Unternehmen Wie die Bio-Branche um spezielle Zielgruppen kämpft

Bioprodukte - hier im Bild Müsliriegel - sind auf dem Vormarsch.

Bioprodukte - hier im Bild Müsliriegel - sind auf dem Vormarsch.© NuernbergMesse/Thomas Geiger

Wer unter Intoleranzen leidet oder aus ethischen Gründen auf bestimmte Lebensmittel verzichtet, hat es beim Einkaufen oft nicht leicht. Meist ist die Auswahl überschaubar. Die Bio-Branche jedoch spezialisiert sich zunehmend auf Produkte für spezielle Zielgruppen - mit viel Kreativität.

„100 Prozent Rohkostqualität, 100 Prozent glutenfrei, 100 Prozent laktosefrei, 100 Prozent vegan“ – und das alles selbstverständlich in Bio-Qualität. Die in großen Lettern gedruckte Botschaft springt dem Besucher auf der Öko-Messe Biofach in Nürnberg sofort ins Auge: An diesem Stand gibt es Lebensmittel für Menschen, die sich auf eine besondere Art ernähren (müssen). Doch der Anbieter ist bei weitem nicht der einzige, der sich auf diese besonderen Zielgruppen spezialisiert hat.

Der Trend zu vegetarischen und veganen Produkten oder zu Lebensmitteln für Menschen mit Intoleranzen ist derzeit nicht zu übersehen – und das nicht nur auf dem gerade zu Ende gegangenen weltweit größten Treffen der Bio-Branche in Nürnberg. Heute gilt nämlich: Wer aus ethischen Gründen auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet oder aus gesundheitlichen Gründen nicht alles verzehren darf, muss deshalb nicht auf einer trockenen Reiswaffel herumkauen.

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Die Bio-Hersteller haben auf die wachsende Nachfrage reagiert – und zwar mit viel Kreativität: So gibt es für Rohköstler Durumweizen-Spinat-Pasta. Für Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit ist laktosefreier Ingwerschokokonfekt genauso im Angebot wie gefrorener Joghurt. Laktosefreie Schokoladen-Creme fürs Frühstückbrötchen und Salami für die Pausenstulle gibt es ohnehin. Auch wer auf Klebereiweiß in Getreide reagiert, muss nicht auf Müsli verzichten – selbst glutenfreie Eiswaffeln sind zu haben.

„Entwicklung, die sich an der Nachfrage orientiert“

Vegetarier kommen in den Bio-Läden schon lange auf ihre Kosten, und für Veganer, die ganz auf tierische Bestandteile verzichten, wird die Auswahl mit Weihnachtsstollen und Mayonnaise immer größer. Für sie gibt es sogar spezielle Weine und Essig, denn üblicherweise werden diese Produkte mit Gelatine geklärt.

„Das ist eine Entwicklung, die sich an der Nachfrage orientiert“, erläutert Hilmar Hilger vom Bundesverband Naturkost Naturwaren, dem Zusammenschluss der deutschen Bio-Läden. „Bio hat sich schon immer Mühe gegeben, möglichst viel Transparenz bei den Inhaltsstoffen zu ermöglichen. Wir haben deshalb das Potenzial, diese vielen verschiedenen Zielgruppen zu bedienen.“

Denn im Gegensatz zu konventionellen Lebensmitteln haben sich die Naturkosthersteller die Auflage gegeben, alle Inhaltsstoffe genau zu deklarieren. Statt „Verdickungsmittel“ und „Gewürze“ steht bei Bio-Produkten deshalb „Johannisbrotkernmehl“ und „Senf“ auf der Verpackung. „Das ist gerade bei Fertigprodukten total wichtig. So weiß jeder genau, was drin ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Kette SuperBioMarkt, Michael Radau. Zumal problematische Inhaltsstoffe oftmals in Lebensmitteln versteckt sind, in denen Betroffene sie niemals vermuten würden – Milchzucker in Wurst etwa.

Grünkohl-Chips und veganer Schoko-Karamell-Kuchen

Dass eine spezielle Ernährung nicht mit leidvollem Verzicht einhergehen muss, zeigen die Hersteller und Händler auf der Biofach eindrücklich. Veganz zum Beispiel, ein vor drei Jahren gegründeter Händler mit ausschließlich veganem Angebot, passt von Auftritt und Angebot problemlos in die hippen Großstadtviertel. Grünkohl-Chips mit einer Marinade aus Cashewmousse mit Sesam und Zitronen hören sich vielleicht gewöhnungsbedürftig an, schmecken aber ebenso gut wie der vegane Schoko-Karamell-Kuchen aus Datteln, Pekannüssen und Agavendicksaft.

Die Nachfrage boomt. Nachdem in kurzer Zeit mehrere Läden eröffnet wurden, ist in diesem Jahr die Expansion ins Ausland geplant. Dabei sind mehr als vier Fünftel der Kunden überhaupt keine Veganer, berichtet Veganz-Mitarbeiterin Miriam Bräu aus München. Viele seien Allergiker oder machten sich schlicht Gedanken, wie nachhaltig ihre herkömmliche Ernährung sei.

>Dass das Interesse an veganen, laktose- oder glutenfreien Produkten zunimmt, bestätigt auch Inga Tishkova von der auf diese Nahrungsmittel konzentrierten französischen Exportfirma Efficience Export. „Es gibt sehr viele Bio-Läden, die sich auf solche Sachen spezialisieren.“ Auch Hotels und Cafés gingen zunehmend auf die Bedürfnisse ihrer Kunden ein. Diese Entwicklung wiederum hat dazu geführt, dass sich vor wenigen Monaten Vebu Business gegründet hat – nach eigenen Angaben die erste Unternehmensberatung in Deutschland, die auf vegetarische und vegane Themen und Unternehmensgründungen spezialisiert ist.

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