Unternehmen Zu wenig Unternehmen stellen auf Sepa um – Bundesbank warnt vor erheblichen Risiken

Das Grauen hat 22 Stellen: Viele Bankkunden haben Probleme, sich die sperrige IBAN zu merken. Jammern nützt nichts - ab 1. Februar 2016 wird die IBAN Pflicht.

Das Grauen hat 22 Stellen: Viele Bankkunden haben Probleme, sich die sperrige IBAN zu merken. Jammern nützt nichts - ab 1. Februar 2016 wird die IBAN Pflicht.© Bundesbank

Bis Februar müssen Unternehmen ihre Zahlungen auf das europäische Sepa-System umstellen. Doch die Anpassung läuft immer noch schleppend. Die Bundesbank warnt eindringlich vor erheblichen Risiken für die Zahlungsabwicklung.

Die Bundesbank schlägt Alarm: 72 Tage vor dem Start des europäischen Zahlungssystems Sepa sind deutsche Unternehmen offenbar noch immer unzureichend vorbereitet. Es müsse „nun der Endspurt beginnen“, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele am Mittwoch in Frankfurt.

Bundesbank-Vorstand: Wer sich nicht vorbereitet, geht erhebliche Risiken ein

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Ab 1. Februar 2014 dürfen Kreditinstitute Lastschriften und Überweisungen von Unternehmen und Vereinen in Euro nur noch im Sepa-Format mit der internationalen Kontonummer IBAN verwenden – auch innerhalb eines Landes. Wer sich darauf nicht vorbereite, gehe erhebliche Risiken für die Abwicklung von Zahlungen ein, warnte Thiele. Das könne zu kurzfristigen Liquiditätsengpässen führen. Etwa Zahlungen von Gehältern könnten nicht mehr rechtzeitig abgewickelt werden, wenn die Zahlungsdaten nicht im Sepa-Format bei der Bank eingereicht werden.

Ziel der Umstellung ist, dass Überweisungen ins Ausland schneller und billiger werden: Bankgeschäfte sollen über Grenzen hinweg binnen eines Arbeitstages abgewickelt werden. Die Gesamtzahl aller Überweisungen und Lastschriften im Euroraum liege pro Arbeitstag bei gut 140 Millionen, sagte Thiele: „Der deutsche Anteil ist daran mit fast 60 Millionen Zahlungen immens, er liegt bei knapp 43 Prozent.“

Anteil der Sepa-Überweisungen im Oktober nur bei 20,9 Prozent

Obwohl die Zeit bis zur Umstellung schwindet, wird das Sepa-Zahlverfahren („Single Euro Payments Area“) in Deutschland bisher kaum genutzt. Im Oktober 2013 lag der Anteil der Sepa-Überweisungen bei nur 20,9 Prozent – gegenüber 13,9 Prozent im dritten Quartal. „Es müssen also von den arbeitstäglich abgewickelten 24,6 Millionen Überweisungen noch 19,4 Millionen Stück auf Sepa umgestellt werden“, sagte Thiele.

Noch schlechter sehe es bei der Lastschrift aus. Von den gut 35 Millionen Transaktionen pro Arbeitstag müssten noch 34,2 Millionen umgestellt werden. Der Anteil der Sepa-Lastschriften am gesamten Lastschriftvolumen betrage erst 3 Prozent, sagte Thiele: „Damit stehen wir vor einer großen Umstellungswelle.“ Weil sich am Endtermin nichts ändere, sei „ein Big Bang unausweichlich.“

Anders als Unternehmen und Vereine müssten Verbraucher nicht aktiv werden: „Wer Rente, Arbeitslosen- oder Kindergeld bezieht, bekommt diese Zahlungen schon als Sepa-Überweisung, denn die Umstellung des Rentenservices ist schon lange abgeschlossen.“ Auch die Bundesagentur für Arbeit habe ihre Umstellungsarbeiten so gut wie beendet.

Worauf Unternehmen bei der Sepa-Umstellung achten müssen: impulse hat eine Checkliste zusammengestellt. Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch auf der Internetseite der Bundesbank.

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