10.11.2009

Rechtsberatung: Wie Unternehmer Anwaltskosten sparen

Von: Thomas C. Münster
Zeit ist Geld: Die meisten Anwälte arbeiten auf Basis eines Zeithonrars
Zoom Zeit ist Geld: Die meisten Anwälte arbeiten auf Basis eines Zeithonrars
© Getty Images
Rund 180 Euro kostet eine Anwaltsstunde, ausgewiesene Spezialisten verlangen sogar bis zu 500 Euro. Doch die Preise sind längst nicht mehr in Stein gemeißelt. Wer den Markt und die Regeln kennt, kann verhandeln.

Was für die einen die Wirtschaftskrise, ist für andere der Gesundheitsfonds. Für die Streifeneder Gruppe zum Beispiel. Der Fonds, so befürchten sie beim Hersteller für Orthopädie-, Sanitäts- und Reha-Artikel, wird die Preise sacken lassen. Und deswegen gehen sie beim Emmeringer Gesundheitsartikler vorsichtshalber schon mal die Kostenstrukturen durch. Und wo fängt man da am besten an? Na klar, bei externen Kosten wie den Anwaltshonoraren. "Bis zu fünf Prozent Senkung sind bei den Stundensätzen drin", gibt Hausjuristin Sabine Bilz das Ziel vor.

Damit gehört die Streifeneder Gruppe bislang noch zu einer Minderheit. Nach einer Umfrage des Essener Soldan Instituts für Anwaltsmanagement sprechen allenfalls 20 Prozent der Mittelständler bei ihren Anwälten regelmäßig die Honorarfrage an. "Je kleiner das Unternehmen, desto seltener wird über die Kosten gesprochen, vom Verhandeln ganz zu schweigen", sagt Barbara Mayer, Anwältin in der Kanzlei Graf von Westphalen. Man traut sich halt nicht, und sollte man sich in einer gediegen getäfelten Kanzlei denn benehmen wie auf dem Basar? Das gehört sich doch nicht, denken viele.

Anwaltsentgelt

Gesetz
Die gesetzlichen Gebühren richten sich nach dem Streitwert. Im Prozess darf der Anwalt nicht weniger verlangen, mehr hingegen schon. In der Honorarvereinbarung muss er darauf hinweisen, dass ihm der Zuschlag bei Prozessgewinn nicht vom Gegner ersetzt wird.

Zeithonorar
Die Basis der meisten Honorarvereinbarungen. Stundensätze sagen nichts über Kompetenz und Arbeitsstil des Anwalts aus. Wie beim Handyvertrag ist die Taktung wichtig: Inakzeptabel ist es, wenn der Anwalt jede angefangene halbe Stunde abrechnet. Manche Gerichte lehnen auch den Viertelstundentakt und sogar zehn Minuten als zu lang ab. Endgültig entschieden ist diese Frage nicht.

Pauschale
Sie schafft Kostenklarheit für beide Seiten und wird von Unternehmen deshalb oft gewünscht. Ein fairer Preis ist vom Anwalt nur bei klar abschätzbarem Aufwand zu erwarten, ansonsten wird er versuchen, das Kalkulationsrisiko durch einen Sicherheitsaufschlag abzufangen. Fazit: Maximale Kalkulationssicherheit ist nicht unbedingt ein Sparmodell.

Rahmenvertrag
Er regelt bei Dauermandat die Beziehung, häufig mit Monatspauschale für Standardleistungen. Wichtig: genau abgrenzen, was mit der Pauschale bezahlt ist. Der Vertrag sagt, in welchen Abständen die Pauschale überprüft wird.

Honorarkreationen
In der Praxis werden gelegentlich Honorarmischformen angeboten, etwa Stundensatz, mindestens aber gesetzliche Vergütung oder gesetzliche Vergütung plus Zuschlag. Solche Varianten vom Anwalt genau erklären lassen: Begründung für die Konstruktion, zu erwartende Gesamtkosten, Verhältnis zu gesetzlichem und Stundenhonorar.

Mag sein, aber lohnen tut es sich allemal: Die Chancen auf Rabatte stehen derzeit so gut wie nie. Immerhin gibt es hierzulande mehr als 150 000 Anwälte, der Konkurrenzdruck ist enorm. Dass die Rechtsabteilungen der Unternehmen ihre Budgets schärfer denn je im Blick behalten, setzt den Wirtschaftskanzleien obendrein zu. Und weil derzeit kein Anwalt ohne Not einen guten Mandanten oder ein gutes Mandat sausen lässt, darf er sich Preisverhandlungen nicht verschließen. "Wenn die Leistung stimmt, uns aber zu teuer wird, suchen wir das Gespräch mit dem Anwalt", sagt Adi Drotleff, Vorstandsvorsitzender der Software- Firma Mensch und Maschine im oberbayerischen Weßling. "Auf diesem Klavier sollte jeder Nachfrager spielen."

Gute Anwälte sind fix

Die am Gegenstandswert orientierte Gebührenordnung der Anwälte ist im Unternehmensgeschäft wenig hilfreich. Das starre Gesetz führe "oft zu schiefen Ergebnissen", sagt selbst der Münchner Anwalt Marc Laukemann von Schaal & Partner. So sollte seine Kanzlei einst ein Schmerzensgeld von 2500 Euro eintreiben. "Wir dachten: eine kurze Beratung, ein Schrieb, fertig." Doch der Fall kam vor Gericht und zog sich so lange hin, dass der Stundensatz am Ende 6,50 Euro betragen hätte. "Kostendeckend sind bei uns 100 Euro."

In der Wirtschaftswirklichkeit läuft deswegen vieles über feste Stundensätze. Laut einer Erhebung des Soldan Instituts kostet die Anwaltsstunde hierzulande im Schnitt 182 Euro, 60 Prozent der Anwälte verlangen zwischen 125 und 200 Euro. In den neuen Ländern sind es durchschnittlich 46 Euro weniger als im Westen, die Sätze der Anwältinnen liegen 35 Euro unter denen der männlichen Kollegen. Und auf dem Land sind Juristen billiger als in den Zentren.

Kampfpreise machen skeptisch

So viel zur Empirie. Zwar lässt sich mit diesen Zahlen vergleichen, ob ein Anwalt mit seinen Stundensätzen über oder unter dem Durchschnitt liegt. Aber wie bekommt der Kunde heraus, ob der Mann (oder die Frau) auch wirklich sein Geld wert ist? Diese Frage beantworten sich die meisten eher anhand ihres Bauchgefühls. "Ein guter Anwalt braucht weniger Stunden, weil er schneller arbeitet", sagt Adi Drotleff. Kampfpreise bei den Stundensätzen machen ihn eher skeptisch: "Warum hat der das nötig?"

Auch Jurist Laukemann bestätigt: "Der Spezialist erledigt in einer Viertelstunde, wofür andere eine Stunde brauchen." Anwältin Mayer rät Mittelständlern deshalb, bei komplexen Fragen auf der Beratung durch erfahrene und spezialisierte Partner zu bestehen und sich nicht mit den angestellten Anwälten – "Associates" – zu begnügen, auch wenn das pro Stunde weniger koste.

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