Elterngeld und Mutterschaftsgeld Das zahlt der Staat Selbstständigen in der Babypause

Auch selbstständige Mütter und Väter haben während der Elternzeit Anspruch auf Elterngeld.

Auch selbstständige Mütter und Väter haben während der Elternzeit Anspruch auf Elterngeld.© Tyler Olson - Fotolia.com

Während der Elternzeit bekommen auch Selbstständige Elterngeld. Wie Sie die Höhe berechnen und einen Antrag stellen - und was der Staat sonst noch zahlt.

Mutterschaftsgeld

Selbständige haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld – es sei denn, sie sind freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert und haben dort einen Tarif, der ihnen Anspruch auf Krankengeld gewährt. Das Mutterschaftsgeld wird grundsätzlich sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt des Kindes gezahlt (Höhe: maximal 13 Euro pro Tag). Bei Früh- oder Mehrlingsgeburten verlängert sich die Frist auf zwölf Wochen nach der Entbindung. Das Mutterschaftsgeld kann frühestens sieben Wochen vor dem mutmaßlichen Entbindungstermin beantragt werden.

Schwangere und Mütter, die Mitglied einer privaten Krankenversicherung sind, erhalten kein Mutterschaftsgeld. Sie sollten aber nachhaken, ob und welche Leistungen von der privaten Krankenversicherung übernommen werden.

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Elterngeld

Höhe des Elterngelds

Das Elterngeld für Selbstständige beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro im ­Monat. Es beläuft sich derzeit auf 67 Prozent des Nettoeinkommens.

Berechnung des Eltergeldes, Bemessungsgrundlage und Gewinnermittlung

Die Bemessungsgrundlage für das Elterngeld ist das Nettoeinkommen. Das kann entweder anhand des letzten Steuerbescheides ermittelt werden. Liegt der noch nicht vor, kann man eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung, den Steuervorauszahlungsbescheid oder eine Bilanz abgeben und den Steuerbescheid später nachreichen. Das Nettoeinkommen berechnet sich dann aus dem Gewinn abzüglich Steuern.

Da das Einkommen bei Selbstständigen schwankt, wird das Elterngeld anhand des letzten abgeschlossenen Wirtschaftsjahres errechnet, also in der Regel nach dem Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes. Anders als bei Festangestellten zählen also nicht die zwölf Monate vor der Geburt des Kindes – auch wenn die Mutter oder der Vater in dieser Zeit mehr verdient hat als im Kalenderjahr davor.

Unter Umständen können Selbstständige und Unternehmer ein abweichendes Wirtschaftsjahr für die Berechnung des Elterngeldes festlegen. Das ist aber nur unter engen Voraussetzungen möglich. Etwa wenn die Mutter nachweisen kann, dass sie im maßgeblichen Bemessungszeitraum schwangerschaftsbedingt krank war und deshalb weniger verdient hat, oder, zweite Alternative: Die Unternehmerin hat im Bemessungszeitraum gerade Elterngeld für ein älteres Geschwisterkind bezogen. Erkennt die Elterngeldstelle das an, verschiebt sie den Bemessungszeitraum.

Nicht jeder Selbstständige kann sein Geschäft während der Elternzeit komplett ruhen lassen. Wer weiterarbeiten will, darf dies aber maximal 30 Stunden pro Woche tun. Der Gewinn wird dann mit dem Elterngeld verrechnet. Da lohnt sich das Arbeiten manchmal kaum. Stellen Selbstständige während ihrer Elternzeit eine Vertretung ein und werden dadurch Einkünfte erwirtschaftet, werden diese ebenfalls auf das Elterngeld angerechnet.

Elterngeldrechner für Selbstständige

Die Höhe des Elterngeldes können Sie vorab selbst berechnen: Das Bundesfamilienministerium bietet auf seiner Webseite einen Rechner dafür an.

Bezugsdauer

Ein Elternteil kann das Elterngeld für maximal zwölf Monate beantragen (Ausnahme für Alleinerziehende: 14 Monate). Entscheidet sich auch der Partner für die Auszeit, gibt es für beide zusammen 14 Monate. Die Eltern können unter sich aufteilen, wer wie lange eine Auszeit nimmt. Das geht auch zeitgleich. Wollen sie die 14 Monate ausschöpfen, muss jeder mindestens zwei Monate zu Hause bleiben.

