Unternehmen Windreich kann sich nicht mehr in Eigenregie sanieren

Ein Offshore-Windpark

Ein Offshore-Windpark© F. Schmidt - Fotolia.com

Im September hatte der Windpark-Entwickler Windreich die Insolvenz in Eigenregie beantragt - doch die ist gescheitert. Windreich geht nun in ein normales Insolvenzverfahren.

Der Windpark-Entwickler Windreich kann sich nicht mehr selbst sanieren. Wie das Unternehmen am Montag in Wolfschlugen mitteilte, geht das bisherige Verfahren in Eigenregie in eine geregelte Insolvenz über. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der bisherige Sachwalter Holger Blümle bestellt. Die Eröffnung des Verfahrens wird noch Ende des Monats erwartet.

Das Unternehmen wollte sich ursprünglich selbst sanieren und so das vor dem Abschluss stehende Windpark-Projekt MEG 1 zu Ende bringen. Die Entwicklung und Finanzierung von MEG 1 laufe nun unabhängig von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens weiter, sagte Blümle am Montag. Windreich hatte im September Insolvenz angemeldet.

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Windreich plant Anlagen und Windparks, die dann an Investoren verkauft werden. Das Geschäftsmodell ist hoch kompliziert und nicht ohne Risiken. Die Firma plant als Projektentwickler On- und Offshore-Windparks und schließt Verträge mit Bauunternehmen, noch bevor Anteile an den Projekten in Einzelteilen an Investoren und Energieversorger verkauft werden. Ende 2012 hatte das Unternehmen gut 300 Millionen Euro Schulden angehäuft und war wegen Abschreibungen auf eine Beteiligung in die roten Zahlen gerutscht.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Bilanzmanipulation

Um den Weg für die Sanierung freizugeben, hatte Windreich-Gründer Willi Balz im September seinen Posten als Firmenchef aufgegeben. Die Firmenleitung übernahm der bisherige Berater Werner Heer.

Die prekäre finanzielle Lage von Windreich beschäftigt bereits die Behörden. Im März hatte das Unternehmen Zinsen für Anleihen verspätet überwiesen, weil das Geld kurzzeitig knapp war. Kurz darauf ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Bilanzmanipulation – unter anderem gegen Balz. Der hatte die Ermittlungen bestätigt, die Vorwürfe aber zurückgewiesen.

Aus für angeschlagenen Offshore-Pionier Bard

Andere Unternehmen der Branche haben den Kampf ums Überleben bereits verloren. Der Windanlagenbauer Fuhrländer, an dem Windreich beteiligt war, wird abgewickelt. Der angeschlagene Offshore-Pionier Bard stellt seinen Betrieb ein und will im Januar 250 Beschäftigten kündigen. Weitere 300 Mitarbeiter sollen nach Angaben des Unternehmen in der neuen Gesellschaft Offshore Wind Solutions (OWS) im ostfriesischen Emden einen Arbeitsplatz finden. OWS soll Betrieb und Service des größten deutschen Offshore-Windparks Bard Offshore 1 sowie Schiffe und Gebäude der Bard-Gruppe übernehmen.

Die Offshore-Industrie kämpft mit unklaren Rahmenbedingungen, offenen Haftungsfragen und Schwierigkeiten bei der Netzanbindung. Ob das Ziel der Bundesregierung von 10 Gigawatt installierter Leistung bis zum Jahr 2020 erreicht werden kann, gilt als fraglich.

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