Unternehmen Wie Sharing die Wirtschaft verändert

Nachhaltiger Konsum erobert den Massenmarkt. Unternehmer loten bereits neue Geschäftsmodelle aus. Ein internationaler Kongress in Köln endet mit einem ehrgeizigen Ziel: 1000 neue Firmen mit außergewöhnlichen Konzepten gründen.

In Deutschland muss Alan Atkisson seine Vorstellung vom nachhaltigen Konsum immer besonders erklären. „Es geht nicht um Einschnitte und Entbehrungen“, ruft der schwedisch-amerikanische Unternehmer in den Saal, „wir verkaufen Fröhlichkeit und Wohlbefinden.“ Atkisson, Gründer und Vorstandschef der auf Nachhaltigkeit spezialisierten AtKisson Group, ist nicht nur für seine Rede von Stockholm nach Köln geflogen. Er will Geschäftschancen ausloten.

Verkaufen, Geld verdienen, neue Märkte erobern, das alles spielte bislang nur eine untergeordnete Rolle, wenn es um die grüne Zukunft ging. Doch je wichtiger es für Konsumenten wird, nicht nur „Verbraucher“ von kostbaren Ressourcen zu sein, desto stärker wächst der Markt für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen. Wenn es nach den Vereinten Nationen geht, dann sollen Gründer und Unternehmer vom neuen Trend kräftig profitieren.

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„Wir wollen Geschäftsmodelle finden, die Ernährung, Mobilität, Bauen und Wohnen zukunftsfähig machen“, sagt Michael Kuhndt. Der Leiter des Wuppertaler UN-Instituts für nachhaltigen Konsum beschäftigt sich auch im Auftrag von Unternehmen mit den neuen Trends. „Der bewusste Konsument wandelt sich vom passiven Kunden zum Mitgestalter“, sagt Kuhndt. „Das verändert auf beinahe subversive Weise die Wirtschaft.“

Genau wie der Unternehmer Atkisson glaubt auch der Wissenschaftler Kuhndt, dass „Nachhaltigkeit nicht auf Kosten von Lebensqualität erreicht werden kann.“ Er hofft auf eine Wechselwirkung von Lebensstilen und Unternehmertum – und stößt nach Finanzkrise und Fukushima auf ein so nie gekanntes Interesse in der Welt der Wirtschaft.

„Das Teilen wird zum Massenmarkt“

„Vor einigen Jahren kamen zu so einer Konferenz 60 Leute, heute melden sich 600 an“, sagt Kuhndt. Der von seinem Institut initiierte Kongress trägt den sperrigen Titel „The Future of Sustainable Lifestyles and Entrepreneurship“ und brachte in dieser Woche hunderte Unternehmer und Manager aus mittelständischen Unternehmen und Konzernen mit Wissenschaftlern und Regierungsvertretern aus aller Welt in Köln zusammen.

Zeitgleich starteten das UN-Institut und die Europäische Union ein neuartiges soziales Netzwerk für nachhaltig denkende Unternehmer und andere Interessierte. So sollen Ideen und Konzepte schon bald in Neugründungen münden. Die Ziele sind ehrgeizig: Das Netzwerk, „SPREAD 2050“ genannt, soll in den kommenden Jahren 1000 Startups ins Leben rufen. Das kündigte Kuhndt gegenüber impulse an.

Ein Nachhaltigkeitstrend, in dem sich bereits viele Startups tummeln wird weltweit unter dem Schlagwort Collaborative Consumption diskutiert. „Das Teilen entwächst der Nische und wird zum Massenmarkt“, hat Konsumforscher Kuhndt beobachtet. „Neue Technologien ermöglichen einen neuen Lebensstil.“

Soll heißen: Wir teilen nicht mehr nur Musik oder Fotos im Netz, sondern auch Autos, Fahrräder und sogar Bohrmaschinen. Auf Plattformen wie Nachbarschaftsauto.de vermieten immer mehr Berliner ihre Autos an Menschen aus der Nachbarschaft. Andere schauen bei Frents.com nach, welcher Nachbar seinen Rasenmäher gegen einen Obolus hergibt.

Kaufen wäre hier für viele Verschwendung – es ist ja schon alles vorhanden. Das Auto, das selten bewegt wird. Das Eckzimmer, das stets leer steht. Oder die Drei-Meter-Leiter, die so selten benutzt wird. Gemeinsam nutzen ist gut für den Geldbeutel und für die Umwelt. Statt noch mehr zu produzieren und einmal zu verkaufen, wandeln sich Unternehmen in hocheffiziente Makler zwischen Menschen, die haben und suchen. Sie bringen Menschen zusammen, die teilen wollen. Sie sind „Enabler“, also Möglichmacher.

Als ein solcher sieht sich auch der Stargast des Kölner Kongresses. Alan Atkisson ist zufrieden. „Bei Konferenzen geht es normalerweise nur darum lockerere Kontakte zu knüpfen“, sagt der Serienunternehmer in Sachen Nachhaltigkeit. „Das hier war für mich effizienter. Ich fahre mit einer Reihe konkreter Geschäftsmöglichkeiten nach Hause.“

Mehr Informationen zu SPREAD 2050 gibt es im Internet unter www.sustainable-lifestyles.eu.

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