Unternehmen August-Wilhelm Scheer: „Zu spät nach möglichen Nachfolgern gesucht“

August-Wilhelm Scheer, 69, Gründer des Softwareunternehmens IDS Scheer, über das Versäumnis, rechtzeitig einen Nachfolger aufzubauen.

Wenn man ein Startup-Unternehmen führt, das – wie es bei IDS Scheer der Fall war – schnell wächst, kann es leicht passieren, dass man eine ganz entscheidende Sache außer Acht lässt: einen eigenen Nachfolger aufzubauen. Auch ich habe mich in einer euphorischen Phase starken Wachstums zu sehr auf das operative Geschäft konzentriert, auf die Internationalisierung – und dabei vor allem Mitarbeiter mit technischem Wissen rekrutiert, die unsere Produkte weiterentwickeln konnten.

Diese starke Konzentration auf das operative Geschäft kann sich zu einem Fehler entwickeln: Man sollte sich frühzeitig auch darum kümmern, wie sich die Unternehmensstrukturen weiterführen lassen – und guten Managementnachwuchs an sich binden. Das ist sehr anspruchsvoll. Auch wenn man Headhunter beauftragt, über Kandidaten Referenzen einholt und psychologische Gutachten erstellt, heißt das nicht, dass die Manager später auch die Leistung bringen, die man von ihnen erwartet hat. Mehrmals habe ich versucht, einen Nachfolger aufzubauen – ohne Erfolg. Zu erkennen, dass man sich doch nicht für die richtige Person entschieden hat, war für mich ein schmerzhafter Prozess.

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Gab es Indikatoren, die mich hätten warnen können? Habe ich anfangs vielleicht sogar ­etwas beschönigt, weil ich nicht wahrhaben ­wollte, eine falsche Entscheidung getroffen zu ­haben? Man merkt ja erst nach und nach, dass man falschliegt – und ein Traum nicht in Erfüllung geht. Ich kann aus dieser Erfahrung he­raus nur empfehlen, diesen Prozess frühzeitig zu beginnen. Man sollte einen oder zwei potenzielle Kandidaten, am besten aus dem eigenen Unternehmen, identifizieren, sie ausbilden, fördern und auch gegeneinander laufen lassen, ­sodass einer von ihnen später in der Lage ist, die Nachfolge anzutreten.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 07/2011.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

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