Gründung Gründungen scheitern nicht am Team, sondern im Team!

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Nach dem Start kommt in vielen Teams die Ernüchterung

Nach dem Start kommt in vielen Teams die Ernüchterung© Rudie - Fotolia.com

Am Anfang herrscht in jedem Gründerteam Euphorie. Doch ist das "Chaka-Gefühl" erstmal verflogen, zeigt sich, wie viel Bestand ein Team wirklich hat. Ein Start-up ist wie eine Ehe, schreibt impulse-Blogger Thorsten Lambertus. Wer sich vorschnell an die falschen Partner bindet, erlebt sein blaues Wunder - vor allem, wenn es ums Geld geht.

Investoren investieren nicht in Ideen oder Produkte, sondern in Teams. Lieber ein gutes Team auf einer schwachen Idee, als als ein schwaches Team auf einer guten Idee. Komplementarität der Fähigkeiten spielt eine entscheidende Rolle. Geht es nach Hansi Hansmann, dem wohl prominentesten Business Angel in Österreich, sollte ein gutes Start-up Team einen Entrepreneur, einen Techniker und einen Finanzler haben.

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine. Zu Recht – das Team ist tatsächlich einer der kritischsten Faktoren jeder Gründung. Ein wesentlicher Aspekt geht dabei aber oftmals unter. Wie formulierte es doch ein guter Freund und Kollege von mir neulich treffend (schönen Gruß an Thommy Funke): „Gründungen scheitern nicht am Team, sondern im Team!“

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Heißt: Neben all den objektiven Aspekten, ob ein Team von der Expertise zum Produkt sowie komplementär zueinander passt, spielen meiner Erfahrung nach die „weichen“, zwischenmenschlichen Aspekte bei Teams eine mindestens genauso große Rolle. Nur wird das in den tausenden Lehrbüchern, Uni-Kursen oder Internet-Artikeln selten thematisiert. Deshalb muss man es dann am eigenen Leibe erfahren.

Ein Beispiel: Gründungsvorhaben „App zur Terminvereinbarung“. Drei Wirtschaftler, ein Programmierer. Zugegeben, die Konstellation ist bereits theoretisch Blödsinn. Egal, nach jahrelangem Studium und Arbeit als Instituts-Assistenten weiß man ja trotzdem wie es geht. Es wird fleißig konzipiert und programmiert. Alles nach Lehrbuch. Scheinbar. Drei Wirtschaftler bedeuten bereits drei, gefühlt aber mindestens vier Interpretationen der Lehrbücher. Die ersten Meinungsverschiedenheiten werden noch auf sachlicher Ebene ausgetragen.

Schnell wird aber klar: Hinter den vielen Detaildiskussionen verbergen sich viel größere Differenzen. In diesem Falle grundsätzlich verschiedene Auffassungen, wie man erfolgreich eine Idee marktfähig macht. Menschlich schätzt man sich noch, aber zusammen arbeiten – das wird zu einem inhaltlichen Gezerre des Projekts von links nach rechts und wieder zurück. Nach vorne geht nicht viel. Und das merkt der Programmierer am stärksten. Der kommt mit rechts-links-Programmierung natürlich nicht klar. Folge: Der Ton im Team wird rauer, der Frust größer, der Vorwurf „passiver Aggressivität“ steht im Raum. Am Ende überredet einer der Wirtschaftler den Programmierer zu einem neuen Projekt. Ein fast marktreifes Produkt erblickt niemals das Licht der Welt.

Beim Geld hört die Gründungs-Freundschaft auf

Besonders brisant wird es aber erst, wenn wirklich große Summen auf dem Spiel stehen. Dann erinnert das Verhalten vieler Menschen wieder an unsere Vorfahren oder tierische Verwandten. Erst vor kurzem wurde ein mir persönlich gut bekannter Gründer und Geschäftsführer in Österreich unmoralisch seines Postens entbunden. Das einst verschworene Gründerteam ließ sich von einem der Investoren mit einfachsten Mitteln auseinander dividieren und stellte sich am Ende gegen ihr einstiges Mitglied. Ein trickreicher Vertrag lässt den jungen Mann sogar trotz siebenstelliger Bewertung nur mit ein paar mickrigen Euro aussteigen. Mal abgesehen von dem beschämenden Vorgehen des Investors, spielen aber auch hier die zwischenmenschlichen Faktoren wieder einmal die entscheidende Rolle.

Motivationen und Ziele (Geld machen; in der Zeitung stehen; Träume verwirklichen), Arbeitsstile (detailverliebt planen vs. einfach mal machen; modern ist online vs. offline ist es immer noch am schönsten), moralische Vorstellungen (Studierende als persönlicher Sklave; geistiges Eigentum – wo kein Richter, da kein Henker; wie viel dick auftragen verträgt ein Verkaufsgespräch) – hier gab es in meinen bis dato drei Gründungs-Projekten oftmals teilweise erhebliche Differenzen.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Die anfängliche Euphorie ist wie bei Ehen meist nicht von langer Dauer. Die Beziehung funktioniert nur dann, wenn man stetig an ihr arbeitet, offen und ehrlich miteinander umgeht und eventuell auch einen Ehevertrag im Hintergrund hat, der im Falle des Scheiterns eine Schlammschacht weitestgehend vermeidet. “Wearing the same shirts doesn’t make a team!” Liebe Gründerteams, bitte spart Euch das Geld für die gebrandeten T-Shirts und steckt das Geld in wichtige Dinge.

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1 Kommentar
  • Von Impulse 23. Januar 2014 21:42

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