Unternehmen Wieder weniger Jobs auf deutschen Werften

Zwei Mitarbeiter der Meyer Werft bei der Kiellegung des Forschungsschiff "Sonne" im April 2013.

Zwei Mitarbeiter der Meyer Werft bei der Kiellegung des Forschungsschiff "Sonne" im April 2013. © Meyer Werft

Nach der überraschend gestiegenen Zahl der Arbeitsplätze auf deutschen Werften im vergangenen Jahr ist Ernüchterung eingetreten. In diesem Jahr gibt es wieder weniger Jobs - und weitere drohen laut IG Metall zu entfallen, sollte die Energiewende nicht vorankommen.

Die IG Metall hat wegen wieder sinkender Mitarbeiterzahlen auf deutschen Werften einen klaren Fahrplan zur Umsetzung der Energiewende verlangt. „Wenn wir nicht in den nächsten Monaten Signale für die Betriebe bekommen, dass sich da etwas positiv entwickelt, dann werden wir nicht Einstellungen haben, sondern zusätzliche Entlassungen“, warnte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, am Mittwoch in Hamburg. Die neue Bundesregierung müsse nach der Bundestagswahl unverzüglich verlässliche Rahmenbedingungen schafften, „ansonsten haben wir ein Desaster“. Das von der FDP vorgeschlagene Moratorium lehne die IG Metall strikt ab.

Bei der Präsentation der regelmäßigen Betriebsräte-Umfrage der IG Metall Küste in Zusammenarbeit mit dem Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen hatte sich herausgestellt, dass die Zahl der Mitarbeiter auf den Werften in Deutschland nach einem leichten Zuwachs 2012 wieder zurückgegangen ist. Im September waren dort 15 805 Arbeitnehmer beschäftigt, 1047 weniger als ein Jahr zuvor. Dazu kommen 7140 Beschäftigte mit Werkvertrag sowie 2770 Leiharbeiter, heißt es in der Studie. Akut gefährdet seien zudem rund 760 Arbeitsplätze bei den insolventen Werften Volkswerft Stralsund und Sietas. Im Vorjahr war die Mitarbeiterzahl bei der Stammbelegschaft erstmals seit vier Jahren wieder leicht auf 16 850 gestiegen.

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„Wir gehen nach wie vor davon aus, dass sich der Offshore-Bereich ausweiten wird“, sagte Geiken. Die Frage sei nur, ob mit oder ohne deutsche Werften, die abseits von Marine, Kreuzfahrtschiffen und Jachten eigentlich nur noch Offshore-Produkte anböten. Es gebe fast nur noch Spezialschiffe, sagte IG Metall-Schiffbauexperte Heino Bade mit Blick auf die in der Offshore- Windindustrie benötigten Plattformen und Windanlagen-Errichterschiffe. In der gesamten Wertschöpfungskette seien allein in diesem Bereich mindestens 25 000 Menschen beschäftigt. Diese Arbeitsplätze seien ohne klare Vorgaben zur Energiewende in Gefahr. Insgesamt hängen laut Studie an der Schiffbauindustrie inklusive aller Zulieferer rund 94 000 Jobs.

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