Gründung Startup-Know-how Teil 1: Welche Voraussetzungen muss ein Gründer mitbringen?

Der Erfolg einer Gründung hängt stark vom Gründer selbst ab. Wie wichtig die persönlichen Eigenschaften des Gründers sind, welchen Stellenwert fachliches Know-how hat und was Gründer immer wieder unterschätzen, erklärt Gründerlotse Oliver Henschel im impulse.de-Interview. Er hat zahlreiche Startups beraten, kennt die Fallstricke und weiß, worauf es in der Startphase ankommt.

impulse: Welche persönlichen Voraussetzungen sollte ich als Gründer mitbringen?

Oliver Henschel: Durchhaltevermögen ist etwas, das Gründer mitbringen sollten. Sehr wichtig sind auch Flexibilität und ein Umfeld, das das Ganze unterstützt. Bevor man gründet, sollte man ganz genau in die Augen seines Partners schauen und auch wirklich hinterfragen, ob der Partner und die Familie da mitmachen.

Anzeige

impulse: Wie wichtig sind fachliche Qualifikationen?

Henschel: Es ist klar, dass ich unternehmerisches Wissen brauche: Welche buchhalterische Pflichten habe ich? Wie kalkuliere ich? Welche Steuern muss ich bezahlen? Welche wirtschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen habe ich zu beachten? Wie kann ich einen Vertrag schließen? Wie reagiere ich, wenn Kunden nicht bezahlen?

Dieses Wissen kann man sich natürlich einkaufen, indem man Rechtsanwälte, Unternehmensberater und Steuerberater engagiert. Das Wichtigste ist aber, dass der Gründer zumindest selbst weiß, was da getan wird. Was gar nicht geht, ist die Schuhkarton-Buchhaltung: Ich packe alles in einen Schuhkarton und am Monatsende bringe ich ihn zum Steuerberater und er wird irgendwas daraus machen. Das bringt nichts, weil der Gründer sehr schnell den Überblick verliert, aber im Zweifel für alles haftbar ist.

Der andere Punkt, der sehr wichtig ist und oftmals unterschätzt wird, sind Vertriebsfähigkeiten. Wie kann ich mein Produkt, meine Geschäftsidee, meine Leistung vertreiben? Marketing-Know-how beziehungsweise Akquise-Know-how ist das, was Unternehmer auf jeden Fall mitbringen sollten.

impulse: Welche Empfehlung geben Sie Gründern, die noch am Anfang stehen?

Henschel: Ich empfehle Gründern immer, sehr früh mit sehr vielen Menschen über die Idee zu sprechen, um auf diese Weise ein bisschen Marktanalyse zu betreiben und zu sehen, ob überhaupt Interesse an der Geschäftsidee besteht. Insofern ist es wichtig, mit „fremden“ Menschen zu reden. Damit sollten Gründer sehr früh beginnen und das Feedback gleich in ihr strategisches Konzept miteinfließen lassen.

Der Familie und dem Arbeitgeber gegenüber würde ich mein Gründungsvorhaben erst dann kommunizieren, wenn ich einen handfesten Plan habe. Ich lerne sehr viele Gründer kennen, die in der Phase des Businessplans wieder aufhören, weil sie feststellen, dass es sich einfach nicht lohnt oder die Geschäftsidee noch nicht ausgereift ist. Dann wäre es sehr schade, wenn der Arbeitgeber davon schon wüsste.

Aber mit „fremden“ Leuten, Freunden und Bekannten sollten Gründer schon sehr früh über ihr Vorhaben sprechen. Man muss seinen Freunden und Bekannten natürlich nicht sofort den gesamten Businessplan zeigen, aber zumindest die Geschäftsidee, um vielleicht den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag zu erhalten.

Gründer neigen manchmal dazu, sich zu Hause einzusperren und alles für sich alleine zu tun. Dann haben sie zwar einen hervorragenden Businessplan geschrieben, aber wenn das Produkt oder die Geschäftsidee marktfähig wird, merken sie plötzlich, dass es nicht so klappt, wie sie sich das dachten. Dann hätte es sich oft gelohnt, wenn sie vorher Rücksprache gehalten hätten.

impulse: Welche Aspekte werden in der Gründungsphase Ihrer Erfahrung nach häufig unterschätzt?

Henschel: Am häufigsten taucht folgende Situation auf: Der Gründer kommt zu uns und möchte Unterstützung bei der Businessplanung und bei der Finanzierung haben. Oftmals sagen Klienten, sie wissen schon, was im Textteil eines Businessplans stehen soll. Aber den Zahlenteil, den bekommen sie nicht hin.

