Unternehmen Zehn neue Geschäftsideen

Kochen ohne Einkaufsstress, Bastelmaterial im Abo und clevere Apps, die den Autoschlüssel ersetzen: zehn neue Startups mit Zukunftspotenzial.

 

Brille? Überflüssig!

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Die eigentliche Kinosensation läuft im Foyer: Dort können Besucher auf einem Display 3-D-Werbefilme ansehen – ohne unförmige Spezial­brille auf der Nase. „Wir haben eine Technik entwickelt, mit der sich aus jedem digitalen Clip ein Film machen lässt, der mit dem bloßen Auge dreidimensional wirkt“, sagt Frank Buddenhagen, Geschäftsführer der Firma United Entertain. „Der Kunde muss uns nur sagen, welche Figuren oder Logos hervortreten sollen.“

Nokia und Schwarze Dose 28 haben ihre Werbespots bereits auf die brillenlose 3-D-Technik umgestellt. United Entertain, gegründet und ­finanziert von Frank Buddenhagen, übernimmt die Produktion und auch die nationale Vermarktung der Werbezeiten im eigenen Netzwerk. Zu dem gehören bereits mehr als 60 Multiplex-Kinos. Ende des Jahres will das 32 Mitarbeiter starke Startup über 5 Mio. Euro Umsatz schreiben und den Breakeven schaffen.

Vorlaufzeit: 2 Jahre

Startkapital: 2 Mio. Euro

www.united-entertain.tv

Schneiden, kleben, spielen

Einmal im Monat kommt Post: ein Paket mit Material für zwei oder drei Spiele, die drei- bis siebenjährige Kinder zusammen mit Erwach­senen basteln können. „Wir haben immer einen anderen Themenschwerpunkt, zum Beispiel Geschicklichkeit oder Wachstum“, sagt Philippa Pauen, die mit ihrem Startup Surprise Internet GmbH die Boxen verschickt. Erst im März 2012 an den Markt gegangen, zählt die Wummelkiste auf Facebook im Sommer bereits mehr als 3000 Likes. Die Kunden können ein Abo abschließen oder verschenken. Der Preis: 19,95 Euro im Monat oder 199,95 Euro für ein Jahr. Schon ab Herbst will Pauen ihre Bastelkisten im Ausland anbieten. Die finanzielle Basis ist vorhanden: Eine Gruppe aus Investoren – unter anderem die Venture-Capital-Gesellschaft Team Europe mit Co-Gründer Lukasz Gadowski – stattet das Berliner Unternehmen mit 800.000 Euro Kapital aus.

Vorlaufzeit: 4 Monate

Startkapital: 800.000 Euro

www.wummelkiste.de

Mitfahrgelegenheit per Handy

Jeden Morgen wälzt sich die Blechlawine in die Innenstadt und abends wieder zurück, in den Wagen eine, maximal zwei Personen. „Ein Unding, vor allem wenn man an die Umweltbelastung und die hohen Spritpreise denkt“, sagt Patrick Novinsky. Pockettaxi will das ändern: Via Smartphone können Autobesitzer Pendlern spontan freie Plätze offerieren. „Wir bieten den Service ausschließlich Unternehmen an, die ihn wiederum ihren Mitarbeitern gratis zur Verfügung stellen“, so Novinsky. Mit Siemens und EnBW konnte das Karlsruher Startup schon in der Pilotphase zwei namhafte Konzerne überzeugen. Die Firmen zahlen eine Pauschale, deren Höhe von der Nutzungsintensität abhängt. „Im Herbst 2012 werden wir Pockettaxi für die Öffentlichkeit freischalten“, sagt Novinsky. Das vierköpfige Gründungsteam, unterstützt vom Exist-Förderprogramm und Business-Angel Wolfgang Scheiding, will zudem in den kommenden Monaten in den Regionen Stuttgart, Frankfurt und Wolfsburg aktiv werden.

