Unternehmen Michael Prym: „Zu früh eingestiegen“

Michael Prym, 67, aus der 14. Generation der Stolberger Unternehmerfamilie Prym, über die ­Versuchung, dem Wunsch der Eltern zu folgen und früh in die eigene Firma einzusteigen.

Heute ist mir klar: Ich bin zu früh ins eigene Unternehmen eingestiegen. Ich war ­gerade 32 Jahre alt und hatte – nach Bank­lehre und Wirtschaftsstudium in Köln – ein paar Jahre als Berater gearbeitet, als mir unser damaliger Beiratsvorsitzender Hermann Josef Abs gemeinsam mit Ernst Friedlaender, dem Vorsitzenden unserer Geschäftsführung, vorschlug, als Prokurist ins Familienunternehmen zu wechseln. Ihm war klar: Die Zukunft von William Prym war nicht geregelt, das Tor für ­eine Krise offen, nicht alle in der Familie zogen am gleichen Strang. „Wenn jemand von der nächsten Generation das auffangen kann“, sagte Abs, „dann können das nur Sie.“ Gern nahm ich die Herausforderung an.

Am 1. August 1975 startete ich, mein Vater hatte sich bereits Jahre ­zuvor von der Geschäftsführung in den Beirat zurückgezogen. Was dem Unternehmen damals vor allem fehlte, war eine klare strategische Ausrichtung. Der größte Nähgarnhersteller der Welt, Coats aus Glasgow, hatte kurz zuvor 25,1 Prozent der Anteile übernommen und zeigte bald seine langfristige Absicht: Immer wenn ein Gesellschafter ausstieg, kauften die Schotten Anteile hinzu. Sie wollten uns ganz übernehmen – und spekulierten auf die Schwäche der Familie.

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Als sich dies für mich herauskristallisierte, war ich hochgradig alarmiert. Für William Prym ergab sich eine konfliktreiche Phase. So sehr sich Väter oder Mütter auch emotional wünschen mögen, dass ihre Kinder ihnen nachfolgen, so ist in solch einer Situation auf jeden Fall eine Interimslösung mit einem er­fahreneren Manager sinnvoller. Wer als Nachfolger ins eigene Familienunternehmen wechselt, sollte mindestens zehn Jahre lang einen Erfahrungsschatz in anderen Firmen aufbauen und dann direkt in der höchsten Führungs­ebene einsteigen.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 06/2011.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

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