Mitarbeiter-AG
Diese Firma gehört bald den Mitarbeitenden

Die acht Gründer der IT-Firma Viadee haben ein Nachfolge-Problem. Ihre Lösung: Sie wandeln das Unternehmen in eine Mitarbeiter-AG um. Wie sie dabei vorgehen – und es schaffen, dass das Team mitzieht.

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Mitarbeiter-AG
Der Gründer Heinrich Riemann (links) und Vorstand Volker ­Oshege im ­Foyer der Viadee-Zentrale in Münster.
© Erik Hinz für impulse

Dass die 205 Mitarbeitenden bei ­Viadee eine wichtige Rolle spielen, ist in der Zentrale der Unternehmensberatung für IT-Lösungen in Münster nicht zu übersehen. Auf einem Tisch im Foyer stehen mehrere Trophäen, mit denen die Firma als Arbeitgeber ausgezeichnet wurde. Einige Meter weiter sind an der Wand Fotos von Menschen aufgereiht, die hier arbeiten. Wer bei Viadee neu anfängt, wird sofort in die ­Bildergalerie aufgenommen.

Was nach außen hin nicht sichtbar, aber noch ungewöhnlicher ist: Viele der Angestellten sind Miteigentümer des mittelständischen Unternehmens. Viadee ist eine Aktiengesellschaft (AG). Und deren Anteile können nur Beschäftigte erwerben. Fast 40 Prozent gehören inzwischen den Mitarbeitern. Und die Gründer wollen weitere Anteile abgeben – bis die Firma irgendwann komplett im Besitz des Teams ist.

Eine Firma in Mitarbeiterhand – wie klappt das?

„Dass die Beschäftigten einen Großteil der Anteile von Unternehmen halten, ist in Deutschland extrem selten“, erklärt Dirk Lambach, Sprecher des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung in Kassel. Etwa 2 Prozent der Firmen beteiligen ihre Teammitglieder in irgendeiner Form, aber normalerweise nicht mehrheitlich. Eine Firma in Mitarbeiterhand – welches Ziel verfolgt Viadee damit? Wie lässt sich ein Unternehmen führen, wenn zig Menschen mitbestimmen können? Und welchen Vorteil hat das?

2018 wurde die Viadee GmbH in eine AG umgewandelt. Das Gründerteam hatte sich zu diesem Schritt entschieden, um ihre Nachfolge und damit den Fortbestand des Betriebs zu ­sichern. Die Umwandlung soll noch einen weiteren positiven Effekt haben. Die Eigentümer und Eigentümerinnen wollen so nicht nur ihr Nachfolgeproblem lösen, sondern auch ihre Fachkräfte langfristig ans Unternehmen ­binden. Hierfür nahm das Gründerteam einen langen Weg mit einigen Hürden in Kauf.

Im Prinzip war bereits seit Gründung Viadees eine der größten Herausforderungen, viele ­Eigentümer unter einen Hut zu bringen. Denn die Firma wurde 1994 von acht Unternehmerinnen und Unternehmern in Münster gegründet. „Wir waren sehr unterschiedliche Menschen“, sagt Heinrich Riemann, einer der Gründer und heute Aufsichtsrat. Sie hatten sich bei der Arbeit in einem anderen Beratungsunternehmen kennengelernt, mussten nun als gleichberechtigte Gesellschafter Einigung finden und Entscheidungen im Sinne der Firma treffen. „Wir haben im Gründerkreis ­gerade am Anfang viel für den Zusammenhalt getan, das war wichtig. Dennoch: Einige Beobachter prophezeiten Viadee damals ein kurzes Leben“, sagt der 66-Jährige.

Dem war aber nicht so. Das Unternehmen spezialisierte sich auf IT-Beratung und ent­wickelt seither Softwarelösungen, die Firmen dabei helfen, Prozesse zu optimieren. Zu den Kunden gehören Förderbanken wie die NRWBank und die KfW sowie Versicherungen wie die DEVK und LVM-Versicherung. Aber auch Handels- und Logistikkonzerne wie ­Rewe digital, Deichmann und Rhenus. Viadee wuchs aus eigener Kraft stetig. Im Jahr 2022 erwirtschaftete das Unternehmen einen ­Umsatz von 32,4 Millionen Euro.

Ein Unternehmensverkauf wäre einfacher gewesen

Schon recht bald trieb die Gesellschafter die Frage um: Was passiert mit dem Unternehmen, wenn wir alle irgendwann nicht mehr an Bord sind? Das war 2010, manche Gründer waren zu dem Zeitpunkt Mitte 40, andere Mitte 50. Die Eigentümer fingen an, sich regelmäßig zu treffen, um die aktuelle Stimmungslage zu ­erfassen: Wer möchte noch wie lange arbeiten? Wer will seine Anteile sofort zu Geld machen, wer möchte sie länger halten?