Vorlaufzeit: 1 Jahr

Startkapital: 100.000 Euro

www.pockettaxi.de

F-Commerce: Shoppen bei Facebook

Das größte soziale Netzwerk ist nicht nur zum Chatten da, auch Einkäufe lassen sich jetzt über Facebook-Shops erledigen. „Dazu benötigen Käufer noch nicht einmal eine Applikation, und sie müssen keine Profildaten freigeben“, sagt José Matías del Pino, der die Ondango GmbH mit Claudio Bredfeldt und Nicolas Dittberner gründete und seit dem Onlinestart im September 2011 mehrere Hundert Kunden gewonnen hat. Die Berliner erhalten von Shopbetreibern eine Grundgebühr ab 9,99 Euro pro Monat. ­Eine Finanzierungsrunde, an der die Venture-Capital-Gesellschaft Estag Capital AG und die Business-Angels Mario Brockmann, Alexander Klug und Tilman Buggenhagen beteiligt sind, soll die europaweite Expansion sichern.

Vorlaufzeit: 1 Jahr

Startkapital: sechsstelliger Betrag

www.ondango.com

Carsharing leicht gemacht

Privates Carsharing, versichert und ohne persönliche Schlüsselübergabe, diesen Service bietet das Berliner Startup Carzapp seit diesem Sommer an. Damit die Vermietung per Smartphone ablaufen kann, müssen Autobesitzer eine Hardwarebox in ihren Wagen einbauen, der Mieter entriegelt ihn dann per App. Der Vorteil: „Man kann sein Auto auch dann vermieten, wenn man unterwegs oder im Urlaub ist“, sagt Gründer Oliver Lünstedt. Mit Sahil Sachdeva will er entsprechende Anwendungen für An­droid- und iOS-Smartphones anbieten. Rund ein Drittel der Vermietungseinnahmen gehen als Provision an Carzapp. Ende 2012 soll bereits der Breakeven erzielt werden. Die Gründer nehmen zudem am Regierungsprogramm Elektromobilität teil: In Kooperation mit namhaften Autokonzernen bieten sie Elektrofahrzeuge über das Smartphone zur Miete an. Derzeit ist das Unternehmen auf der Suche nach rund 1 Mio. Euro Wagniskapital, um die Startphase zu finanzieren.

Vorlaufzeit: 1,5 Jahre

Startkapital: 50.000 Euro

www.carzapp.net

Und er hat gar nicht gebohrt

Dübeln und hämmern ist überflüssig: Unter der Marke Photolini vertreiben Carsten Jacobsen und Christoph Jellinghaus seit 2010 Fotoelemente mit Magneten. Diese docken an Metallplättchen an, die die Kunden einfach an die Wand kleben. Die Kieler starteten zunächst mit einem Onlineshop, dann gelang es ihnen, innerhalb eines Jahres mehr als 120 Fotohändler in ganz Deutschland von ihren Produkten zu überzeugen. Mittlerweile hat das Unternehmen sein Sortiment um Fotomehrteiler und 3-D-Collagen erweitert. Der Plan für die nächsten drei Jahre: die Umsatzgrenze von 1 Mio. Euro klar zu überspringen.

Vorlaufzeit: 3 Jahre

Startkapital: 150.000 Euro

www.photolini.de

Qualität ohne Quälerei

Qualitätssicherung verbinden viele Unternehmer mit den Begriffen Bürokratie und lästig. Julia Pagel, 34, will das ändern. Sie entwickelte und vertreibt eine Qualitätsmanagement-App, die ihren Kunden hilft, Normen wie die ISO 9001 einzuführen, umzusetzen und einzuhalten. „Das Programm Vismed sollte einfach zu bedienen sein, den Qualitätssicherungsprozess automatisieren und ansprechend aussehen“, sagt die Münchnerin. Als erste Branche nahm sie sich Anfang des Jahres Zahnärzte und Dentallabore vor. Auf Fachkongressen und Messen präsentiert Pagel ihr webbasiertes Qualitätsmanagementsystem, das mit dem Innova­tionspreis des Bayerischen Staatsministeriums ausgezeichnet wurde. Die Kosten inklusive iPad: 1800 Euro für die Basisversion, 3600 Euro für das Premiumprodukt, das neben Software auch Schulungen und Telefonsupport umfasst. „Wir planen für 2013, die App auch für die produzierende Industrie und den Dienstleistungssektor fit zu machen“, sagt Pagel.

