Unternehmensbewertungen bei "Die Höhle der Löwen" Wie viel ist ein Start-up wert?

Bei manchen Unternehmensbewertungen, die die Gründer fordern, schütteln die Investoren in "Die Höhle der Löwen" nur mit dem Kopf (v.l.: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Jochen Schweizer).

Bei manchen Unternehmensbewertungen, die die Gründer fordern, schütteln die Investoren in "Die Höhle der Löwen" nur mit dem Kopf (v.l.: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Jochen Schweizer).© VOX / Stefan Gregorowius

In der „Höhle der Löwen“ wird um Anteile gefeilscht wie auf einem Basar. Ein Investor erklärt, wie nah die Show an der Realität ist – und auf welche Zahlen es bei der Unternehmensbewertung tatsächlich ankommt.

impulse: Herr Neuman, in der „Höhle des Löwen“ überraschen die Teilnehmer die Jury immer wieder mit teils abenteuerlich hohen oder auch allzu bescheidenen Bewertungen ihrer Start-ups. Die Erfinder des Elektrorollers Scuddy wollten neulich zehn Prozent ihres Unternehmens für einen Euro abgeben. 

Neuman: Ihr Argument dafür war, dass ihnen die Expertise der Unternehmer in der Löwen-Jury für Vertrieb und Marketing so viel wert ist. Das kann man natürlich machen. Ich persönlich halte das aber, mit Verlaub, für Schwachsinn.

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Warum? 

Erstens verkaufen die Gründer sich unter Wert. Was nichts kostet, ist auch nichts wert. So wenig Selbstbewusstsein würde mich als Investor sofort stutzig machen. Zweitens setzen sie dem Investor die falschen Anreize. Wenn jemand Anteile quasi geschenkt bekommt, ist seine Motivation, das Start-up wirklich voranzubringen, viel geringer, als wenn er dafür richtig Geld auf den Tisch gelegt hat. Im Zweifel kümmert sich ein Investor doch um jene Unternehmen, mit denen er selbst ordentlich ins Risiko gegangen ist.

Gibt es solche 1-Euro-Angebote im richtigen Leben überhaupt?

Ich habe so etwas noch nie mitbekommen. Zehn Prozent im Austausch für Expertise ist viel zu viel. Manchmal will man als Start-up einen bekannten Investor für sein Aufsichtsgremium oder die Außendarstellung gewinnen – dann kann man ihm auch Anteile schenken. Aber das sind dann meist deutlich unter ein Prozent.

Das andere Extrem waren die Gründer von Vocier: Sie hatten einen Reisekoffer entwickelt, in dem Anzüge knitterfrei bleiben. Sie wollten 250.000 Euro für fünf Prozent ihrer Unternehmensanteile. Als die Löwen ihnen das Geld für 15 Prozent anboten, lehnten sie ab – und gingen lieber ohne Deal nach Hause. 

Ohne die Details zu kennen, klingt die Summe etwas hoch für fünf Prozent. Andererseits hat Vocier zum Zeitpunkt der Sendung schon sechsstellige Umsätze erzielt und war durch Investoren bereits vor der Sendung gut finanziert. Die Gründer standen nicht unter Druck, unbedingt einen Deal zu machen, und konnten pokern. Für sie war der Werbeeffekt durch die TV-Sendung wahrscheinlich wichtiger.

Auf welche Zahlen achten Sie bei Ihren Investments besonders?

Oft sind die Start-ups ja noch so jung, dass es gar keine belastbaren Zahlen gibt. Dann investiert man vor allem in eine Idee – und in ein Team. Das ist auch sicher der Punkt, an dem die „Höhle der Löwen“ der Realität am nächsten kommt.

Und wenn es schon belastbare Zahlen gibt, welche sind besonders wichtig?

Die Zahlen, auf die wir achten, sind davon abhängig, ob das Geschäftsmodell im B2B- oder B2C-Bereich ist. Zwei wichtige Kennziffern sind grundsätzlich Customer Acquisition Cost, CAC – also die Kosten pro neu gewonnenem Kunden – und der sogenannte Customer-Lifetime-Value. Das ist der gesamte Umsatz, den ein Kunde dem Unternehmen einbringt, solange er Kunde ist. Auch sind Marktgröße und Liquidität der Wettbewerber ein entscheidender Faktor, ob mein Inkubator Makers investiert oder nicht.

Wie nah ist die „Höhle der Löwen“ sonst an der Realität?

Natürlich ist die Show in erster Linie Entertainment. Das ist „Deutschland sucht den Superstar“ für Gründer. Mit meiner Wirklichkeit als Investor hat die Sendung nicht viel zu tun. Zehn Minuten Pitch und dann eine Investitionsentscheidung treffen – das ist natürlich absurd. Bei uns dauert dieser Prozess mehrere Wochen. Im echten Leben sind Investoren-Meetings auch kein Tribunal wie in der Sendung, da begegnen sich Gründer und Investoren eher auf Augenhöhe – schließlich bewerben sich auch die Geldgeber bei den Start-ups.

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