Voice over IP Was Sie über Telefonieren per Internet wissen sollten

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Wenn Ihre Telefontechnik schon etwas in die Jahre gekommen ist, brauchen Sie neue Geräte, um den Anschluss auf Voice over IP umstellen zu können.

Wenn Ihre Telefontechnik schon etwas in die Jahre gekommen ist, brauchen Sie neue Geräte, um den Anschluss auf Voice over IP umstellen zu können.© bramgino / Fotolia.com

Die Telekom will bis 2018 alle Kunden auf Voice over IP umstellen. Für die Internettelefonie werden neue Geräte gebraucht. Was Sie über die neue Technik wissen sollten - und welche Kosten auf Sie zukommen.

Was ist Voice over IP?

Das Kürzel IP ist die Abkürzung für Internet Protocol, das ist der Übertragungsstandard, mit dem im Web die Daten zwischen Computern ausgetauscht werden. Über dieses Protokoll lässt sich auch Sprache übertragen, und zwar in Form digitalisierter Sprachdateien. Das nennt sich dann IP-Telefonie, also Stimmenübertragung übers Internet, darum auch Voice over IP (VoIP) genannt. Die IP-Technik kann die herkömmliche analoge Telefonleitung aus Kupferdraht ersetzen sowie den 1989 von der Telekom eingeführten digitalen ISDN-Anschluss.

Wer ist von der Umstellung betroffen?

Alle Telekomkunden, die noch einen analogen oder einen ISDN-Anschluss benutzen und dazu einen Internetanschluss per DSL haben. Diese Kunden informiert die Telekom nach und nach über die Umstellung – per Brief, per Mail oder auch mit einem persönlichen Besuch des Kundenbetreuers.

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Warum wird umgestellt auf Voice over IP?

Die Telekom möchte das analoge Telefonnetz aus Kosten- und Effizienzgründen nicht weiter parallel zur modernen IP-Technik betreiben. Auch die ISDN-Technik gilt inzwischen als veraltet. Wenn die Telekom nur noch eine einzige Netztechnik betreibt, spart sie Geld. Bis zum Jahr 2018 will die Telekom rund 20 Millionen Anschlüsse auf IP-Technik umstellen, ein Drittel davon ist schon geschafft.

Was kosten die neuen Geräte?

Die neue Technik erfordert neue Geräte, die IP-tauglich sind. Ein Router, etwa die populäre Fritzbox 7490 von AVM, die den Anschluss von bis zu sechs Telefonen erlaubt, kostet rund 200 Euro. Ein IP-fähiger Router lässt sich aber auch bei der Telekom mieten, die Kosten dafür betragen je nach Gerät zwischen 2,50 Euro bis 10 Euro pro Monat. Zudem bietet die Telekom cloudbasierte Telefonanlagen zum monatlichen Mietpreis ab 9,95 Euro an (ohne Telefongeräte).

Wer trägt die Kosten für die Umstellung?

Die Telekom übernimmt keine Kosten. Denn sie zwingt den Kunden nicht zur Umstellung, sondern beendet einfach den laufenden Vertrag, wenn er die Umstellung ablehnt. Weitere Kosten können dem Unternehmen für die Neueinrichtung von Sonderdiensten wie Alarm- und Notrufen, etwa in Aufzügen oder Produktionshallen, entstehen.

Wer ist schon auf Voice over IP umgestellt?

Derzeit telefonieren noch zwei Drittel der Telekomkunden via Analogleitung (64,5 Prozent), bei Konkurrenten wie Vodafone und Versatel ist es genau umgekehrt. Dort führen 69,5 Prozent der Kunden ihre Telefonate schon übers Internet.

Wo liegen die Vorteile und Nachteile von Voice over IP?

Die Telekom verspricht eine bessere Sprachqualität und besseren Service: „Die Erhöhung der Bandbreite von 16 auf 50 Megabit klappt dann zum Beispiel innerhalb einer Stunde“, sagt Klaus Müller, Leiter Geschäftskunden Transformation bei der Telekom Deutschland.

Der Nachteil der IP-Technik: Sämtliche Funktionen hängen von einem funktionierenden Internetanschluss ab. Analogleitungen haben eine Notstromspeisung, mit der sich unabhängig vom Hausstromnetz telefonieren lässt.

Welche Probleme gibt es bei der Umstellung?

Mit mehr als 500.000 Anschlüssen wurden schon etwa 20 Prozent der Firmenkundenanschlüsse erfolgreich umgestellt, sagt Klaus Müller, Leiter Geschäftskunden Transformation bei der Telekom Deutschland. Allerdings berichten einer Umfrage der Verbraucherzentralen zufolge 67 Prozent der Privatkunden von Ausfällen des Anschlusses.

Auch Jochen Marquardt, IT-Leiter beim Mittelständler Dreßler Bau, rechnet mit Problemen. Dass es dann nicht sofort rundläuft, kalkuliert er ein: „Es gibt bei IT-Projekten immer Anpassungsphasen.“ Dennoch möchte er lieber möglichst rasch, bis zum Sommer 2016, auf die IP-Technik umstellen. „Das lässt sich ohnehin nicht aufhalten.“

Welche Alternativen zu Voice over IP gibt es?

Wer die Umstellung auf Voice over IP nicht möchte, kann den Anbieter wechseln. Vodafone zum Beispiel bietet ab Januar 2016 ein ISDN-Paket ab 24,95 Euro an, das bis 2022 funktionieren soll. „Zwei Drittel aller Telefonanlagen in Firmen laufen über ISDN“, sagt Vodafone-Firmenkundenchef Philip Lacor: „Die siebenjährige Übergangszeit liefert Investitions- und Planungssicherheit.“

 

impulse_Cover_01_2016-100Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 01/16.

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