Vorlaufzeit: 1,5 Jahre

Startkapital: 20.000 Euro

www.juliapagel.de

Kochen ohne Einkaufsstress

„Wir wollen das Ess- und Einkaufsverhalten der Europäer revolutionieren“, sagt Dominik Richter. Der Gründer von Hellofresh nimmt den Leuten eine große Last: das Einkaufen im Supermarkt. Stattdessen schickt Richter seinen Kunden jede Woche eine Box mit frischen Lebensmitteln – und die passenden Rezepte gleich dazu. Die Gerichte wechseln, und natürlich gibt es die Boxen auch mit rein vegetarischen Inhalten. „Unsere Kunden sind zum Beispiel junge Familien, die gern kochen, aber nicht Stunden mit einkaufen verbringen können“, erzählt Richter. „Und all jene, die sich gesund ernähren wollen und dafür immer wieder neue Anregungen suchen.“ Die Food-Boxen gibt es in zwei Größen: Mit drei Mahlzeiten für zwei Personen liegt der Abopreis bei 39 Euro pro Woche, mit fünf Mahlzeiten sind es 49 Euro. Seit dem Start im Januar hat Hellofresh ­bereits mehr als eine Million Mahlzeiten verschickt, das Startup bietet seine Dienste in Deutschland, Frankreich, England, Österreich und den Niederlanden an. Für Deutschland liegt die Logistikzentrale in einem Berliner Großmarkt – dort werden die Lebensmittel übernommen und an die Kunden verschickt.

Vorlaufzeit: 6 Wochen

Startkapital: 25.000 Euro

www.hellofresh.de

Die Vertragsmanager

Kennen Sie alle Ihre Verträge genau? Das Onlineportal Contractix hilft, den Überblick zu behalten. „Registrierte Kunden können die Daten ihrer Verträge wie zum Beispiel für Strom, Gas, Wasser, Versicherungen oder Abonnements eingeben“, sagt Alexander Kluge, der die Firma mit Harald Fett im Mai 2011 gründete. Contractix erinnert Nutzer an mögliche Kündigungs­daten und bietet Preisvergleiche an. „Bei jedem Vertragswechsel erhalten wir eine Provision“, erklärt Kluge sein Geschäftsmodell. Ein halbes Jahr nach dem Start haben die Berliner bereits 6500 Nutzer. 2013 soll die Zahl der Kunden sechsstellig sein, ab dieser Größe schreibt Contractix schwarze Zahlen, sagen die Gründer. „Um bekannter zu werden, setzen wir auf Suchmaschinenoptimierung, soziale Netzwerke und Medienpartnerschaften.“ Eine mobile App soll noch 2012 das Angebot erweitern.

Vorlaufzeit: 9 Monate

Startkapital: 25.000 Euro

www.contractix.de

Mülltüten aus der Dose

Wer wechselt schon gern Mülltüten aus? Und wer schabt gern matschige Kartoffelschalen vom Boden des Eimers? Weil Robert Gazo all das leid war, entwickelte er Skipi, eine Dose, die mit aneinandergehängten Müllbeuteln gefüllt ist. Der kleine Behälter (ab 2,49 Euro) wird mit einem Klettverschluss am Eimerboden fixiert. Wird die volle Tüte herausgezogen, rutscht die nächste nach. Inzwischen gibt es Skipi auch für unterwegs und für Windel­eimer – vertrieben über einen Onlineshop. „Die Dosen werden in Deutschland produziert, die Beutel importieren wir aus China“, sagt Gazo. Um die Beutel in die Dose zu füllen, hat er eine Maschine entwickeln lassen. Das Startup ist derzeit noch sein Nebenjob, hauptberuflich arbeitet Gazo als Handelsvertreter. Sein Ziel: „Bis Ende des Jahres 100.000 Stück zu verkaufen.“

Vorlaufzeit: 4 Jahre

Startkapital: 100.000 Euro

www.skipi.eu

Hinweis

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 10/2012.

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