Heinrich-Stefan Nölkes größter Fehler „Wir hatten nicht den Mut, uns gegenseitig zu vertrauen“

  • Serie
"2014 sahen wir keinen anderen Ausweg mehr und verkauften das Gutfried-Geschäft, um die Pleite zu vermeiden", erzählt Heinrich-Stefan Nölke, 62, ehemaliger Miteigentümer der Heinrich Nölke GmbH & Co. KG.

"2014 sahen wir keinen anderen Ausweg mehr und verkauften das Gutfried-Geschäft, um die Pleite zu vermeiden", erzählt Heinrich-Stefan Nölke, 62, ehemaliger Miteigentümer der Heinrich Nölke GmbH & Co. KG.© Mchael Löwa

Heinrich-Stefan Nölke und den Miteigentümern seiner Firma fehlte der Mut, Verantwortung zu übernehmen. Sie hielten an einem angestellten Geschäftsführer fest - ein Fehler mit Folgen.

Ich gehöre zur dritten Generation unseres Familienunternehmens, das mein Großvater mit seinen drei Brüdern 1924 gegründet hatte. Nachdem mein Vater 1997 aus gesundheitlichen Gründen plötzlich und unerwartet aus der Geschäftsführung ausscheiden musste, haben zunächst ich und im Laufe der Jahre auch die drei anderen Juniorgesellschafter es vorgezogen, uns aus dem operativen Geschäft herauszuhalten.

Gemeinsam hielten wir an einem angestellten Geschäftsführer fest

Rückblickend muss ich sagen, wir hatten nicht den Mut, uns gegenseitig zu vertrauen und selbst die Verantwortung zu übernehmen. Dass wir unser Geschäft mit der Wurstmarke Gutfried später verkaufen mussten, hat hier wohl seine Hauptursache. Gemeinsam hielten wir an einem angestellten Geschäftsführer fest, der das Unternehmen strategisch falsch ausrichtete. So verstärkten wir ab 2003 unser Engagement im Bereich Geflügelfleisch, ein Massengeschäft, in dem wir uns als Markenartikler nicht auskannten, das aber erhebliche Risiken barg. Der Geschäftsführer schied im selben Jahr aus Altersgründen aus dem operativen Geschäft aus, wir machten ihn zum Beiratsvorsitzenden.

Anzeige

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“

2007 stießen wir dann das unrentable Fleischgeschäft ab. Am Ende wieder falsch, denn es kam zu massiven Preissteigerungen bei diesem Rohstoff. Auch deshalb konnten wir notwendige Investitionen nicht mehr tätigen. 2014 sahen wir keinen anderen Ausweg mehr und verkauften das Gutfried-Geschäft, um die Pleite zu vermeiden. Hätten wir uns Jahre zuvor auf einen anderen Geschäftsführer geeinigt, statt die Dinge laufen zu lassen, wäre es vielleicht anders gekommen. Vom alten Familienkonzern blieb uns die Frischdienst Union, ein Lebensmittel-Lieferservice für Großverbraucher. Das Geschäft läuft gut. Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.


Aus Fehlern lernen – die Konferenz für Unternehmer

Am 30. November 2017 in Essen: „Aus Fehlern lernen“ – die Konferenz für Unternehmer. Frühbucher sparen 100 Euro – jetzt Ticket sichern!

Aus Fehlern lernen

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.