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Dass die 205 Mitarbeitenden bei ­Viadee eine wichtige Rolle spielen, ist in der Zentrale der Unternehmensberatung für IT-Lösungen in Münster nicht zu übersehen. Auf einem Tisch im Foyer stehen mehrere Trophäen, mit denen die Firma als Arbeitgeber ausgezeichnet wurde. Einige Meter weiter sind an der Wand Fotos von Menschen aufgereiht, die hier arbeiten. Wer bei Viadee neu anfängt, wird sofort in die ­Bildergalerie aufgenommen. Was nach außen hin nicht sichtbar, aber noch ungewöhnlicher ist: Viele der Angestellten sind Miteigentümer des mittelständischen Unternehmens. Viadee ist eine Aktiengesellschaft (AG). Und deren Anteile können nur Beschäftigte erwerben. Fast 40 Prozent gehören inzwischen den Mitarbeitern. Und die Gründer wollen weitere Anteile abgeben – bis die Firma irgendwann komplett im Besitz des Teams ist. Eine Firma in Mitarbeiterhand - wie klappt das? „Dass die Beschäftigten einen Großteil der Anteile von Unternehmen halten, ist in Deutschland extrem selten“, erklärt Dirk Lambach, Sprecher des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung in Kassel. Etwa 2 Prozent der Firmen beteiligen ihre Teammitglieder in irgendeiner Form, aber normalerweise nicht mehrheitlich. Eine Firma in Mitarbeiterhand – welches Ziel verfolgt Viadee damit? Wie lässt sich ein Unternehmen führen, wenn zig Menschen mitbestimmen können? Und welchen Vorteil hat das? 2018 wurde die Viadee GmbH in eine AG umgewandelt. Das Gründerteam hatte sich zu diesem Schritt entschieden, um ihre Nachfolge und damit den Fortbestand des Betriebs zu ­sichern. Die Umwandlung soll noch einen weiteren positiven Effekt haben. Die Eigentümer und Eigentümerinnen wollen so nicht nur ihr Nachfolgeproblem lösen, sondern auch ihre Fachkräfte langfristig ans Unternehmen ­binden. Hierfür nahm das Gründerteam einen langen Weg mit einigen Hürden in Kauf. Im Prinzip war bereits seit Gründung Viadees eine der größten Herausforderungen, viele ­Eigentümer unter einen Hut zu bringen. Denn die Firma wurde 1994 von acht Unternehmerinnen und Unternehmern in Münster gegründet. „Wir waren sehr unterschiedliche Menschen“, sagt Heinrich Riemann, einer der Gründer und heute Aufsichtsrat. Sie hatten sich bei der Arbeit in einem anderen Beratungsunternehmen kennengelernt, mussten nun als gleichberechtigte Gesellschafter Einigung finden und Entscheidungen im Sinne der Firma treffen. „Wir haben im Gründerkreis ­gerade am Anfang viel für den Zusammenhalt getan, das war wichtig. Dennoch: Einige Beobachter prophezeiten Viadee damals ein kurzes Leben“, sagt der 66-Jährige. Dem war aber nicht so. Das Unternehmen spezialisierte sich auf IT-Beratung und ent­wickelt seither Softwarelösungen, die Firmen dabei helfen, Prozesse zu optimieren. Zu den Kunden gehören Förderbanken wie die NRWBank und die KfW sowie Versicherungen wie die DEVK und LVM-Versicherung. Aber auch Handels- und Logistikkonzerne wie ­Rewe digital, Deichmann und Rhenus. Viadee wuchs aus eigener Kraft stetig. Im Jahr 2022 erwirtschaftete das Unternehmen einen ­Umsatz von 32,4 Millionen Euro. Ein Unternehmensverkauf wäre einfacher gewesen Schon recht bald trieb die Gesellschafter die Frage um: Was passiert mit dem Unternehmen, wenn wir alle irgendwann nicht mehr an Bord sind? Das war 2010, manche Gründer waren zu dem Zeitpunkt Mitte 40, andere Mitte 50. Die Eigentümer fingen an, sich regelmäßig zu treffen, um die aktuelle Stimmungslage zu ­erfassen: Wer möchte noch wie lange arbeiten? Wer will seine Anteile sofort zu Geld machen, wer möchte sie länger halten? .paywall-shader { position: relative; top: -250px; height: 250px; background: linear-gradient(to bottom, rgba(255, 255, 255, 0) 0%, rgba(255, 255, 255, 1) 90%); margin: 0 0 -250px 0; padding: 0; border: none; } Sie möchten weiterlesen? Anmelden impulse-Mitglieder können nach dem Anmelden auf alle -Inhalte zugreifen. Jetzt anmelden impulse-Mitglied werden impulse-Magazin alle -Inhalte digitales Unternehmer-Forum exklusive Mitglieder-Events und vieles mehr … Jetzt Mitglied werden
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