Gründung 22 bewährte Konzepte

Unternehmergeist + rentable Geschäftsidee = lukrative Firma. So lautet die Erfolgsformel vieler Gründer. Wer aber dauerhaft am Markt bestehen will, sollte der Branche einen Schritt voraus sein, Trends setzen. Als Ideenpool für Ihr Startup finden Sie hier 22 Konzepte, die ihre Bewährungsprobe schon hinter sich haben.

Gastronomie und Handel

Persönliche Duftnoten

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Zwei Frauen, der gleiche Duft – ein absolutes
No Go. Im Internetshop von
Myparfuem.de können Kunden mit nur
drei Klicks ein eigenes Parfüm aus 30
verschiedenen Zutaten zusammenstellen.
Mit Krediten aus dem Familien- und
Freundeskreis starteten Patrick Wilhelm
und die Brüder Yannis und Matti Niebelschütz
im August 2008 ihr Geschäft. Zuvor
ließen sie sich von namhaften Parfümeuren
ins Handwerk einführen und
verbrachten viel Zeit bei der Suche nach
einem Flakonhersteller, der auch kleinere
Stückzahlen liefern wollte. Schon die
erste Weihnachtssaison brachte den
Durchbruch. Für anhaltendes Wachstum
sollen nun Firmenkunden sorgen. Yannis
Niebelschütz: „Wir haben extra eine
Duftexpertin eingestellt, die Kreationen
für Unternehmen erstellt.“ www.myparfuem.
de

Vorlaufzeit: ein Jahr

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 25 000 Euro

Helfer: private Investoren

Die Kaffeespezialisten

Um den richtigen Mix geht es auch bei
Till Achinger und Tamer El-Hawari. Nur
dass die beiden Münsteraner in Kaffee
machen. Nach sechs Monaten Planung
stellten sie in der WG-Küche die ersten
Bestellungen zusammen, und innerhalb
von zwei Wochen machte das noch unbekannte
Startup Sonntagmorgen.com
2000 Euro Umsatz. Heute – eineinhalb
Jahre später – benötigt das Gründerteam
schon ein Büro und einen Produktionsraum,
um genug Platz für seine
vier Mitarbeiter zu haben, die inzwischen
einen fünfstelligen Umsatz erwirtschaften.
Immerhin: Der Sieg beim
Businessplan-Wettbewerb der Uni Münster
bescherte ihnen drei Monate Mietfreiheit.
Werbung läuft bei den Kaffeemischern
kostengünstig über Blogs oder
Twitter. www.sonntagmorgen.com

Vorlaufzeit: sechs Monate

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: 15 000 Euro

Helfer: Mitarbeiter Carsten, der nachts mit
Fast Food für Durchhaltevermögen sorgte

Turnmatten-Recycling

Wer an Wiederverwertung denkt, hat
Papier, Metalle oder Plastik im Sinn.
Aber nicht alte Turnmatten oder defekte
Sportgeräte mit Lederbesatz. Doch Bernd
Dörr gibt dem gebrauchten, abgewetzten
Material einen neuen Sinn: als Taschen.
Unter dem Label Zirkeltraining
vertreibt er seit Oktober 2007 über
Exklusivhändler
in Deutschland seine
eigenen Kreationen. Auch in Österreich,
Norwegen, den Niederlanden und Japan
sind die 100 bis 300 Euro teuren
Umhänger zu kaufen. Der Durchbruch
gelang mit einem Auftrag der Apple-
Handelskette Gravis und der Aufnahme
in den Katalog des Lufthansa Worldshops.
„Leider finde ich nicht immer
genügend
Material“, so der Mülheimer.
Deshalb ist seine Taschenproduktion
limitiert.
www.zirkeltraining.biz

Vorlaufzeit: wenige Wochen

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: keine Angaben

Helfer: der Reparaturbetrieb für Sportgeräte
in der Nachbarschaft

Imbiss für Bello

Jede Woche vier Stunden kochen – und alles nur für seine
Hundedame Lili, die kein Dosenfutter verträgt. Warum nicht
gleich aus der Not eine Geschäftsidee kreieren? Zumal er seinen
alten Job als Sozialarbeiter ohnehin an den Nagel hängen
wollte. Kurzerhand eröffnete Peter-Joachim Gitz-Mombauer
(o.) in Köln Lilis Hundeimbiss.

