Fußball-EM 2016 Wie darf ich mit der EM werben?

Wer die Fußball-EM 2016 für seine eigene Werbung nutzen will, muss einiges beachten. Ein Teller in Deutschlandfarben mit Fußball und Kicker ist aber rechtlich gesehen kein Problem.

Wer die Fußball-EM 2016 für seine eigene Werbung nutzen will, muss einiges beachten. Ein Teller in Deutschlandfarben mit Fußball und Kicker ist aber rechtlich gesehen kein Problem. © doubleju / photocase.de

Für die Werbung mit der Fußball-EM 2016 gelten strenge Spielregeln. Tippspiele, Fanbrötchen, Tor-Rabatte – die rechtlichen Grundlagen fürs Marketing im Überblick.

Die Fußball-EM 2016 startet am 10. Juni mit dem Eröffnungsspiel in Paris. Unternehmer wollen von der Euphorie rund um das Großevent profitieren: Sie bringen Fanprodukte auf den Markt oder beziehen sich in ihrer Werbung auf die Europameisterschaft. Als Veranstalterin der EM hat aber die UEFA die alleinigen Schutz- und Urheberrechte an Logos, Marken, Pokal und dem Maskottchen. Auch der Slogan ist geschützt. Diese rechtlichen Grundlagen sollten Unternehmer beachten, damit keine Abmahnung ins Haus flattert.

1. Keine Logos oder Marken verwenden

„Sie sollten tunlichst vermeiden, eingetragene Marken zu verwenden“, sagt Markus Wekwerth, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz. Für die bevorstehende Europameisterschaft sind das zum Beispiel „Euro 2016“ und „France 2016“. Die Begriffe sind unter anderem geschützt für jegliche Bekleidung, Sportartikel, Spiele, sportliche und kulturelle Aktivitäten.

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Wer seine Produkte trotzdem damit beschriftet oder etwa mit dem offiziellen Logo oder Maskottchen wirbt, riskiert rechtlichen Ärger. Denn auch wenn die UEFA als Veranstalter der Europameisterschaft ihren Hauptsitz in der Schweiz hat, regionale Teams verfolgen Markenrechtsverletzungen genau. Generell hilft ein kurzer Blick ins Markenregister, unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

2. Produktnamen umsichtig wählen

Eine Ausnahme gibt es allerdings, sagt der Experte: Wer damit seine Leistung beschreibe, dürfe „Euro 2016“ verwenden. Zum Beispiel: Ein Reisebüro bietet eine Busreise inklusive Tickets zu einem EM-Spiel an. „Sie müssen sagen dürfen, wohin die angebotene Reise geht“, sagt Wekwerth. In Ordnung sei deshalb folgende Formulierung: Das Reisebüro Meier fährt zur Euro 2016.

Schwierig werde es aber bei willkürlichen Produktbezeichnungen. Etwa: unser Euro-2016-Brötchen. „Das ist willkürlich und hat mit der Veranstaltung selbst nichts zu tun“, sagt er. „Nennen Sie es lieber Fanbrötchen.“ Schon kleine Änderungen der Formulierung können dafür sorgen, dass Unternehmen die Begriffe ohne Bedenken fürs eigene Marketing verwenden können. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Sie irgendeine organisatorische Verbindung zum Veranstalter haben, etwa als Partner oder Ausrüster.“

3. Fußballbegriffe und -symbole benutzen

„Sie können jede Fußballsymbolik verwenden und auch sämtliche Begriffe rund ums Thema Fußball“, sagt Wekwerth. Brötchen in Fußballform, Torten als Fußballfeld, jubelnde Fußballfans. Auch das Schaufenster kann voll sein mit Fußbällen, Luftschlangen und Fahnen. In Katalogen und auf Werbemitteln können Fähnchen abgebildet werden oder Unternehmen können Werbeartikel wie Pfeifen, Hüte oder Tröten austeilen.

4. Gewinnspiele genau kalkulieren

Für jedes Tor der deutschen Nationalmannschaft gibt es ein Prozent Rabatt am Tag nach dem Spiel – so mancher Unternehmer hat sich bei solchen Angeboten schon verschätzt. Eingehalten werden müssen die Versprechen aber auf jeden Fall – auch wenn die Bedingungen noch so unwahrscheinlich sind. Die gesetzlichen Vorschriften für Gewinnspiele und Rabattaktionen gelten immer – auch unabhängig von der Europameisterschaft. „Sie müssen sich an das halten, was Sie versprochen haben, sonst haben Sie nicht nur ein rechtliches Problem, sondern auch ein Imageproblem“, sagt Wekwerth. Nicht verlost werden dürfen Eintrittskarten zu den Spielen. Auch bei Sportwetten ist Vorsicht geboten: Sie zählen zu den Glücksspielen und unterliegen strengen Regeln.

5. Abmahnungen genau prüfen lassen

„Die Organisationen glauben, sehr viel mehr Rechte zu haben, als sie tatsächlich existieren“, sagt Markus Wekwerth. Er hat viele Fälle von sogenanntem Ambush Marketing bei Sportgroßveranstaltungen untersucht. Gemeint sind damit Marketing-Aktivitäten, die die Aufmerksamkeit eines Großevents nutzen wollen, ohne offiziell Sponsor der Veranstaltung zu sein. Denn für Lizenzen und Sponsorenverträge müssen Unternehmen viel Geld zahlen, bei der Europameisterschaft in Millionenhöhe.

Wekwerth vermutet, dass die Organisationen mit Anwaltsbriefen und hohen Streitsummen vor allem einschüchtern möchten. „Kleine Unternehmen haben einfach nicht die finanziellen Mittel, um sich dagegen zu wehren“, sagt er. Viele Unternehmer seien vom Schadensersatz abgeschreckt, der willkürlich festgesetzt werde. Auch sei in den Briefen schnell von hohen Anwaltskosten, Vertragsstrafen und Unterlassungsansprüchen die Rede. „Das sind Begrifflichkeiten, die man nicht hören möchte, wenn man einfach nur ein bisschen werben möchte.“ Er rät deshalb dazu, die Ansprüche genau zu prüfen.

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