Verwaltungsvermögen Vorsicht, Falle bei der Erbschaftsteuer!

Kleine Unternehmen mit niedrigem Gewinn und hohen Außenständen bittet das Finanzamt bei der Erbschaftsteuer zur Kasse.

Böse Überraschung für kleine Unternehmen mit niedrigem Gewinn und hohen Außenständen: Vor allem sie bittet das Finanzamt bei der Erbschaftsteuer zur Kasse.© neuemedien / photocase.de

Keine Mehrbelastung für familiengeführte Unternehmen, versprach die Politik bei der Erbschaftsteuerreform. Doch in ungünstigen, aber nicht seltenen Konstellationen kann die Abgabe sogar kleine Familienbetriebe ruinieren, wie impulse-Berechnungen zeigen.

Es war das zentrale Versprechen, das Politiker der Großen Koalition bei der Reform der Erbschaftsteuer im September 2016 gegeben hatten: keine Mehrbelastung für Familienunternehmen. Doch das Gegenteil ist der Fall – nach impulse-Berechnungen kann die Abgabe selbst bei kleinen Firmen ruinöse Höhen erreichen.

Wenig Gewinn, hohe Forderungen – das kann zu Problemen führen

Betroffen sind vor allem Unternehmen, die nur wenig Gewinn ausweisen und hohe Forderungen in der Bilanz zu stehen haben. Diese Konstellation ist nicht selten und betrifft Betriebe quer durch alle Branchen. Der Effekt kann entstehen, wenn das zu vererbende Unternehmen lange Zahlungsziele von einem Großkunden diktiert bekommt und sich dagegen – aufgrund der Marktmacht des Kunden – nicht wehren kann. Entsprechend hohe Forderungen müssen dann bilanziert werden.

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Weist das Unternehmen zudem möglichst niedrige Gewinne aus, um bei den jährlichen Steuern zu sparen, tut sich bei der Erbschaftsteuer eine große Falle auf. Möglicherweise fallen Gewinne wegen eines harten Wettbewerbs auch gar nicht erst an.

Verwaltungsvermögen wurde neu definiert

Sind die Steuerfreibeträge aus anderen Gründen aufgebraucht, müssen Erben selbst kleiner Unternehmen eine Erbschaftsteuer in existenzgefährdender Höhe fürchten. So ist es im schlimmsten Fall möglich, dass auf eine Firma mit einem Jahresgewinn von 80.000 Euro eine Abgabe von 200.000 Euro fällig wird.

Der Grund liegt darin, dass mit der Reform eine kleine, aber bedeutsame Verschärfung ins Gesetz gelangt ist: Demnach gehören die offenen Forderungen der Firma neuerdings viel stärker als bislang zum „Verwaltungsvermögen“. Das darf nach dem Willen des Gesetzgebers jetzt insgesamt nicht mehr als 90 Prozent des Unternehmenswertes ausmachen, sonst fallen die Steuervergünstigungen weg.

Bei kleinen Betrieben mit wenig Gewinn und hohen Außenständen kann das Verwaltungsvermögen schnell sogar über 100 Prozent des Firmenwerts erreichen. Anstatt sich feiern zu lassen und den Familienunternehmen Versprechungen zu machen, hätten „die Politiker lieber lieber mal das Kleingedruckte lesen sollen“, sagt Rüdiger Fromm, Gründer der auf Mittelständler spezialisierten Steuerberatungskanzlei Fromm in Koblenz. „Sie sind der Finanzverwaltung auf den Leim gegangen.“

Das Bundesfinanzministerium sah auf impulse-Nachfrage keinen Handlungsbedarf.

 

Mehr zum Thema lesen Sie in impulse Heft 02/2017: Wie betroffene Unternehmen reagieren können

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