Unternehmen Wie die FAZ die Frankfurter Rundschau weiterführen will

Die "Frankfurter Rundschau" bleibt erhalten. Einen Kahlschlag hat die Übernahme durch die FAZ allerdings nicht verhindern können. Auch in Berlin wackeln nun Dutzende von Arbeitsplätzen.

Die Übernahme der angeschlagenen FR durch die FAZ ist in trockenen Tüchern. Ein entsprechender Kaufvertrag wurde am Donnerstag von den neuen Eigentümern und dem Insolvenzverwalter nach monatelangem Hoffen und Bangen unterschrieben. Auch unter dem neuen Dach soll die „Frankfurter Rundschau“ („FR“) als unabhängige und linksliberale Zeitung erscheinen, versprechen die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ GmbH („FAZ“) und die Frankfurter Societät GmbH als neue Investoren. Der Wermutstropfen: Trotz der gesicherten Zukunft müssen die meisten der rund 450 Beschäftigten von Verlag und Druckerei gehen. Nur 28 Mitarbeiter der Redaktion werden übernommen.

Am Mittwoch hatte das Bundeskartellamt die Übernahme der „FR“ durch die „FAZ“ genehmigt. Hunderte „FR“-Mitarbeiter hatten zuvor bereits ihre Kündigungen erhalten. Zunächst sollen sich die 28 übernommenen „FR“-Mitarbeiter unter Leitung des bisherigen Chefredakteurs Arnd Festerling auf die Regionalberichterstattung konzentrieren.

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Die Stammredaktion wird auch künftig mit dem Redaktionsdienstleister Pressedienst Frankfurt (PDF) zusammenarbeiten. Gedruckt wird die „FR“ von Freitag an in der Frankfurter Societäts-Druckerei. Die neue „Frankfurter Rundschau GmbH“ halte die Titelrechte und sei mit der eigenen Redaktion auch für die digitale Ausgabe der Zeitung verantwortlich, teilten „FAZ“ und Frankfurter Societät GmbH weiter mit.

Das neue Konzept der „FAZ“ könnte allerdings auch Dutzende Arbeitsplätze in Berlin kosten: Seit 2011 wird beim „Berliner Verlag“ der „FR“-Mantel von einer Redaktionsgemeinschaft produziert, zusammen mit den überregionalen Seiten der „Berliner Zeitung“. Laut „FAZ“ sollen diese Mantelseiten zwar weiterhin aus Berlin zugeliefert werden – allerdings nur bis zum Aufbau einer eigenständigen überregionalen Redaktion. Über einen Zeitplan wurde zunächst nichts bekannt. Bisheriger Eigentümer der FR wie auch der „Berliner Zeitung“ ist das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg. Nach dessen früheren Angaben stehen beim Berliner Verlag mehr als 40 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

„Wir glauben an die Zukunft der Marke „Frankfurter Rundschau““, sagte Hans Homrighausen, der Geschäftsführer der Frankfurter Societät GmbH, nach der Vertragsunterzeichnung un Frankfurt. „Aus dieser Überzeugung heraus packen wir die neue Herausforderung an.“ Die neuen Eigentümer sähen sich in der Lage, die „FR“ wirtschaftlich erfolgreich zu führen und ihr regional wie überregional eine Perspektive zu geben.

Neue „FR“-Gesellschafter sind den Angaben nach mit 55 Prozent der Anteile die Frankfurter Societät GmbH, mit 35 Prozent der „FAZ“-Verlag sowie mit 10 Prozent die Karl Gerold Stiftung. „Diese garantiert mit ihrer Stiftungsverfassung die Ausrichtung der „Frankfurter Rundschau“ als „unabhängige, linksliberale Tageszeitung“, teilte die FAZ weiter mit.

Nach jahrelanger Krise hatte die „FR“ aufgrund der hohen Verluste im vergangenen November Insolvenz angemeldet. Hauptgesellschafter waren bislang die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding ddvg.

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