Business-Knigge für Dänemark Tipps für deutsch-dänische Geschäftsbeziehungen

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Sie wollen in Dänemark Geschäfte machen? Dann sollten Sie Sie den Business-Knigge lesen, um nicht in unangenehme Fettnäpfchen zu treten.

Sie wollen in Dänemark Geschäfte machen? Dann sollten Sie Sie den Business-Knigge lesen, um nicht in unangenehme Fettnäpfchen zu treten.© News Oresund / Flickr / Lizenz: CC BY 2.0

Die Dänen erscheinen uns sehr ähnlich - und gerade deshalb treten viele Deutsche ins Fettnäpfchen, wenn sie versuchen, mit dem skandinavischen Nachbarn Geschäfte zu machen. Wer sich jedoch der kulturellen Unterschiede bewusst wird, kann leicht Pluspunkte erzielen. Impulse.de hat die zehn wichtigsten Tipps gesammelt.

Der Worst-Case für das erste Gespräch mit einem potentiellen dänischen Geschäftspartner sieht ungefähr so aus: Sie fahren im neuen Mercedes vor, tragen Anzug und Krawatte, reagieren auf das freundliche „Du“ des Dänen mit einem förmlichen „Sie“ und verlangen, dass sofort die Tagesordnung abgearbeitet wird. Ohne dass eine einzige Zahl, ein einziges gemeinsames Ziel zur Sprache kam, wäre schon an diesem Punkt die Geschäftsbeziehung gefährdet.

Dabei ist es so einfach, eine gute Basis für eine erfolgreiche Partnerschaft mit dem Nachbarn im Norden zu schaffen. Wir haben einen Experten für deutsch-dänische Geschäftskultur und einen deutschen Unternehmer, der in Dänemark eine Firma führt, gefragt, wie Sie mit den Dänen erfolgreich Geschäfte machen und Fettnäpfchen vermeiden können.

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Tipps zum Business-Knigge für Dänemark:

1. Wenn ein Däne Sie duzt, duzen Sie zurück. Das ist seine gewohnte Anrede und hat nichts damit zu tun, welche Beziehung Sie zueinander haben

In Dänemark sagt man normalerweise ‚du‘ zueinander. „Es gibt zwar auch noch eine förmliche Anrede, die wird aber praktisch nur für die Königsfamilie verwendet, so förmlich ist sie“, sagt Clemens Boldt, Berater für deutsch-dänische Geschäftskultur. Die meisten Dänen sprechen recht gut Deutsch und wissen, wie wir das ‚Sie‘ verwenden. „Meistens duzen sie aber trotzdem, weil es ihre Gewohnheit ist“, sagt Boldt. „Wer dann mit einem ‚Sie‘ reagiert, schafft eine unnötig große Distanz.“

2. Verzichten Sie auf Ihren akademischen Titel. Für Dänen ist er kein Bestandteil des Namens

„Da in Deutschland ein Doktor-Titel Teil des Namens ist, ist dieser bei mir im Reisepass aufgeführt“, erzählt der deutsche Unternehmer Dieter Elsser-Gravesen, der in Dänemark ein Unternehmen gegründet hat. „Die Dänen können damit gar nichts anfangen, oft denken sie, das ‚Dr.‘ sei eine Abkürzung für meinen Vornamen.“

3. Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel. Wer mit dem Dienstwagen vorfährt, erweckt den Eindruck, nicht mit Geld umgehen zu können

„Autos sind in Dänemark ein Luxus und gerade auf den Inseln wissen die Dänen außerdem, wie teuer die Fährfahrt mit dem eigenen PKW ist“, sagt Berater Clemens Boldt. „Die Einheimischen vermeiden das möglichst und auch einem ausländischen Geschäftspartner würden sie es immer raten. Wer dennoch mit dem eigenen Dienstwagen vorfährt, hat in ihren Augen Geld verschenkt und ist somit kein wirtschaftlich kluger Mensch – das ist keine gute Basis für eine Geschäftsbeziehung.“ Auch das Angeben mit einem besonders tollen Auto kommt in Dänemark nicht gut an. „Damit sammeln Sie eher Minuspunkte, die Dänen mögen keine Angeber“, sagt Boldt.

4. Nehmen Sie sich Zeit für ein lockeres Gespräch, bevor Sie zur Tagesordnung kommen. Dänen wollen zuerst den Menschen kennen lernen, dann erst geht es ums Geschäft

„Typischerweise kommt der Deutsche zum Geschäftstermin und will sofort strukturiert über die wichtigen Punkte sprechen“, sagt Clemens Boldt. „doch der Däne braucht eine Warmlaufphase.“ Immer wieder erlebe er, dass Deutsche dann unruhig werden. „Neulich habe ich bei einer Veranstaltung bemerkt, dass ein deutscher Unternehmer immer wieder genervt und demonstrativ auf die Uhr sah“, erzählt Boldt, „nach dem Motto: ‚Däne, nun mach mal hin‘. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass er genau wie ich Gast bei dieser Veranstaltung war und sich doch bitte auch so verhalten möge. Da war er ganz erstaunt.“

5. Bescheidenheit ist ein Teil der dänischen Kultur. Verwechseln Sie das auf keinen Fall mit Unterwürfigkeit

„Arroganz und Zurschaustellung ist in Dänemark verpönt“, sagt der Berater Boldt, „wer es zu etwas gebracht hat, zeigt es nicht automatisch nach außen.“ Das beim Gegenüber richtig einzuordnen sei genauso wichtig, wie selbst entsprechend zurückhaltend zu sein.

