Krankenversicherung Beitragsexplosion: Was Privatversicherte jetzt tun können

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Ein  Wechsel von der private Krankenversicherung in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur in bestimmten Fällen möglich.

Ein Wechsel von der private Krankenversicherung in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur in bestimmten Fällen möglich.© weyo - Fotolia.com

Was können Unternehmer und Selbstständige tun, wenn ab Januar die Beiträge für die private Krankenversicherung steigen? Welche Fristen gelten? Und wann ist ein Wechsel in eine gesetzliche Kasse möglich?

Viele Unternehmer und Selbstständige sind privat krankenversichert. Doch immer mehr ächzen unter der Höhe der Krankenversicherungsbeiträge. Tausende müssen Jahr für Jahr teils deutlich mehr bezahlen.

Erst 2015 erhöhten die DKV Deutsche Krankenversicherung, Allianz und Deutscher Ring ihre Beiträge um mehr als zehn Prozent. 2016 zahlten Versicherte der DKV eine erneute Beitragssteigerung von im Schnitt 7,8 Prozent.

Nun steht eine weitere große Tariferhöhung bevor: Zum 1. Januar 2017 sollen die Beiträge im Schnitt zwischen elf und zwölf Prozent angehoben werden. Gut zwei Drittel der insgesamt neun Millionen Privatversicherten in Deutschland werden von dieser Erhöhung betroffen sein. Im November werden die Tarifmitteilungen an die Kunden verschickt.

Kann man die private Krankenversicherung kündigen?

Wer in den kommenden Wochen eine Beitragserhöhung von seiner privaten Krankenkasse erhält, kann den Vertrag kündigen. „Die Kündigung ist innerhalb von zwei Monaten nach Erhalt der Beitragserhöhung möglich“, erklärt Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Wer also am 4. November 2016 ein entsprechendes Schreiben erhält, kann bis zum 3. Januar 2017 den Vertrag auflösen. Die Kündigung gilt zu dem Zeitpunkt, zu dem die Beitragserhöhung wirken soll – also etwa zum 1. Januar 2017.

Wichtig zu beachten: Der Versicherte muss innerhalb von zwei Monaten nach seiner Kündigungserklärung einen Nachweis erbringen, dass er eine neue Krankenversicherung abgeschlossen hat. „Denn in Deutschland besteht eine allgemeine Krankenversicherungspflicht“, erklärt Schaarschmidt. Andernfalls ist die Kündigung nicht wirksam.

Wie kann man die Kosten für die private Krankenversicherung senken?

Vorsicht: Wer den Vertrag kündigt und sich einen anderen Anbieter sucht, muss meist mit einer erneuten Gesundheitsprüfung, sowie wegfallenden Altersrückstellungen rechnen. Deshalb ist es oft sinnvoller: Einen anderen Tarif beim gleichen Versicherer zu wählen, Leistungen einzuschränken oder etwa die Selbstbeteiligung zu erhöhen.

Was es hierbei zu beachten gibt: Privat Krankenversicherte können in der Regel in einen günstigeren Tarif wechseln. Das ist beispielsweise möglich, indem sie die Selbstbeteiligung erhöhen oder auf bestimmte Leistungen verzichten. „Wer innerhalb der Krankenkasse wechselt, muss sich in der Regel nicht erneut den Gesundheitsfragen stellen“, erklärt der Verbraucherschützer. Eine Ausnahme: „Beansprucht ein Versicherter bessere Leistungen, muss er unter Umständen mit Nachfragen rechnen.“

Hilfebedürftige Personen, die etwa Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Grundsicherung beantragt haben, können ihrem Versicherer mitteilen, dass sie in den Basistarif wechseln wollen. „Der Beitrag reduziert sich dadurch um die Hälfte“, erklärt Schaarschmidt. Die andere Hälfte oder gegebenenfalls auch mehr übernimmt die Sozialbehörde. Nicht immer akzeptieren die Versicherer die Umstufung rückwirkend. Versicherte sollten schnell handeln. Die Prämien müssen sie weiter zahlen, bis der Antrag beim Versicherer eingegangen ist. Der Basistarif ist aber häufig teurer als der Standardtarif bei vergleichbaren Leistungen. „Ohne Not sollte man deshalb nicht in den Basistarif wechseln“, rät Schaarschmidt.