Elterngeld Plus

Mit dem Elterngeld Plus kann die Bezugsdauer gestreckt werden. Die Idee dabei: Wer Teilzeit ­arbeitet, ist finanziell weniger auf das Elterngeld angewiesen. Also bekommen Eltern, wenn sie zwischen 25 und 30 Stunden die Woche berufstätig bleiben, einen reduzierten Satz des Elterngeldes – das aber doppelt so lange. Aus einem Monat Elterngeld werden so zwei Elterngeld-Plus-Monate – zusätzlich zum Verdienst durch die Selbstständigkeit.

Partnerschaftsbonus

Das Elterngeld Plus lässt sich noch um vier Monate verlängern, wenn sich die Eltern die Betreuung ihres Kindes teilen und dafür gleichzeitig in Teilzeit gehen. Arbeiten sie vier Monate lang parallel zwischen 25 und 30 Stunden die Woche, erhalten sie vier zusätzliche Elterngeld-Plus-Monate.

Wann kein Elterngeld gezahlt wird

Paare, die im Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes mehr als 500.000 Euro brutto verdienten, erhalten kein Elterngeld (Alleinerziehende: 250.000 Euro).

Elterngeld beantragen

Das Elterngeld muss schriftlich bei der Elterngeldstelle beantragt werden, frühestens ab dem Tag der Geburt. Wo die ist, hat jedes Bundesland unterschiedlich geregelt. Teilweise sind die Elterngeldstellen beim Kreis eingerichtet, teilweise bei der Kommune oder anderen Behörden. Jeder Elternteil muss für sich den Antrag einreichen.

Ab wann Elterngeld gezahlt wird

Erhalten Selbstständige kein Mutterschaftsgeld, wird das Elterngeld gleich nach der Geburt ausgezahlt – anders als bei fest angestellten Eltern, die es nach dem Mutterschutz bekommen, also ab zwei Monate nach der Geburt. Da das Elterngeld erst nach der Geburt beantragt werden kann, verzögert sich die Auszahlung in der Regel aber. Es wird dann rückwirkend für höchstens drei Monate vor Antragstellung bezahlt.

Steuern auf Elterngeld

Auf das Elterngeld fallen keine Steuern an. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das Finanzamt rechnet es sozusagen virtuell dem übrigen Einkommen hinzu und wendet dann auf das übrige Einkommen den höheren Steuersatz an. Dadurch kann es zu Steuernachzahlungen kommen.

Kindergeld

Selbständige haben auch Anspruch auf Kindergeld – und zwar unabhängig von der Höhe ihres Einkommens. Für die ersten zwei Kinder beträgt es jeweils 184 Euro, für das dritte Kind 190 Euro und für jedes weitere Kind 215 Euro im Monat.

Kindergeld kann grundsätzlich längstens bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres des Kindes gezahlt werden. Ausgezahlt wird es durch die Familienkassen der Arbeitsagenturen. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.familienkasse.de.

Krankenversicherung

Der Vertrag mit einer privaten Krankenversicherung läuft auch während der Elternzeit weiter wie bisher. Wer in der Zeit weniger zahlen will, muss selbst aktiv werden: „Selbständige müssen sich anders als Angestellte in der Elternzeit selbst darum kümmern, dass die Beiträge für die private Krankenversicherung an das Einkommen angepasst werden“, sagt Alexander Lorenz, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Baker Tilly Roelfs in Frankfurt am Main. Die private Krankenversicherungen bieten günstigere Tarife für die Übergangszeit an.

Freiwillig gesetzlich Versicherte bleiben während der Elternzeit Mitglied ihrer Krankenkasse. Wer als Selbstständiger seine Arbeit während der Elternzeit unterbricht, kann unter bestimmten Bedingungen über eine Familienversicherung beitragsfrei mitversichert werden. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Ehepartner ebenfalls Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist. Wer mehr als 395 Euro monatlich an Einkommen hat oder in einem Minijob mehr als 450 Euro monatlich verdient, braucht eine eigene Versicherung.

Wer die Voraussetzungen für die Familienversicherung nicht erfüllt und neben dem Elterngeld keine weiteren Einkünfte erzielt, muss in der Regel einen Mindestbeitrag von rund 150 Euro für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.

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