Elterngeld und mehr Was Selbständige während Mutterschutz und Elternzeit bekommen

Auch selbstständige Mütter und Väter haben während der Elternzeit Anspruch auf Elterngeld.

Auch selbstständige Mütter und Väter haben während der Elternzeit Anspruch auf Elterngeld.© Tyler Olson - Fotolia.com

Auch Selbstständige haben Anspruch auf Elterngeld. Aber wie hoch ist es? Und welche Unterstützung gibt es noch während der Elternzeit? Ein Überblick.

Elterngeld

Während der Elternzeit haben auch Selbständige Anspruch auf Elterngeld. Dessen Höhe orientiert sich an der Höhe des Gewinns abzüglich Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Es beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro und wird längstens 14 Monate gezahlt.

Eltern mit einem Nettoeinkommen von mehr als 1000 Euro erhalten zwischen 65 und 67 Prozent des bisherigen Nettoverdienstes. Bei Eltern mit einem Einkommen unter 1.000 Euro steigt das Elterngeld schrittweise auf bis zu 100 Prozent. Die Höhe des Elterngeldes können Sie vorab selbst berechnen: Das Bundesfamilienministerium bietet auf seiner Webseite einen Rechner dafür an.

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Den Zeitraum für die Elternzeit können beide Elternteile frei untereinander aufteilen. Ein Elternteil kann höchstens zwölf Monate allein in Elternzeit gehen, zwei weitere Monate sind als Option für den Partner reserviert. Alleinerziehende erhalten das Elterngeld volle 14 Monate.

Der Antrag auf Elterngeld muss schriftlich bei den Elterngeldstellen der Länder gestellt werden – und kann frühestens ab dem Tag der Geburt eingereicht werden. Rückwirkend wird das Elterngeld für höchstens drei Monate vor Antragstellung bezahlt.

 

Mutterschaftsgeld

Selbständige haben zwar grundsätzlich keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Eine Ausnahme gilt jedoch für Schwangere, die zu Beginn des Mutterschutzes freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind – und einen Anspruch auf Zahlung von Krankengeld haben. „Einen Anspruch auf Krankengeld haben Selbstständige aber nur, wenn sie gegenüber der Krankenkasse erklären, dass ihre Mitgliedschaft den Anspruch auf das gesetzliche Krankengeld umfassen soll“, betont ein Sprecher der Techniker Krankenkasse, „oder wenn sie einen Krankengeld-Wahltarif wählen.“ Das Mutterschaftsgeld wird grundsätzlich sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt des Kindes gezahlt. Bei Früh- oder Mehrlingsgeburten verlängert sich die Frist auf zwölf Wochen nach der Entbindung.

Krankenkassen sind verpflichtet, Selbstständigen neben dem gesetzlichen Krankengeld Wahltarife fürs Krankengeld anzubieten. Dabei können die Kassen von den gesetzlichen Regelungen abweichen. Für Selbstständige gibt es zum Beispiel Tarife, bei denen sie nicht erst ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit über das gesetzliche Krankengeld abgesichert sind, sondern schon ab dem 22. Tag. Für Wahltarife müssen Versicherte allerdings eine Extra-Prämie zahlen. „Selbstständige, die die Erklärung zum Krankengeld abgegeben oder einen Krankengeld-Wahltarif gewählt haben, haben dann auch einen Anspruch auf Mutterschaftsgeld.“

Das Mutterschaftsgeld kann frühestens sieben Wochen vor dem mutmaßlichen Entbindungstermin beantragt werden.

Schwangere und Mütter, die Mitglied bei einer privaten Krankenversicherung sind, erhalten kein Mutterschaftsgeld. Sie sollten aber nachhaken, ob und welche Leistungen von der privaten Krankenversicherung übernommen werden.

 

Kindergeld

Selbständige haben auch Anspruch auf Kindergeld – und zwar unabhängig von der Höhe ihres Einkommens. Für die ersten zwei Kinder beträgt es jeweils 184 Euro, für das dritte Kind 190 Euro und für jedes weitere Kind 215 Euro im Monat.

Kindergeld kann grundsätzlich längstens bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres des Kindes gezahlt werden. Ausgezahlt wird es durch die Familienkassen der Arbeitsagenturen. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.familienkasse.de.

 

Krankenversicherung

Der Vertrag mit einer privaten Krankenversicherung läuft auch während der Elternzeit weiter wie bisher. Wer in der Zeit weniger zahlen will, muss selbst aktiv werden: „Selbständige müssen sich anders als Angestellte in der Elternzeit selbst darum kümmern, dass die Beiträge für die private Krankenversicherung an das Einkommen angepasst werden“, sagt Alexander Lorenz, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Baker Tilly Roelfs in Frankfurt am Main. Die private Krankenversicherung biete dafür Übergangstarife an.

Freiwillig gesetzlich Versicherte bleiben während der Elternzeit Mitglied ihrer Krankenkasse. Wer als Selbstständiger seine Arbeit während der Elternzeit unterbricht, kann unter bestimmten Bedingungen über eine Familienversicherung beitragsfrei mitversichert werden. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Partner ebenfalls Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist. Wer mehr als 395 Euro monatlich an Einkommen hat oder in einem Minijob mehr als 450 Euro monatlich verdient, braucht eine eigene Versicherung.

Wer die Voraussetzungen für die Familienversicherung nicht erfüllt und neben dem Elterngeld keine weiteren Einkünfte erzielt, muss in der Regel einen Mindestbeitrag von rund 150 Euro für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.

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4 Kommentare
  • Anja 22. Dezember 2015 18:41

    Mich interessiert, Elterngeld im Falle von selbständigem Einkommen, welches allerdings aufgrund einer Vertretung reduziert ist. Erhält man nur Elterngeld bei totalausfall?

  • Thomas 31. Mai 2015 17:09

    Was ist wenn Selbständige 2. Kind während Elternzeit bekommt? (Vorher freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert – mit einen Anspruch auf Zahlung von Krankengeld). Haben die auch Anspruch auf Mutterschaftsgeld? Oder gilt das nur für die Angestellte?

    • impulse-Redaktion 1. Juni 2015 11:54

      Lieber impulse-Leser,

      vielen Dank für Ihre Frage. Ich werde mich erkundigen und Ihnen dann eine Rückmeldung geben.

      Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion

      Verena Bast

  • Julia P. 10. Mai 2015 08:10

    Im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen ist das Einkommen irrelevant bei den privaten Krankenversicherungen. Dennoch sind die Kosten für Selbständige noch immer viel zu hoch. Vor allem die Selbstbeteiligungen und die Risikozuschläge.

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