitszeitmodellen.

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