Trotz vieler Widerstände:
„Zwölf Banken haben nicht an das Konzept geglaubt und mir
einen Kredit verweigert“, so der 45-Jährige. Doch ohne Hausbank
gibt es keinen Existenzgründerkredit von der KfW. Zum
Glück konnte er eine alte Metzgerei pachten – inklusive aller
Maschinen. Da reichte auch ein Privatkredit. Seit zwei Jahren
bekommt die Stammkundschaft nun Rinderhufe, gerollte
Kalbsblasen und Büffelsehne. www.lilis-hundeimbiss.de

Vorlaufzeit: acht Monate

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: 15 000 Euro

Helfer: Fans, die Werbung machen

Der Haken in der Reinigung

Seit Herbst 2007 entwickelt, produziert
und vertreibt das Unternehmen Greenhanger
Kleiderbügel für chemische Reinigungen.
Das Besondere daran: Die
Wellpappengestelle sind mit Werbung
bedruckt und zu 100 Prozent recycelbar.
„Je nach Kunde wird in der Wäscherei
die passende Werbung ausgewählt“, sagt
Geschäftsführer Martin Schmidt. Also
zum Beispiel Nivea für die Frau, Ford für
den Mann. Auch Konzerne wie Vodafone
oder Vattenfall haben bereits den exklusiven
Werbeplatz gebucht, der bundesweit
von mehr als 2700 Reinigungen
verteilt werden kann. Probleme bereiteten
anfangs vor allem die extremen Einsatzbedingungen:
Bei hoher Luftfeuchtigkeit
machten die Pappbügel schnell
schlapp. Dank ständiger Weiterentwicklung
hatte Schmidt die Hürde jedoch
schnell genommen und im ersten vollen
Geschäftsjahr 250 000 Euro Umsatz verbucht.
Inzwischen hat sich der Berliner
drei Werbebügelvarianten schützen lassen.

Schottische Törtchen

Für Süßes war Kirstin Pollheim schon
immer zu haben. Von einem Schottland-
Trip brachte sie Cupcakes mit an den
Rhein: handgemachte Törtchen mit
buntem Dekor. Für die Hobbybäckerin
war sofort klar, dass sie in Köln ein kleines
Café mit diesen Köstlichkeiten von
der Insel eröffnen wollte. Zuvor musste
sie jedoch zahlreiche Auflagen erfüllen
– von der Größe der Außengastronomie
bis hin zur Anzahl der WCs. Im Dezember
2008 war Eröffnung bei Royal Cupcakes
– doch kaum einer ließ sich blicken.
„Vor lauter Arbeit hatte ich einfach
vergessen, den ersten Tag groß anzukündigen“,
so die 30-Jährige. Doch
Wochen später bleibt nur noch selten
ein Platz frei. Zudem beliefert Pollheim
Firmen. In Düsseldorf soll das zweite
Café folgen.
www.royalcupcakes.de

Vorlaufzeit: ein Jahr

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: 100 000 Euro

Helfer: die Familie hielt ihr den Rücken frei

IT und Dienstleistung

Die Hunde-Kita

Vor allem Berufstätige nutzen den Service
von Herwig Spandau. In Wiesbaden
gründete er die Hundetagesstätte
(Huta) Klingenmühle
. Hier können Besitzer
ihre Lieblinge abgeben und beruhigt
zur Arbeit fahren. In Gesellschaft
von mehr als 30 weiteren Tieren auf einem
riesigen Freigelände werden die
Vierbeiner artgerecht im Rudel betreut.
Bevor der Hund in Herwegs Huta kommen
darf, muss er beweisen, dass er sich
mit den anderen Tieren verträgt. Und:
„Wie bei den Kleinen im Kindergarten
findet auch bei uns eine Eingewöhnungsphase
zusammen mit dem Besitzer
statt“, so der Hundetrainer. Tagesgäste
zahlen 18 Euro, ein Monatsabo kostet
300 Euro. www.huta-klingenmuehle.de