6. Die Dänen haben einen bissigen Humor und sticheln gerne. Lachen Sie mit, es ist nicht böse gemeint!

„Wenn Deutsche sich dem Klischee entsprechend verhalten, dann fällt schon mal die Bemerkung ‚Ordnung muss sein‘ oder die Bezeichnung ‚Pølsertysker‘, das heißt Wurstdeutscher“, sagt der deutsche Unternehmer Elsser-Gravesen. „Das ist aber nicht so ernst gemeint, da sollte man sich als Deutscher nicht angegriffen fühlen.“

7. Ziehen Sie sich nicht zu förmlich an. Wenn Sie unsicher sind, nehmen Sie ein Jackett mit, das Sie im Fall der Fälle aber einfach auf der Stuhllehne liegen lassen

„Die Krawatte kommt nur sehr selten zum Einsatz“, sagt der deutsche Unternehmer Elsser-Gravessen. Oft seien Deutsche darüber verwundert, wenn dänische Geschäftspartner in Jeans und weißem Hemd zum Termin kämen, während die deutsche Delegation im Anzug aufläuft, so Berater Clemens Boldt: „Der Däne wiederum belächelt den überordentlich gekleideten Deutschen, denn das passt so herrlich ins Klischee. Wenn man Pech hat, hat man dann durch den Anzug schon den ersten Minuspunkt eingefahren.“ Anders sieht es dagegen bei privaten Feiern aus: Da machen sich die Dänen gerne schick.

8. Vermeiden Sie es, sich als Vertreter eines großen Landes zu präsentieren. Dänemark ist zwar klein, aber stolz – begegnen Sie Ihrem Geschäftspartner also auf Augenhöhe

„Die Dänen haben ein ganz anderes Grundverständnis für Nationalstolz“, sagt Clemens Boldt, „da sollte sich der Deutsche auch mal zurücknehmen.“ Wenn Sie so richtig Pluspunkte sammeln möchten, lernen Sie ein paar Worte Dänisch – und wenn es nur ein freundliches „Hej“ zur Begrüßung oder die Schlussformel „Med venlig hilsen“ (Mit freundlichen Grüßen) ist. „Alleine das Interesse an der Sprache bringt Ihnen schon Sympathien ein“, sagt Boldt.

9. Wenn Sie in Jütland sind, schwärmen Sie lieber nicht von Kopenhagen – und umgekehrt

„Die Ansicht der Kopenhagener ist, dass alle außerhalb von Kopenhagen nur Bauern sind, dabei sitzen in Jütland immerhin 75 Prozent der weltweit erfolgreichen Unternehmen“, sagt Berater Clemens Boldt. „Die Jütländer wiederum sind der Meinung, dass die Kopenhagener die Nase ganz weit oben hätten – da sollte man ein bisschen vorsichtig sein.“

10. Wenn Sie sich bei einer Firmenfeier von dänischen Flaggen in Form von Torten, Servietten, Girlanden und Ähnlichem umringt sehen – nicht wundern, das ist völlig normal

„Viele Deutsche schauen dann erst einmal dumm und fragen, ob die Königin Geburtstag hat“, sagt Boldt, „es ist aber die ganz normale Dekoration. In Deutschland wäre das undenkbar, aber die Dänen haben eben einen ganz anderen Nationalstolz und lieben ihre Flagge.“ Der Geburtstag der Königin ist übrigens am 16. April. „Den kann man sich ruhig mal merken“, rät Boldt, „immerhin ist Königin Margarethe in Dänemark enorm populär.“

Tipp für ein Geschäftsessen in Kopenhagen: Das Restaurant Cassiopeia

„Etwa zehn Minuten vom Kopenhagener Bahnhof entfernt liegt in der Sternwarte das Restaurant Cassiopeia“, sagt Clemens Boldt, „dort gibt es sehr gute klassische und moderne dänische Küche.“ Touristen würden sich nur selten ins Cassiopeia verirren, sagt Boldt, als Treffpunkt für Geschäftsessen sei es dagegen beliebt. „Das Personal weiß das und ist entsprechend zurückhaltend“, so Boldt, „man kann dort ganz in Ruhe miteinander sprechen.“ Preislich sei das Restaurant auch zu empfehlen: „In Dänemark ist Essen gehen nicht unbedingt ein Schnäppchen“, so Boldt, „aber für Kopenhagener Verhältnisse ist das Cassiopeia auf einem guten Kurs, immer noch.“

Unsere Gesprächspartner:

Dieter Elsser-Gravesen  war jahrelang bei einem dänischen Konzern angestellt. Dann gründete er vor vier Jahren sein eigenes Unternehmen in Dänemark, die Isi Food Protection ApS in Aarhus, die Europäische Lebensmittelhersteller in Fragen zur Lebensmittelsicherheit und Haltbarkeit unterstützt. Dort ist er der einzige Deutsche. Außer ihm arbeiten acht Dänen und ein Chinese in dem kleinen Unternehmen. „Damals sagten viele: ‚Das klappt nicht, als Deutscher in Dänemark gründen'“, sagt Elsser-Gravesen, „doch es geht hervorragend, man muss sich nur auf die Dänen einlassen.“

Clemens Boldt  berät deutsche und dänische Unternehmer zu kulturellen Unterschieden und vertreibt in Deutschland das Buch Deutsch-dänische Geschäftskultur. Ein praxisorientierter Zugang (Doris Rehrmann-Jørgensen, Marie-Luise von der Banck / erschienen im Reba-Verlag). Kontakt via Xing

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