Ist ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung möglich?

Wer in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln will, hat es schwer. Lediglich in diesen Fällen ist ein Wechsel ins gesetzliche System möglich:

Fall 1: Wieder Arbeitnehmer werden. 
Wird ein Selbstständiger oder Unternehmer sozialversicherungspflichtig angestellt, ist ein Wechsel in die GKV möglich – allerdings nur, wenn der Versicherte nicht älter als 55 Jahre ist. Zudem darf der Bruttoverdienst 2016 im neuen Job 56.250 Euro nicht übersteigen.

Fall 2: In Teilzeit jobben. 
Alternativ können Versicherte unter 55 ihre Selbstständigkeit beziehungsweise Unternehmertätigkeit reduzieren und einen versicherungspflichtigen Teilzeitjob annehmen. Mindestens die Hälfte der Arbeitszeit muss jedoch auf die unselbstständige Beschäftigung entfallen. Laut dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen kann man bei Arbeitnehmern, die über 20 Stunden arbeiten und deren Arbeitsentgelt mehr als die Hälfte der monatlichen „Bezugsgröße“ (2016: 1452,50 Euro in den alten, 1260 Euro in den neuen Bundesländern) ausmacht, davon ausgehen, dass für eine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit „kein Raum mehr bleibt“.

Fall 3: Die Familienversicherung in Anspruch nehmen. 
Verheiratete Selbstständige jedweden Alters können über ihren Ehepartner zurück in die gesetzliche Krankenversicherung kommen. Voraussetzung ist, dass das eigene Einkommen nicht mehr als 415 Euro im Monat beträgt. Wird eine geringfügige Beschäftigung ausgeübt, beträgt die Einkommensgrenze 450 Euro monatlich. Nach dem Sozialgesetzbuch (§ 188 Abs. 4 SGB V) setzt sich eine freiwillige Mitgliedschaft fort, wenn der Versicherte nicht innerhalb von zwei Wochen nach Ende der Familienversicherung seinen Austritt erklärt. Wer also ein Gewerbe abmeldet und per Familienversicherung Mitglied einer Krankenkasse wird, bleibt dies – als freiwilliges Mitglied -, wenn er nach kurzer Zeit sein Gewerbe wieder anmeldet.

Fall 4: Sich arbeitslos melden. 
Für Selbstständige heißt das: Sie müssen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben, Ihre selbstständige Tätigkeit aufgeben und sich beim Arbeitsamt melden. Diese Möglichkeit besteht allerdings nicht für Menschen über 55 Jahren, die in den letzten fünf Jahren nicht mindestens einen Tag lang in der GKV waren.

Wer keine dieser Möglichkeiten für sich in Anspruch nehmen kann oder will, dem bleibt oft nur der Weg in den sogenannten Basistarif seiner privaten Krankenversicherung.

Wechsel in den Basistarif der privaten Krankenversicherung

Privatversicherte haben die Möglichkeit innerhalb ihrer Gesellschaft einen günstigeren Tarif zu wählen. Reicht die Ersparnis nicht, können sie in den sogenannten Basistarif wechseln. Möglich ist dies, wenn der Kunde über 55 Jahre alt ist oder nachweislich seine Prämien nicht mehr bezahlen kann. Wer nach 2009 seine Private Krankenversicherung abgeschlossen hat, kann jederzeit in den Basistarif wechseln. Eine erneute Gesundheitsprüfung ist nicht nötig. Die Leistungen im Basistarif entsprechen in etwa dem der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Das Problem: Die Ärzte sind nicht an eine Abrechnung auf Grundlage des Basistarifs gebunden. Höhere Rechnungen sind möglich. Dann müssen die Kunden den Mehraufwand aus eigener Tasche zahlen. Der Basistarif darf 2016 höchsten 665,29 Euro pro Monat kosten – das entspricht dem Höchstsatz der gesetzlichen Krankenversicherung plus den durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Krankenkassen.

 

mit dpa

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