Schlechte Work-Life-Balance
Probleme mit der Work-Life-Balance? Dieser Gedanke hilft

Ihr Privatleben kommt zu kurz, weil Sie zu viel arbeiten? Vielleicht liegt’s an Ihrer Einstellung, meint eine amerikanische Soziologin. Sie rät zu einem radikalen Geisteswandel.

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Die Balance zwischen Beruf und Familie ist bei Ihnen nicht so ausgeglichen wie auf dem Bild? Nicht schlimm!
Die Balance zwischen Beruf und Familie ist bei Ihnen nicht so ausgeglichen wie auf dem Bild? Nicht schlimm!
© go2 / photocase.de

An der Arbeit stapeln sich die Aufträge und die Topfpflanze im Büro sieht man häufiger als die Gesichter von Freunden oder Familie: Da liegt die Diagnose „schlechte Work-Life-Balance“ auf der Hand.

Die auf das Thema Arbeit spezialisierte Soziologin Tracy Brower ist anderer Meinung. „Wir müssen aufhören, nach Work-Life-Balance zu streben“ – mit diesen Worten ist ihr Artikel auf der Website des Wirtschaftsmagazins Fast Company überschrieben. Darin spricht sich die Soziologin gegen den Begriff „Work-Life-Balance“ aus. Der Grund: Wie wir Dinge benennen, beeinflusse unser Denken und damit unser Handeln. „Ich gebe zu, dass wir ein Work-Life-Problem haben“, schreibt Brower. Sie sei aber überzeugt davon, dass das Konzept der „Balance“ zwischen Arbeit und Leben nicht hilfreich sei.

Brower nennt drei Gründe für ihre Argumentation:

1. Arbeit und Leben gehören zusammen

Arbeit gehört zum Leben dazu, schließlich bezahlt man davon Miete und Essen – und alles andere, was das Leben schön macht. Der Begriff „Work-Life-Balance“ trenne Arbeit und Leben künstlich voneinander, findet Brower: Entweder wir arbeiten, oder wir leben.

Sinnvoller sei es aber, die beiden Bereiche als miteinander verbunden zu sehen: „Wenn Sie Arbeit als Teil eines erfüllten Lebens sehen, fällt es Ihnen leichter zu erkennen, dass der Erfolg in einem Bereich oft auf den anderen abfärbt.“

 2. Das Wort „Balance“ impliziert Unsicherheit

Allein schon das Wort „Balance“ lege nahe, dass Arbeit und Leben schnell aus dem Gleichgericht geraten können könne. Das latente Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung, das bei dem Wort mitschwinge, könne stressen, schreibt Brower.

Um zufriedener an das eigene Leben heranzugehen, ist es laut Brower sinnvoll, von verschiedenen Phasen zu sprechen – und nicht gleich von einer guten oder schlechten Balance. Man habe nicht gleich versagt, nur weil man gerade einen schlechten Tag oder einen guten Tag hatte. „Das Leben sollte man nicht als Risiko-Unternehmen betrachten, bei dem man bei jedem Fehltritt aufpassen muss“, so Brower.

Schließlich stünden die wenigsten Tage im Zeichen einer ausgeglichenen Work-Life-Balance: Manchmal müsse man länger arbeiten und sich auf dem Heimweg was zum Abendessen besorgen – oder den Betriebsausflug ausfallen lassen, weil die Familie zu Besuch kommt. Und das ist auch in Ordnung so, findet Brower.

3. Nur Balance ist nicht genug

„Wir verdienen mehr als nur Balance“, schreibt Brower. Denn wer sich damit zufriedengebe, fordere zu wenig ein – sei es von Unternehmen, Chefs oder von sich selbst. Denn es gebe nun einmal Phasen im Leben, in denen man mehr Zeit für die Arbeit oder für die Familie braucht. Ihr Mantra sei: „Sie können alles haben, aber nicht alles auf einmal.“

Die eigene Sichtweise mache hierbei viel aus: „Wenn man mit einer positiven Einstellung an Freizeit und Arbeit herangeht, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass beides gut läuft.“

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An der Arbeit stapeln sich die Aufträge und die Topfpflanze im Büro sieht man häufiger als die Gesichter von Freunden oder Familie: Da liegt die Diagnose „schlechte Work-Life-Balance“ auf der Hand. Die auf das Thema Arbeit spezialisierte Soziologin Tracy Brower ist anderer Meinung. „Wir müssen aufhören, nach Work-Life-Balance zu streben“ – mit diesen Worten ist ihr Artikel auf der Website des Wirtschaftsmagazins Fast Company überschrieben. Darin spricht sich die Soziologin gegen den Begriff „Work-Life-Balance“ aus. Der Grund: Wie wir Dinge benennen, beeinflusse unser Denken und damit unser Handeln. „Ich gebe zu, dass wir ein Work-Life-Problem haben“, schreibt Brower. Sie sei aber überzeugt davon, dass das Konzept der „Balance“ zwischen Arbeit und Leben nicht hilfreich sei. Brower nennt drei Gründe für ihre Argumentation: 1. Arbeit und Leben gehören zusammen Arbeit gehört zum Leben dazu, schließlich bezahlt man davon Miete und Essen – und alles andere, was das Leben schön macht. Der Begriff „Work-Life-Balance“ trenne Arbeit und Leben künstlich voneinander, findet Brower: Entweder wir arbeiten, oder wir leben. Sinnvoller sei es aber, die beiden Bereiche als miteinander verbunden zu sehen: „Wenn Sie Arbeit als Teil eines erfüllten Lebens sehen, fällt es Ihnen leichter zu erkennen, dass der Erfolg in einem Bereich oft auf den anderen abfärbt.“  2. Das Wort „Balance“ impliziert Unsicherheit Allein schon das Wort „Balance“ lege nahe, dass Arbeit und Leben schnell aus dem Gleichgericht geraten können könne. Das latente Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung, das bei dem Wort mitschwinge, könne stressen, schreibt Brower. Um zufriedener an das eigene Leben heranzugehen, ist es laut Brower sinnvoll, von verschiedenen Phasen zu sprechen – und nicht gleich von einer guten oder schlechten Balance. Man habe nicht gleich versagt, nur weil man gerade einen schlechten Tag oder einen guten Tag hatte. „Das Leben sollte man nicht als Risiko-Unternehmen betrachten, bei dem man bei jedem Fehltritt aufpassen muss“, so Brower. Schließlich stünden die wenigsten Tage im Zeichen einer ausgeglichenen Work-Life-Balance: Manchmal müsse man länger arbeiten und sich auf dem Heimweg was zum Abendessen besorgen – oder den Betriebsausflug ausfallen lassen, weil die Familie zu Besuch kommt. Und das ist auch in Ordnung so, findet Brower. 3. Nur Balance ist nicht genug „Wir verdienen mehr als nur Balance“, schreibt Brower. Denn wer sich damit zufriedengebe, fordere zu wenig ein – sei es von Unternehmen, Chefs oder von sich selbst. Denn es gebe nun einmal Phasen im Leben, in denen man mehr Zeit für die Arbeit oder für die Familie braucht. Ihr Mantra sei: „Sie können alles haben, aber nicht alles auf einmal.“ Die eigene Sichtweise mache hierbei viel aus: „Wenn man mit einer positiven Einstellung an Freizeit und Arbeit herangeht, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass beides gut läuft.“
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