Vorlaufzeit: sechs Monate

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: 15 000 Euro

Helfer: Tierärzte als Werbemedium

Mobile Spenden

Gutes tun und dabei das Handy nutzen
– Florian Nöll, Sascha Schubert und
Martin Müller machen es möglich. Mit
ihrer Firma Spendino haben sie einen Service entwickelt, bei dem Geldspenden
per SMS adressiert und per Telefonrechnung
bezahlt werden. Die entsprechenden
Rufnummern sind auf Plakaten
oder in TV-Spots zu sehen. „Die Spendenorganisationen
waren von dieser
Idee sofort begeistert“, sagt Nöll. Mehr
als 100 Auftraggeber zählt Spendino bereits.
Mehr Überzeugungsarbeit mussten
die Berliner bei den Mobilfunkanbietern
leisten. „Wir waren noch ein
Dienst, den sie abrechnen sollten“, so
Nöll. Spendino erhält von jeder SMS
eine Transaktionspauschale plus eine
Einrichtungs- und Monatsgebühr vom
Auftraggeber. Für 2009 sind 60 000
Euro Umsatz geplant. Inklusive des neuen
Geschäftszweigs fürs Wahljahr: Parteispenden
per SMS. www.spendino.de

Vorlaufzeit: zwei Jahre

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 80 000 Euro

Helfer: Organisationen wie Brot für die Welt

Reizen und stechen

Zwölf Jahre lang war Christian Fröhner
Software-Entwickler, dann machte er
sein Hobby zum Beruf. Der 40-Jährige
absolvierte eine Ausbildung zum Bridge-
Lehrer und unterrichtet seit zwei Jahren
Interessierte in dem Kartenspiel. Da
Gruppen- und Privatunterrichtsstunden
ihn nicht auslasteten, organisiert der
Wiesbadener auch Reisen. Viermal im
Jahr tourt er nun mit mehr als 50 Spielern
nach Dresden, seinem Heimatort.
Im September geht es nach Danzig. „Ich
kümmere mich dabei um alles: den Flug,
das Hotel, das Ausflugsprogramm und
selbstverständlich auch um die Bridge-
Abende“, so Fröhner. Für 2009 peilt er
einen Umsatz von 120 000 Euro an.
www.bridgeakademie-froehner.de

Vorlaufzeit: drei Monate

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: 10 000 Euro
Helfer: Gründungsagentur Exina

Virtuelle Trainingsgruppe

Wer bei 1-2-sports.com Mitglied ist,
trainiert nie mehr allein, sondern in
einer
virtuellen Sportgruppe. Knapp
20 000 Nutzer notieren auf der Onlineplattform
ihre Trainingsergebnisse und
können diese mit den Resultaten der
anderen Teilnehmer vergleichen. Auch
virtuelle Wettbewerbe sind so möglich. „Wir bieten derzeit Funktionen für rund
170 Sportarten an“, sagt Gründer Andreas
Lindenberg. In den ersten beiden
Jahren war die Nutzung von 1-2-sports.
com noch kostenlos, doch künftig will
der Nürnberger auch gebührenpflichtige
Premiumangebote einstellen. „Damit
können Jogger zum Beispiel ihre Laufstrecken
anschaulicher
darstellen“, so
Lindenberg. Eine Kooperation mit einem
bundesweiten Sportartikelhändler
soll ab November für einen weiteren
Nutzer- und Umsatzschub sorgen.
www.1-2-sports.com

Vorlaufzeit: 18 Monate

Rechtsform: AG

Startkapital: 110 000 Euro

Helfer: Michel Lindenberg, Bruder und Gründer
von Stayfriends.de

Gesundes Salz

Eigentlich sollte es nur eine Ruheoase
für die Familie werden. „Wir hatten es
satt, immer eineinhalb Stunden zu fahren,
um in eine Salzgrotte zu kommen“,
sagt Andrea Schuster. Kurzerhand bauten
sich die Schusters im Keller ihr eigenes,
20 Quadratmeter großes Salarium.
Freunde und Bekannte hörten vom Gesundbrunnen
um die Ecke und wollten
auch einmal salzhaltige Luft schnuppern.
„Plötzlich war der Besucherandrang
sehr groß“, so die 34-Jährige.
Kurzerhand gründete die ehemalige
Bankangestellte ihre Firma Salzoase
und schleust nun für zehn Euro Eintritt
70 Gäste durch ihre Salzgrotte. Kinder
zahlen die Hälfte. „Wir sind im August
2008 gestartet – schon im Oktober waren
wir voll ausgelastet“, sagt Schuster.
Ein Salzladen sowie Kurse zu Yoga, Meditation
und Atemtechnik runden ihr
Angebot ab. www.salzoase.net

