Unternehmen Zoff ums Aroma: Ritter Sport will rechtlich gegen Stiftung Warentest vorgehen

Der Schokoladenhersteller Alfred Ritter will die Note "mangelhaft" durch die Stiftung Warentest für seine Nussschokolade nicht hinnehmen und rechtliche Schritte einleiten. Kritikpunkt war ein Vanille-Aroma. Rechtsexperten dämpfen allerdings die Hoffnung auf den Erfolg einer Klage.

Ritter Sport will die Bewertung seiner Nussschokolade als „mangelhaft“ durch die Stiftung Warentest nicht hinnehmen. „Wir prüfen rechtliche Schritte“, sagte eine Sprecherin am Dienstag und bestätigte damit verschiedene Medienberichte. Die Einschätzung, dass Schokolade von Ritter Sport wegen falscher Deklaration nicht verkehrsfähig sei, könne die Firma nicht teilen. Wie genau die rechtlichen Schritte aussehen sollen, stehe noch nicht fest.

Die Stiftung Warentest hatte in der vergangenen Woche die Ergebnisse eines Schokoladentests veröffentlicht. Die Bezeichnung „natürliches Aroma“ bei Ritter Sport sei irreführend, monierten die Tester. Sie hätten einen chemisch hergestellten Aromastoff in der Schokolade nachgewiesen. „Das Aroma darf also nicht als „natürlich“ bezeichnet werden“, hieß es.

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Bereits am Freitag hatte Ritter Sport der Darstellung widersprochen und eine Garantieerklärung des Herstellers Symrise veröffentlicht. Danach sei das verwendete Vanille-Aroma Piperonal ein natürliches Aroma im Sinne der entsprechenden EG-Verordnung. Der Rohstoff werde ausschließlich aus Pflanzen mit Hilfe physikalischer Methoden gewonnen, heißt es in der Garantieerklärung.

Rechtsexperten sehen wenig Aussicht auf Erfolg der Klage

Symrise bekräftigte am Dienstag seine Darstellung, wonach das Vanille-Aroma Piperonal auf natürlicher Grundlage herstellt werde. „Es handelt sich um ein natürliches Aroma mit botanischer Quelle“, sagte eine Unternehmenssprecherin in Holzminden. Den pflanzlichen Grundstoff und Details zum Herstellungsprozess wollte die Sprecherin aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Es handele sich aber um ein Verfahren, das nach der EU-Verordnung für natürliche Aromastoffe zulässig sei.

Bei der Stiftung Warentest heißt es dagegen, auch wenn Piperonal wortwörtlich als „natürliches Aroma“ übersetzt werden könne, sei es dennoch kein natürliches Aroma im Sinne der europäischen Aromenverordnung.

Für eine mögliche Klage sehen Rechtsexperten wenig Aussicht auf Erfolg: „Die jahrzehntelange Erfahrung mit Prozessen gegen die Stiftung Warentest zeigt, dass es für ein Unternehmen so gut wie aussichtslos ist, zu gewinnen“, sagte Roland Schimmel, Professor für Bürgerliches Recht an der Fachhochschule Frankfurt am Main, den „Stuttgarter Nachrichten“ (Mittwoch). „Die Gerichte gestehen der Stiftung Warentest bei ihren Urteilen einen sehr großen Spielraum zu.“

3 Kommentare
  • Dr.Werner V oss 28. November 2013 11:52

    Die Stiftung Warentest kann seit Jahrzehnten Firmen massiv schaden, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Sie agiert offensichtlich in einem rechtsfreien Raum.
    Alle Untersuchungen werden an Auftrags-Laboratorien gegeben. Ob die dann nich gelegentlich
    in Interessenkonflikte kommen, weiß niemand. Jedenfalls, was die kosmetischen Testungen und „Prüfungen“ anbelangt, ist in den letzten Jahren Etliches daneben gegangen, d.h. falsch beurteilt worden. Leidtragende dabei waren viele mittelständige Unternehmen. Der Klageweg führt nie zum Erfolg, weil dann nicht über die Sache entschieden wird, sondern offensichtlich nur über die juristischen Kriterien. Ich wünsche Ritter Sport viel Erfolg! Es wäre wichtig, wenn in dieser dunklen Ecke einmal aufgeräumt würde!

  • Daten-Salat 27. November 2013 20:35

    Ich verstehe nicht, was schlimm daran sein soll, Tests an professionelle Institute zu vergeben. Die Stiftung kann doch nicht für die Prüfung jedes Produktes und jeder Dienstleistung eigene Fachleute beschäftigen und eigene Prüfstationen vorhalten. Ich gehe mal davon aus, dass die Tests von Ritter Sport Schokolade nicht an Lindt & Spüngli vergeben worden sind.

    Meine Frau verzehrt mit Vergnügen Ritter Sport Schokolade. Auch deswegen begrüße ich, dass die Stiftung ein abwertendes Urteil spricht, wenn in Schokolade (und anderen Lebensmitteln wie z.B. Limonade) solch Schweinkram enthalten ist, der nur dem Buchstaben nach das ist, was der Verbraucher sich darunter vorstellt: ein Naturprodukt. Naturvanille kommt aus der Schote, nicht aus dem Pilz; alles andere ist sowas wie Vanillin.

  • E. Grote 27. November 2013 15:07

    Wenn man bedenkt, daß die Stiftung Warentest selbst überhaupt keine Testst durchführt sondern alles fremd vergibt, kann sich jeder seinen Teil denken wie solche Ergebnisse zustande kommen. Dass Gerichte dann auch noch scheinbar die Ergebnisse decken ist um so seltsamer.

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