Unternehmen Zappenduster in der Solarindustrie? Noch nicht

Die Solarindustrie erlebte in den vergangenen Jahren eine Krise.

Die Solarindustrie erlebte in den vergangenen Jahren eine Krise.© BSW-Solar/Upmann

Nach einer beispiellosen Pleitewelle in der deutschen Solarbranche keimt langsam wieder Hoffnung auf. Unternehmen wie Q-Cells und Solarworld setzen auf Expansion. Doch die Risiken sind hoch.

Tausende Arbeitsplätze vernichtet, Millionen an Fördergeldern verbrannt und leerstehende Produktionshallen: Die deutsche Solarindustrie steckt nach einer beispiellosen Pleitewelle in einer tiefen Krise. Doch langsam keimt bei einigen Unternehmen wieder Hoffnung auf. 2013 haben sich die Preise für Solarmodule auf dem Weltmarkt stabilisiert – nicht zuletzt durch Strafzölle der EU gegen Dumping-Angebote aus China. 2014 wird ein entscheidendes Jahr für die Branche.

Der Branchenverband Solar Valley Mitteldeutschland gibt sich vorsichtig optimistisch: „Technologisch haben wir die Nase vorn“, sagt Geschäftsführer Peter Frey. Das komme auch Anlagenherstellern wie etwa Roth und Rau aus Sachsen zugute. Maschinenbauer würden traditionell zu etwa 80 Prozent exportieren – auch zum deutschen Solarkonkurrenten China. „Ein zweischneidiges Schwert“, sagt Frey. Trotzdem sei der Export wichtig für die Branche, die mit rund 9000 Beschäftigten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nur noch etwa halb so viele Mitarbeiter wie zu Hochzeiten zähle. Neue Techniken, die die Effizienz der Module um 30 Prozent erhöhen, könnten für Schub sorgen.

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Der einstige Weltmarktführer Q-Cells, der im April 2012 Insolvenz anmeldete, versucht deutsches Know-how und asiatische Fertigung zu verbinden. Unter Führung des koreanischen Hanwha-Konzerns arbeiten derzeit rund 800 Menschen in Deutschland – entwickeln vor allem die Technik weiter und produzieren in Bitterfeld-Wolfen jedes Jahr Solarzellen mit rund 200 Megawatt Kapazität, sagt Firmensprecher Jochen Endle.

Entwicklung in Deutschland – Fertigungsfabriken im Ausland

In Malaysia steht eine größere Fertigung, die die deutschen Entwicklungen umsetzt. Dort produzieren etwa halb so viele Mitarbeiter wie in Deutschland eine mehr als vierfache Menge. Die Entwicklung in Deutschland und Fertigungsfabriken im Ausland schaffe aber auch hierzulande Arbeitsplätze, sagt Endle: „Wir stellen ja schon seit einigen Monaten Mitarbeiter ein – insbesondere in Deutschland – und haben auch aktuell rund 40 Positionen zu besetzen.“Der Hanwha-Konzern kündigte zuletzt an, knapp 140 Millionen Euro frisches Geld in das Unternehmen zu stecken. Bereits kommendes Jahr sollen schwarze Zahlen geschrieben werden.

Auch das Bonner Unternehmen Solarworld greift trotz seiner tiefen Krise nach weiteren Produktionsstätten. Nachdem der Technikkonzern Bosch seinen Ausstieg aus dem Solargeschäft verkündete, will nun der einst an der Börse als „Sonnenkönig“ gefeierte Solarworld-Chef Frank Asbeck Teile der Fertigung im thüringischen Arnstadt übernehmen. Die Zahl der Mitarbeiter soll damit von 2600 um rund 800 steigen. Vor allem auch die Forschungsabteilung von Bosch soll den Konzern, der auch in den USA fertigt, stärken.

Globale Nachfrage steigt

Fest steht: Die globale Nachfrage steigt. Und Firmen wie Q-Cells oder Solarworld/Bosch produzieren im Jahr Mengen, die bei gutem Sonnenschein mehr Strom als ein Atomkraftwerk liefern. Deutschland spielt dabei beim Absatz längst nicht mehr eine dominante Rolle – auch weil die Subventionen gekürzt wurden. 2011/2012 wurden rund 7,5 Gigawatt an Kapazität installiert – dieses Jahr waren es wegen auslaufender Subventionen nur noch die Hälfte, schätzt Branchenexperte Frey.

Doch inzwischen sei die Installation von Solarmodulen etwa auf Hausdächern für den Eigenverbrauch teils bereits preiswerter als Strom von den großen Versorgern. Auch der Bundesverband Solarwirtschaft blickt wieder nach vorne. „Nach einer Konsolidierungsphase der Photovoltaikindustrie in den letzten beiden Jahren stehen die Zeichen im weltweiten Markt zunehmend wieder auf Wachstum“, erklärte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig jüngst.

Prognosen rechneten mit einem Wachstum von 18 Prozent im kommenden Jahr. Neben einer Erholung in Europa entwickelten sich vor allem Märkte mit viel höherer Sonnenscheindauer wie Saudi-Arabien, Chile oder Südafrika dynamisch.

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