Vorlaufzeit: sechs Monate

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: 40 000 Euro

Helfer: ihr Mann Markus, der das Marketing
übernommen hat

Unterricht am Telefon

Schnell und bequem eine Fremdsprache
lernen? Dann greifen Sie einfach zum
Telefon. Sprachtrainer Michael Power
ruft seine Kunden ein- bis zweimal pro
Woche zur verabredeten Zeit an. „Jede
Lerneinheit dauert rund 30 Minuten“,
so der gebürtige Ire. Im Anschluss erhalten
seine Schüler eine E-Mail mit
einer Auflistung der gerade absolvierten
Lerninhalte. „So bleibt alles besser im
Gedächtnis haften“, erklärt Power. Für
besonders Eilige, die sich zum Beispiel
innerhalb von wenigen Wochen auf einen
Messeauftritt oder eine Präsentation
vorbereiten müssen, bietet das
vierköpfige Team von Your Call auch
Intensivtrainings
zu speziellen Themen
an. Die Kosten: 30 Euro für 30 Minuten.
www.your-call.eu

Vorlaufzeit: sechs Monate

Rechtsform: Personengesellschaft

Startkapital: 25 000 Euro

Helfer: Mitarbeiterin Carla, die alle motiviert

Werbung am laufenden Band

Bis zu 20 Minuten stehen Fluggäste an der Gepäckausgabe,
warten auf Koffer und starren aufs Laufband. „Überall am
Flughafen prangt Werbung, warum nicht auch darauf“,
fragte sich Pilot Markus Geßner (o. l.).

Der Grund: Bisher
waren Anbieter an technischen Hürden gescheitert. Nach
vielen Tests ließ sich der Nürnberger die Lösung patentieren:
Eine Folie, die ohne technische Veränderung der Transportbänder
auf den Lamellen klebt. Die Werbefläche kann
schon in Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Nürnberg gebucht
werden. Dank Geßners Firma AGM Solution & Service, die
er mit Michael Lorz (o. r.) führt. www.agm-sus.de

Vorlaufzeit: zwei Jahre

Rechtsform: GmbH
Startkapital: 60.000 Euro
Helfer: das Team in der Druckerei

Virtuelles Geld für Spieler

Das Berliner Startup Sponsorpay tummelt
sich im schnelllebigen Markt für
Onlinespiele. Das Team um Gründer Jan
Beckers und Janis Zech bietet den Spielern
kostenpflichtige Zusatzfunktionen
an – zu bezahlen nicht in Euro oder
Dollar,
sondern mit Gegenleistungen:
Dazu zählen das Ausfüllen eines Fragebogens,
der Download eines PC-Programms
oder der Testbezug einer
Zeitschrift. „Wenige Wochen nach dem
Firmenstart kooperieren wir schon mit
90 Prozent der Spieleanbieter in
Deutschland“, sagt Beckers, der auch
schon eine Venture-Capital-Gesellschaft gegründet hat. Zwei Monate nach dem
Markteintritt beschäftigt Sponsorpay
bereits 30 Mitarbeiter und ist mit seiner
Bezahlvariante in 14 Ländern vertreten.
www.sponsorpay.com

Vorlaufzeit: vier Monate

Rechtsform: GmbH

Startkapital: mehrere Millionen Euro

Helfer: Investor Team Europe Ventures

Internetwäscherei

Harald Hohoff und Monika Stein gründeten
im Dezember 2008 Cleenbox,
einen
Wäscheservice, bei dem der Holund-
Bring-Dienst über das Internet koordiniert
wird. Der Kunde kann dabei
die Zeit frei wählen, wann der Kurier
bei ihm auftauchen soll. Oder er nutzt
eine der DHL-Packstationen. Der Versand
erfolgt
in speziellen, verschließbaren
Boxen. Bezahlt wird per Waschmarke,
ebenfalls im Web erhältlich.
„Das Zusammenspiel von Wäscherei
und IT war unsere größte Hausforderung“,
so Stein. Derzeit zählt er schon
mehr als 1000 Kunden. Firmenaufträge
sollen für die weitere Expansion sorgen.
www.cleenbox.de

