Ortwin Goldbecks größter Fehler „Wir hatten das Auslandsgeschäft schlecht vorbereitet“

Ortwin Goldbeck, 72, Bauunternehmer, über den blauäugigen Versuch, deutsche Maßstäbe auf den französischen Markt zu übertragen und wie er dann die Reißleine ziehen musste.

In den 90er-Jahren wuchs unser Unternehmen enorm: Wir erschlossen neue Märkte in Polen, Tschechien und der Slowakei und weiteten unser Angebot über das schlüsselfertige Bauen hinaus auf Dienstleistungen aus. Um nah am Kunden zu sein, schufen wir viele neue Niederlassungen, die eigenverantwortlich arbeiteten – ein Konzept, das sich in Zentral­europa und in Deutschland bewährt hatte. Auch in Frankreich wollten wir so vorgehen, stellten Franzosen ein, schulten sie in unserer Art zu bauen und machten sie mit dem Unternehmen vertraut. Dann entließen wir sie in die Freiheit.

Doch die Erfolge blieben aus. Trotz Harmonisierung der europäischen Baunormen galten in Frankreich andere Regeln, etwa bei Gewährleistungen oder im Brandschutz. Unsere systematisierten Bauteile waren nicht eins zu eins einsetzbar, Projekte ließen sich nur mit zusätzlichem Aufwand realisieren. Unser Konzept des schnellen und systematisierten Bauens verlor an Schlagkraft. Auch die Mitarbeiter tickten anders, gingen eigenwillige Wege und lebten zum Teil auf großem Fuß. Ein Geschäftsessen im Eiffelturm-Restaurant zum Beispiel, das passte einfach nicht zu uns.

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Es war eine andere Mentalität. Nach sechs Jahren schrieben wir noch immer keine schwarzen Zahlen und zogen die Reißleine – was uns schwerfiel. Wir trennten uns von Mitarbeitern, verloren mehrere Millionen Euro und mussten uns eingestehen, dass wir einen Fehler gemacht hatten. In all den Jahren hatte bei uns gegolten: Egal was wir anpacken, wir schaffen das! Dass dies in Frankreich nicht zutraf, war schmerzlich.

Wir hatten unser Auslandsengagement schlecht vorbereitet, waren zu blauäugig gewesen. Inzwischen haben wir gelernt, neue Märkte genauer zu analysieren und auch andere Wege zu gehen – zum Beispiel gemeinsam mit einem Partner wie bei unserer deutsch-österreichischen Kooperation Goldbeck-Rhomberg.


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