Unternehmen Wenn Unternehmer Christen sind

Die Zehn Gebote sind ihnen wichtiger als jede Strategie: Auf der Suche nach Orientierung in schwierigen Zeiten entdecken Unternehmer Werte, manche auch den Glauben. Gutmensch trifft Excel-Sheet: für viele eine Erfolgsformel, geschäftlich wie privat.

Wenn Gott ruft, machen sich immer mehr Unternehmer auf den Weg. Annähernd 4000 Teilnehmer erwarten die Veranstalter des Kongresses christ­licher Führungskräfte vom 26. bis 28. Februar in Düsseldorf. Vor acht Jahren von einer Handvoll christlicher Unternehmer aus der Taufe gehoben, erlebt das Treffen unter dem Motto „Mit Werten in Führung gehen“ von Mal zu Mal mehr Zulauf.

Warum wird in den Führungsetagen kleiner wie großer Unternehmen heute mehr gebetet als in manchen Kirchen? Was hat der eigene Glaube, das eigene Wertegerüst in nüchternen unternehmerischen Entscheidungsprozessen zu suchen? Steigern christliche Werte den Gewinn? Was bleibt von den hehren Werten des partnerschaftlichen Miteinanders, wenn Finanzkrise und Rezes­sion jetzt einen ganz anderen Takt diktieren? Und schließlich: Werteorientierung wie Fairness, Mitmenschlichkeit und Nachhaltigkeit finden Unternehmer auch außerhalb des Christentums. Wozu braucht man da Gott?

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Diesen Fragen ist impulse nachge­gangen. Eines der Ergebnisse sind zehn ­Gebote für christliche Unternehmer, die vielleicht etwas schlicht, aber doch ­klarer sind als jeder bramarbasierende Code of Conduct. Sie sind von keiner Kirche abgesegnet, aber Kern vieler Aussagen von Firmenchefs, die der Redak­tion Rede und Antwort standen.

Der Trend geht aufwärts. Der Arbeitskreis evangelischer Unternehmer hat seine Mitgliederzahl in wenigen Jahren auf 600 verzehnfacht, der Bund katholischer Unternehmer hat mit über 1200 Mitgliedern einen historischen Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig wachsen zahlreiche neue Netzwerke wie die Christliche Kooperationsbörse mit über 1000 Mitgliedern, alte Kreise wie die Christen in der Wirtschaft erleben eine Renaissance. Eine exklusive Forsa-­Studie im Auftrag von impulse kommt zu dem Ergebnis: Immerhin 66 Prozent der Unternehmer und Führungskräfte glauben an Gott.

Prominente Fürsprecher

Kraft gewinnt die Glaubensbewegung der Selbständigen durch prominente Unternehmerpersönlichkeiten wie etwa Christiane Underberg oder Claus Hipp, Berthold Leibinger und Manfred Maus, Heinz-Horst Deichmann und DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Der sagt: „Mein Glaube ist für mich tägliche Orientierungshilfe. Er beeinflusst meine Perspektiven und verankert meine Sicht auf die Dinge. Christliche Werte wie Nächstenliebe, Wahrheit und Ehrlichkeit sind ein wichtiger Bestandteil meiner Firmenphilosophie.“

Die Hinwendung der Unternehmer zum Glauben macht vor den Mitarbeitern nicht Halt. In ganz Deutschland existieren Hunderte von firmeninternen Gebetskreisen – manche nur für Unternehmer, in anderen sitzen die Chefs gemeinsam mit ihren Mitarbeitern. Ungleich größer noch ist die Zahl der an Glaubensfragen interessierten Firmenlenker. Bis zu 300 Bücher mit Titeln wie „Jesus für Manager“ und ähnlichen Titeln erscheinen pro Jahr und finden millionenfach Leser.

Der Solinger Steuerberater Marcus Junga war Anfang 20, als die Ärzte einen Tumor im Bein entdeckten. Als er nach erfolgreicher Operation entlassen werden sollte, fanden die Mediziner bei der Routinekontrolle auch im anderen Bein einen Tumor. Junga, bis dahin eher Christ aus familiärer Gewohnheit, geriet in Panik: „Ich habe spontan zu beten begonnen.“ Junga wurde gesund, der zweite Tumor verschwand. Für ihn, einen sehr rational geprägten Menschen, sah die Welt danach anders aus: „Wir suchen immer nach Erklärungen. Glaube – das ist die Gewissheit, dass es etwas gibt, was man nicht sieht. Darauf muss man sich erst einmal einlassen.“

„Die Bibel ist ein Handbuch für Sieger“, sagt Junga. Der eloquente und sympathische Unternehmer hat große Freude daran, seine Gesprächspartner mit Bibelzitaten und deren unternehmensnaher Auslegung zu verblüffen. „Dort steht ‚Du sollst nicht sündigen‘. In der altgriechischen Urfassung heißt es aber wörtlich ‚Du sollst dein Ziel nicht verfehlen‘. Dies ist doch – unter anderem – nichts anderes als eine Aufforderung zum planvollen Handeln.“

Erfolgreiches Management als eine Art elftes Gebot? Da würde Junga nicht widersprechen. Und hat sofort eine weitere Geschichte zur Hand. Wenn er zu Vorträgen gebeten werde, „dann geht bei den Zuhörern gleich der Vorhang zu, sobald ich etwas vom Teufel erzähle“. Junga beruft sich dann wieder auf Ursprungstexte: „Diabolo – das bedeutet nichts anderes als der Durcheinanderbringer.“ Mit anderen Worten und etwas nassforsch im Sinne des Steuerberaters interpretiert: Wer als Unternehmer sein Controlling vernachlässigt, dessen Firma geht zum Teufel.

Junga führt gemeinsam mit seiner Frau eine prosperierende Kanzlei mit 28 Mitarbeitern, zu deren Klientel einige der bekanntesten Unternehmen des Landes gehören. Nebenher gründete er ein weiteres Unternehmen, das gemeinnützige Organisationen bei Steuerfragen und kaufmännischer Verwaltung berät. Gerade entsteht ein drittes Unternehmen, mit dem er unter anderem ins Fundraising einsteigen möchte.

Die vollständige Fassung der Titelgeschichte finden Sie in der impulse-Ausgabe 01/2008. Sie sind noch kein Abonnent? Durch unseren Abo-Shop erhalten Sie jede Ausgabe zukünftig bequem per Post.

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