Vorlaufzeit: zwei Jahre

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 25 000 Euro

Helfer: DHL hat von Beginn an das Projekt
unterstützt

Die Alleswisser

Wie heißt der Hund von Barack Obama?
Wie kocht man Eierstich? Auf jede Frage
geben die Experten der Berliner Firma
SMS Guru seit Mai 2008 eine Antwort.
Einfach eine kostenpflichtige SMS per
Handy abschicken, die Auskunft kommt
„möglichst innerhalb von fünf Minuten“,
sagt Gründer Christian Vennemann.
Sein Kompagnon Frederik Fleck brachte
die Geschäftsidee aus London mit. „Täglich
erhalten wir einige Tausend Kurznachrichten“,
so Vennemann. Kooperationen
wie mit dem Musiksender Viva
pushen den Dienst. Die Antworten liefern
Experten
(„Gurus“): Akademiker,
Rentner, Hausfrauen, die via Webplattform
vernetzt sind. www.smsguru.de

Vorlaufzeit: fünf Monate

Rechtsform: GmbH

Startkapital: geschätzt 200 000 Euro

Helfer: die Investoren Wellington Partners
und Kreativwirtschaft Berlin

Mehr Durchblick

Im Sommer 2007 war das Ziel erreicht:
der erste Job, das erste Gehalt. Am Monatsende
kam dann der Schock: „Wir
hatten zwar gut verdient, trotzdem war
das Konto leer“, erzählt Christopher
Cederskog. Gemeinsam mit seinem
Studienkollegen
Philipp Erler wollte er
für mehr Transparenz bei den Finanzen
sorgen, nutzte Excel-Tabellen, Onlinebanking.
„Trotzdem wussten wir nicht
so genau, wohin unser Geld verschwand“,
so der Münchner. Die Geschäftsidee
zu Kontoblick war geboren:
eine internetbasierte Finanzverwaltung,
über die jeder seine Einnahmen
und Ausgaben im Blick haben kann. Sogar
das Girokonto ist am System angeschlossen.
Rund 10 000 Nutzer sind registriert,
mehr als 1800 Banken
angebunden. Die Anwendung ist noch
gratis, soll aber demnächst um kostenpflichtige
Premium-angebote erweitert
werden. www.kontoblick.de

Vorlaufzeit: ein Jahr

Rechtsform: GmbH

Startkapital: mehr als 500 000 Euro

Helfer: ehemalige Kollegen bei der Bank

Kreativer Tapetenwechsel

Nach acht Jahren im Außendienst eines
Pharmaunternehmens verwirklichte
Dagmar Faltenbacher im August 2008
ihren Traum: Sie machte sich als Raumgestalterin
selbstständig. „Neben meinem
BWL-Studium habe ich auch einige
Semester Architektur belegt, das kam
mir nun zugute“, sagt die Gründerin von
Wohn-Fühl. Ihre Kunden wollen zwar
das Interieur ihrer Wohnungen oder
Büros
verändern, haben aber entweder
„keine Ideen, keine Zeit oder wissen
nicht, welche Handwerker sie beauftragen
sollten“, so die 40-Jährige. Faltenbacher
besichtigt die Räume, bespricht
mögliche Änderungen und stellt anschließend
eine To-do-Liste auf. 150
Euro aufwärts kostet dieser erste Termin.
„Auf Wunsch organisiere ich auch
die Umbauten, erteile Aufträge, kümmere
mich um neue Möbel und Accessoires.“
50 000 Euro Umsatz plant sie
für 2009 ein. www.wohn-fuehl.de

