Unternehmen Windpark-Pionier Bard stellt Betrieb ein

Eine Plattform von Bard in der Nordsee.

Eine Plattform von Bard in der Nordsee.© Bard-Gruppe

40 Meter tief in der Nordsee legte die Firma Bard 2008 ein Fundament für die Energiewende: Der Windpark Bard Offshore 1 vor Borkum sollte mehr als 400.000 Haushalte mit Strom versorgen. Doch viele Rückschläge folgten - und nun sogar das Aus für den Offshore-Pionier.

Vier Buchstaben reichten im Jahr 2008 aus, um eine ganze Region in Ekstase zu versetzen: Bard. Das Unternehmen war für das strukturschwache Ostfriesland so etwas wie ein Heilsbringer und brachte vieles mit, was es damals für Jubelgesänge brauchte: Neue Jobs an Land für ein spannendes High-Tech-Unterfangen auf See und das alles obendrein auch noch mit einem Produkt, das politisch so richtig Rückenwind genoss: Grüne Windkraft weit draußen vor der Küste, wo die Mühlen kein Landschaftspanorama verschandeln und der Wind viel öfter bläst. Hinter Bard stand der russische Multimillionär Arngolt Bekker als Finanzier, was Fragen zum nötigen Kleingeld schnell erübrigte.

Fünf Jahre später ist der Traum zerplatzt, die Macher des ersten kommerziellen Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee drehen das ganz große Rad nicht mehr weiter. Was sich lange abgezeichnet hatte, machte Bard am Mittwoch offiziell: „Die operative Stilllegung der Bard-Gesellschaften erfolgt aufgrund fehlender Folgeaufträge bis Mitte 2014.“ Aus und vorbei – nach nur fünf Jahren.

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Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte 2008 zum Start der Prototypen noch gesagt: „Wir sind heute an einem für Deutschland wichtigen Schritt beteiligt“. 2010, so der Ursprungsplan, sollten die 80 Anlagen im Park Bard Offshore 1 vor Borkum Strom liefern. Doch wegen erheblicher technischer Probleme verzögerte sich der Start – erst im Herbst 2013 wurde das Projekt eröffnet. Mit weit über zwei Milliarden Euro Investitionskosten war der Windpark deutlich teurer als geplant.

Bei Bard gehen fast alle Lichter aus

Nun gehen auch bei Bard fast alle Lichter aus. Ein Firmenrest soll unter neuem Namen den Betrieb von Bard Offshore 1 gewährleisten und seine Dienste Dritten anbieten – so sie denn kommen. Aus der Branche ist seit vielen Monaten die Luft raus. Längst räumt auch die Politik ein, dass die ursprünglichen Pläne nicht mehr zu halten sind. Mit deutlichen Korrekturen wollen Union und SPD beim Zustandekommen einer großen Koalition die Ausbauziele für Windparks im Meer eindampfen.

Bard hatte im Sommer erste Kündigungen ausgesprochen und schon gewarnt, dass es auch für viele der übrigen 540 Mitarbeiter eng werde. Rund 300 von ihnen sollen nun in die Nachfolgegesellschaft OWS wechseln dürfen. Bard drücken laut jüngster Bilanz gut 800 Millionen Euro Schulden – stand Ende 2011. Neue Angaben wollte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch nicht machen.

Der einst so stolze Offshore-Pionier spiegelt inzwischen eine Realität für Teile der Branche, die weit entfernt ist vom großen Sprung ins Wasser – und damit auch das politische Ziel Energiewende gefährdet. Bard agierte lange in Zeiten ohne große politische Planungssicherheit.

Unrealistische Ziele

Das alte Ziel: 10 000 Megawatt aus Parks wie dem von Bard sorgen bis 2020 dafür, dass der Atomausstieg kein klimapolitisches Fiasko wird. Scheitert der Plan, könnten ausgerechnet die Kohlekraftwerke das gewollte Abschalten der Atommeiler auffangen. Gaskraft rechnet sich kaum und Sonne wie Wind an Land liefern zu unbeständig. Ohne Offshore vor der Küste könnte die Energiewende also den Anteil des Kohlestroms treiben – und der lag 2012 schon bei 45 Prozent.

Experten rechneten schon im Sommer vor, dass das Ziel 10.000 Megawatt bis 2020 völlig unrealistisch sei. Nur für einen Bruchteil stehe überhaupt eine Finanzierung. Die jüngsten Pläne der möglichen Koalitionäre Union und SPD sind nun auch massiv gekappt: 6500 statt 10.000 Megawatt (MW) und bis 2030 dann 15.000 statt 25.000 MW.

In der Offshore-Industrie könnten noch mehr Jobs verloren gehen

Vorbei ist die Aufbruchsstimmung. Wie ein mahnendes Symbol wirkte vor diesem Hintergrund diesen Sommer die Nachricht des Offshore-Parks Riffgat vom Oldenburger Energieunternehmen EWE, der mit 30 Mühlen fertig ist, aber ohne Kabelanschluss. Er musste deswegen vorerst ausgerechnet mit Diesel laufen, damit die Räder nicht rosten.

Jetzt, im Herbst, drohen weitere bittere Wahrheiten: Noch mehr Jobs könnten in der Offshore-Industrie verloren gehen, nach früheren Einschätzungen der Arbeitsagentur ist mehr als jede vierte Stelle in Gefahr, nämlich 5000 Arbeitsplätze der bundesweit 18.000 Stellen.

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