Urlaubsplanung im Unternehmen Diese Rechte haben Arbeitgeber beim Urlaub

Bevor Ihr Mitarbeiter den Koffer packt, sollte er seine Urlaubsplanung im Unternehmen absprechen. Denn Arbeitgeber haben beim Thema Urlaub einiges mitzureden.

Bevor Ihr Mitarbeiter den Koffer packt, sollte er seine Urlaubsplanung im Unternehmen absprechen. Denn Arbeitgeber haben beim Thema Urlaub einiges mitzureden.© BillionPhotos.com / Fotolia.com

Bei der Urlaubsplanung im Unternehmen gibt es oft Streit: Darf etwa der Arbeitgeber Urlaubswünsche verweigern? Und wie viel Urlaub am Stück darf der Arbeitnehmer nehmen? Antworten auf wichtige Fragen.

Darf ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter den Urlaub verweigern?

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlich abgesicherten Urlaubsanspruch. Streit gibt es aber nicht selten über die Frage, wann und wie lange der Mitarbeiter in den Urlaub gehen darf. Hierzu regelt das Bundesurlaubsgesetz in Paragraf 7, Absatz 1: „Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, dass ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen.“

Was aber bedeutet das in der Praxis? Ist eine Abteilung in einer bestimmten Zeit, beispielsweise während des Jahresabschlusses, stark gefordert, kann der Chef einem Urlaubswunsch widersprechen. Auch an Heiligabend und Silvester haben Mitarbeiter keinen Anspruch auf Urlaub. Und wollen zwei Mitarbeiter einer Abteilung während der Sommerferien Urlaub nehmen, hat der Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern Vorrang.

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Was gilt während der Probezeit?

Auch während der Probezeit dürfen Arbeitgeber einen Urlaubswunsch verweigern. Neue Mitarbeiter haben zwar schon während der Probezeit einen anteiligen Urlaubsanspruch, pro Monat ist das ein Zwölftel des Jahresurlaubs. Bei beispielsweise 24 Tagen Jahresurlaub wären das zwei Tage pro Monat.

„Wenn der Arbeitgeber aber zum Beispiel feststellt, dass er die volle Probezeit braucht, um sich ein Urteil über den Mitarbeiter bilden zu können, ist das ein berechtigter Grund, den Urlaubswunsch des Mitarbeiters abzulehnen“, sagt Marco Ferme, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei der Kanzlei Beiten Burkhardt. Mehr zum Thema Probezeit finden Sie in diesem Artikel: Die wichtigsten Regeln für die Probezeit, die Arbeitgeber kennen sollten.

Darf ein Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern verlangen, ihren Urlaub zu stückeln?

Ihr Mitarbeiter will seinen gesamten Jahresurlaub am Stück nehmen? Grundsätzlich darf er das. „Der Urlaub ist zusammenhängend zu gewähren“, heißt es im Bundesurlaubsgesetz in  Paragraf 7, Absatz 2. Allerdings kann der Chef „dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe“ für eine Teilung des Urlaubs geltend machen. Das gilt beispielsweise, wenn Betriebsferien geplant sind. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Artikel: „Betriebsferien: Kann der Arbeitgeber Zwangsurlaub anordnen?“

In jedem Fall hat der Arbeitnehmer Anspruch auf zwei Wochen (zwölf Werktage) Urlaub am Stück – auch das steht im Gesetz.

Darf ein Arbeitgeber bereits genehmigten Urlaub streichen?

Grundsätzlich gilt: Genehmigt ist genehmigt. Wer es trotzdem tut, riskiert einen Rechtsstreit – und in dieser Frage dürfte ein Arbeitsgericht nur dann zugunsten des Arbeitgebers entscheiden, wenn dieser einen absoluten Notfall geltend machen kann. In Urlaubsfragen sind die Gerichte in der Regel auf der Seite der Arbeitnehmer.

Allerdings muss der Arbeitnehmer vor Gericht nachweisen können, dass der Chef die Genehmigung für den Urlaub erteilt hat.

Muss der Arbeitnehmer im Urlaub für den Chef erreichbar bleiben?

Im Urlaub erreichbar zu bleiben, darf der Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern nicht verlangen: Schließlich soll Urlaub der Erholung dienen – und die kann sich nicht recht einstellen, wenn sich der Chef jederzeit melden kann.  Das hat auch das Bundesarbeitsgericht bestätigt: Demzufolge darf der Arbeitgeber nur bei „zwingenden Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“ anrufen (Az. 9 AZR – 405/99). Hierbei spielt es übrigens keine Rolle, der ob Arbeitnehmer zuhause auf dem Balkon oder unter Palmen in der Karibik in der Sonne liegt.

Wer ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern hat, vereinbart mit seinen Mitarbeitern vor deren Urlaub, in welchen Notfällen ein Anruf okay wäre.

Darf der Arbeitgeber einen Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückholen?

Gegen den Willen des Arbeitnehmers geht natürlich auch das nicht ohne Weiteres; die Arbeitsgerichte legen hier noch höhere Maßstäbe an als bei einem genehmigten, aber noch nicht angetretenen Urlaub. In solchen Fällen müsste schon die Existenz der Firma auf dem Spiel stehen – ein kranker Kollege ist kein ausreichender Grund.

De facto ist es für einen Arbeitgeber also so gut wie ausgeschlossen, einen Urlaubsabbruch gegen den Willen des Mitarbeiters zu erwirken. Ihn abzumahnen, weil er nicht dazu bereit ist, ist keine gute Idee. Ein loyaler Mitarbeiter wird sich in Notfällen hoffentlich erweichen lassen, auch ohne dass der Rechtsanspruch des Chefs vorher vor Gericht geklärt wurde.

Bricht der Arbeitnehmer aus betrieblichen Gründen seinen Urlaub ab, muss die Firma sämtliche  Kosten dafür tragen. Die durchgearbeiteten Urlaubstage darf der Mitarbeiter später nachholen – oder aber der Arbeitgeber muss ihn bezahlen.

Muss der Arbeitgeber einem Mitarbeiter bei Krankheit Urlaubstage zurückbuchen?

Ja, das muss er. Kann der Arbeitnehmer ein Attest vorlegen, demzufolge er arbeitsunfähig war, gilt der Urlaub in den Tagen der Krankheit als nicht angetreten. Der Arbeitgeber muss ihn zu einem anderen Zeitpunkt gewähren. So steht es in Paragraf 9 im Bundesurlaubsgesetz.

1 Kommentar
  • Karoly Stumfold 5. Juli 2017 17:33

    Na wunderbar, der Arbeitgeber hat überhaupt noch Rechte ?
    Meine Arbeitnehmer 3 Musiker haben 9 Tage gar nicht zu Arbeit erschienen,
    als ich 6 Tage Urlaub berechnete, wurde ich noch dazu als Schwein bezeichnet. Was ist
    los in Deutschland hat niemanden ein bisschen Moral. Müssen wir alles gefallen lassen.
    Neulich hatte sich eine Mitarbeiter, 3 Wochen Krankschreiben lassen, am selbe Tag ist er
    nach Ungarn gefahren 1.100 km. Als ich beim Krankenkasse Veto eingelegt habe dass ich
    sowas nicht akzeptiere, bekam ich die Antwort krank-geschrieben ist krank-geschrieben.
    Anschließend nahm der Mitarbeiter sein Arbeit gar nicht mehr auf. Ich blieb auf die daraus
    entstandene Kosten sitzen. Schöne Arbeitsrechtliche Gesetze sind dies. Ich könnte die ganze Seite voll schreiben mit Ungesetzliche Tätigkeiten von Mitarbeiter. K. Stumfold

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