Vorlaufzeit: sechs Monate

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: 5000 Euro

Helfer: Gründungsagentur Exina

Produktion

Bioleckerli für Papageien

Wer bei Marita Grabowski einkauft, sollte
sich Zeit lassen. In den Regalen ihres
kleinen Ladens stehen rund 150 Schälchen
mit Keksen, je nach Saison etwa
mit Erdbeeren oder Hokaidokürbis verfeinert.
Alle Zutaten sind aus ökologischem
Anbau. Die 25-Jährige steht
seit nunmehr zwei Jahren jede Woche
mehrere Stunden am Backofen — und
hat dabei ausschließlich das Wohl von
Papageien und Sittichen im Blick. Was als kleiner Service für Vogelbesitzer im
Familien- und Bekanntenkreis begann,
fand wenig später als Internetshop seine
Fortsetzung. Dann entdeckte die Gründerin
ein passendes Ladenlokal. Ihr Erfolg:
Die Papageienbäckerei verschickt
Tierleckereien in ganz Europa und peilt
dieses Jahr 70 000 Euro Umsatz an.
www.papageien-baeckerei.de

Vorlaufzeit: neun Monate

Rechtsform: Einzelunternehmen

Startkapital: 1000 Euro

Helfer: die Mutter, die in der heißen Startphase
sonntags ihre Küche räumen musste

Hitzeschild rund ums Hochhaus

Nach elf Jahren im Job zog der Architekt
Philipp Dreher die Reißleine, promovierte
an der TU München und entwickelte
seine Geschäftsidee weiter. Das Ergebnis:
ein Sonnenschutz für Hochhäuser,
der in das Isolierglas integriert wird.
„Damit lassen sich die Kosten für Klimaanlagen
in den Büros um ein Drittel reduzieren“,
sagt der 41-Jährige. Im Frühjahr
2010 will seine Firma Tecshade
erstmals 350 Quadratmeter Fassade an
einem Münchner Hochhaus ausrüsten.
Das Pilotprojekt soll Bauherren in aller
Welt überzeugen. www.tecshade.de

Vorlaufzeit: vier Jahre

Rechtsform: GmbH in Gründung

Startkapital: 100 000 Euro

Helfer: Gründerinitiative Unternehmertum

Sonnenlicht bei Nacht

Dass Ralf Mades (u. l.) seine Firma Luxsoli ausgerechnet im deutschen
Solar-Valley in Gera gründete, ist kein Zufall. Gemeinsam mit seinem
Co-Geschäftsführer Prasad Gangavkar (u. r.) entwickelte der 49-Jährige
Straßenleuchten, die sowohl über das Stromnetz als auch per
Solarenergie
betrieben werden. Mit den intelligent gesteuerten Lampen
lassen sich mehr als 50 Prozent der Energiekosten sparen. Aktuell
installieren
die Gründer in Düsseldorf einen Radweg mit „begleitendem
Licht“: Bei Bewegung schalten sich die Lampen vor dem Radler
ein, während es hinter ihm wieder dunkel wird. www.luxsoli.com

Vorlaufzeit: drei Jahre

Rechtsform: GmbH

Startkapital: eine Million Euro

Helfer: Merle Fuchs, Technologiecontor in Gera

Heiße Flügel

Bequemer kann man
nicht in die Selbstständigkeit
starten: Während
Holger Orawetz, Matti
Reppe und Christian
Kohser am Dresdner
Leibniz-Institut noch entwickelten
und tüftelten,
wartete der erste Kunde
bereits ungeduldig auf
das fertige Produkt: innovative
Materialien, die
zum Beispiel im Flugzeugbau
eingesetzt werden.
Sie machen während der
Produktion das Aushärten in einem
Ofen überflüssig. Auf Flugzeugflügeln
angebracht, ermöglichen sie sogar das
Enteisen bei Minusgraden. Die Innovation
spart Zeit, Gewicht, Energie und
Kosten. Das Gründerteam hat sich seine
Erfindung patentieren lassen und
plant für 2009 rund 500 000 Euro Umsatz.
Im nächsten Jahr benötigt die Firma
Qpoint Composite eine Kapitalspritze
von knapp 700 000 Euro – „für
eine eigene Fertigungshalle, Maschinen
und zusätzliche Mitarbeiter“, so Kohser.
www.qpoint-composite.de

Vorlaufzeit: ein Jahr

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 25 000 Euro

Helfer: Leibniz-Institut für Polymerforschung
in Dresden