Was sie aber immer wieder unterschätzen ist der Bereich Marketing und Vertrieb. Ich wiederhole es immer wieder und sage es in jedem Seminar: „Bitte achten Sie darauf, dass Sie ein praktisches Marketingkonzept haben, dass Sie genau wissen, wie Sie Kunden akquirieren möchten – kein Mensch wartet auf Sie.“

Das ist etwas, das Gründer absolut unterschätzen. Sie starten mit ihrer Geschäftsidee, sind sehr motiviert und dann merken sie, dass in den ersten Wochen gar nichts passiert. Dann kommt schnell Frust auf. Deswegen ist Akquise eines der Themen Nummer eins. Ich muss mir vorher überlegen, wie ich Kunden gewinnen möchte und welche Möglichkeiten ich habe.

Man darf nicht vergessen: Ein Gründer hat nicht das Geld, um riesen Werbung zu schalten. Er muss sich mehr Gedanken um Marketing und Vertrieb machen als große Unternehmen, die viel höhere Etats haben. Gründer müssen cleveres Marketing betreiben.

impulse: Was verstehen Sie unter „cleverem“ Marketing?

Henschel: Diese klassischen Anzeigen, diese klassischen Imagekampagnen, um eine Marke bekannt zu machen, sind für Gründer nicht gut geeignet. Gründer sollten sich sehr konkret Zielkunden überlegen. Das heißt, sie sollten sehr genau wissen, wer ihr Zielkunde ist – nicht die Zielgruppe, sondern der Zielkunde – und versuchen, diesen Zielkunden zu erreichen.

Umso genauer ich formuliere, wer mein Zielkunde ist, desto genauer kann ich Werbung machen. Es gibt viele Möglichkeiten: Ich kann zum Beispiel im Internet über Suchmaschinen oder die sozialen Netzwerke meinen Zielkunden viel direkter ansprechen und ein ganz konkretes Angebot unterbreiten.

Beim Thema Akquise gibt es oftmals Tools wie Telefonmarketing, die Gründer abschrecken. Gründer haben Angst vor dem Telefonieren – wie übrigens viele Menschen – und trotzdem müssen sie sich im Geschäftsbereich sechs Stunden hinsetzen können und potenzielle Zielkunden abtelefonieren. Das ist harte Arbeit, die sich zum Schluss aber auch lohnt.

impulse: Was ist das Wichtigste beim Gründen?

Henschel: Das Wichtigste beim Gründen, die wichtigste Eigenschaft, die ein Gründer mitbringen sollte, ist Spaß an dem, was er tut. Wer schon einmal gegründet hat weiß, dass es trotz vieler schlafloser Nächte auf Dauer Spaß macht. Deswegen kann ich jedem, der Spaß am Job hat, nur empfehlen zu gründen. Dann kann er unabhängig von anderen agieren und seine Träume verwirklichen.

 

Unterm Strich Gründer brauchen Durchhaltevermögen, sollten flexibel auf Probleme reagieren können und Spaß an ihrer Arbeit haben. Berater Oliver Henschel empfiehlt, sich rechtzeitig Feedback einzuholen und betont die Bedeutung eines praktischen Marketingkonzeptes.

 

Oliver-Henschel_Gruenderlotse

Oliver Henschel ist Geschäftsführer der Beratung „Die Gründerlotsen“. Er begleitet Gründer Schritt für Schritt von der Idee über die Konzeptentwicklung bis hin zur Finanzierung und dem Aufbau des Unternehmens.

„Entstanden ist die Idee aus meiner eigenen Selbstständigkeit – jetzt helfe ich anderen Leuten, die Fehler, die ich gemacht habe, nicht mehr zu machen.“

Als Gründer kleinerer und mittlerer Unternehmen ist Oliver Henschel auch Lehrbeauftragter an verschiedenen Akademien und Hochschulen sowie Fachbuchautor beim Beuth Verlag.

Nächste Woche sehen Sie im zweiten Teil unserer Startup-Serie: Was macht eine erfolgreiche Geschäftsidee aus?

(Anmerkung: Die Videos der Serie wurden via Skype aufgenommen und können sich je nach Bandbreite in der Qualität unterscheiden.)

1 Kommentar
  • Angelika 22. Juli 2013 16:51

    Hallo, ich finde hier wurden sehr gute Punkte aufgezählt und sehr gut geschildert! Am schönsten finde ich den Satz zum Thema Marketing: „kein Mensch wartet auf Sie“. Ich glaube das ist tatsächlich eine sehr wichtige Aussage. Und ich bin auch der Meinung, dass viele Neugründer diesen Punkt vergessen, da sie von ihrer Idee so begeistert sind (was sie ja auch sein dürfen). Durch Recherche für einen Freund, der gerade genau in der Planungsphase zur Selbstständigkeit ist, bin ich auch auf dieses Angebot gestoßen, das sich auch auf Marketing für StartUps spezialisiert hat. natürlich muss das nötige Kleingeld dazu auch vorhanden sein…

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...