Offenheit bei privaten Krisen
„Leute, es geht mir gerade nicht gut“

Unternehmerin Anabel Ternès hatte schwierige Monate hinter sich. Vor ihrem Team wollte sie sich das lange nicht anmerken lassen. Dann sagte sie ihren Mitarbeitern, wie es ihr geht – mit unerwarteten Folgen.

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Die Karten auf den Tisch gelegt: Unternehmerin Anabel Ternès sprach mit ihrem Team über eine private Krise.
Die Karten auf den Tisch gelegt: Unternehmerin Anabel Ternès sprach mit ihrem Team über eine private Krise.
© Marko Blazevic / EyeEm / Getty Images

Vielleicht ist das eine Unternehmerkrankheit: Dass man sich immer mehr auflädt, ohne etwas anderes zu streichen. Bei mir jedenfalls gab es jahrelang nur Upgrade: Zuletzt war ich Geschäftsführerin in mehreren Start-ups, hatte eine Professur, leitete mehrere Studiengänge, hielt Keynotes, hatte Buchprojekte, engagierte mich ehrenamtlich. Und dann gab es einen schweren Krankheitsfall in meiner Familie, wie das Leben eben manchmal spielt. Und ich merkte immer mehr: Ich bin gestresst.

Meinem Team blieb das natürlich nicht verborgen. Sie schonten mich. Kamen selten mit Fragen auf mich zu. Versuchten, Probleme von mir fernzuhalten. Irgendwann merkte ich: Du musst reinen Tisch machen. In zweierlei Hinsicht.

Ich habe gegenüber meinen Mitarbeitern die Karten offengelegt

Vor meinen Mitarbeitern habe ich lange versucht, mir nichts anmerken zu lassen. Ich wollte sie nicht mit meinen Sorgen belasten. Sie sollen sich auf ihre Arbeit fokussieren. Doch wie gesagt: Meine Mitarbeiter leben natürlich nicht hinterm Mond, sie haben mitbekommen, dass etwas nicht stimmt.

Also habe ich ein offenes Gespräch mit meinem Team geführt. Das hat nicht nur mir gutgetan. Ich habe klargemacht, dass ich immer ansprechbar bin, sie mich also nicht schonen sollen.

Diese Offenheit hat etwas zwischen uns verändert – und zwar positiv. Meine Mitarbeiter haben gesehen: Die ist menschlich. Die spielt nicht Superwoman. Ich habe wie jeder andere Mensch auch Tage, an denen es mir nicht gut. An denen ich nicht die 100-Prozent-Frau bin.

Seit die Mitarbeiter wissen, dass ich eine harte Zeit hinter mir habe, sind mein Team und ich zusammengerückt. Ich hatte mich vorher öfter oben drüber gefühlt, wenn sich die Mitarbeiter auch privat ausgetauscht haben. Dies ist heute anders. Ich bekomme auch stärker mit, was in meinem Team passiert.

Natürlich muss ich nicht von jedem wissen, was in seinem Leben gerade los ist. Aber es ist mir wichtig, dass meine Mitarbeiter wissen, dass ich in ihnen mehr sehe als eine Arbeitskraft, nämlich einen Menschen. Wenn ich ganz bewusst anspreche: „Ich merke, dass es dir heute nicht gut geht. Willst du nicht den Rest des Tages freinehmen? Oder ins Homeoffice wechseln?“ – dann empfinden Mitarbeiter das auch als Wertschätzung. Sie antworten so oder so, aber immer mit Verantwortung gegenüber dem Unternehmen.

Ich habe priorisiert

Beruflich fokussiere ich mich jetzt ganz auf ein, beziehungsweise auf mein Unternehmen. Vorträge und Buchprojekte habe ich zurückgeschraubt. Und bei allen Anfragen, die reinkommen, schaue ich noch bewusster, was ich wirklich machen möchte, was mein Unternehmen weiterbringt und wo ich mich mit spannenden Menschen austauschen kann. Nein zu sagen, ist meine neue Devise. (Mehr dazu hier: Nein sagen – so gelingt es, Grenzen zu ziehen)

Sachen gleichzeitig zu machen, ist okay. Aber es fühlt sich gut an, dass ich mich nun beruflich auf ein Großprojekt fokussieren und dieses mit Kraft vorantreiben kann.

Und noch etwas fühlt sich gut an: Sich dem Stress nicht einfach zu ergeben, sondern immer wieder innezuhalten, das Leben neu auszurichten und dann selbstbestimmt, fokussiert und kraftvoll weiterzumachen.

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Vielleicht ist das eine Unternehmerkrankheit: Dass man sich immer mehr auflädt, ohne etwas anderes zu streichen. Bei mir jedenfalls gab es jahrelang nur Upgrade: Zuletzt war ich Geschäftsführerin in mehreren Start-ups, hatte eine Professur, leitete mehrere Studiengänge, hielt Keynotes, hatte Buchprojekte, engagierte mich ehrenamtlich. Und dann gab es einen schweren Krankheitsfall in meiner Familie, wie das Leben eben manchmal spielt. Und ich merkte immer mehr: Ich bin gestresst. Meinem Team blieb das natürlich nicht verborgen. Sie schonten mich. Kamen selten mit Fragen auf mich zu. Versuchten, Probleme von mir fernzuhalten. Irgendwann merkte ich: Du musst reinen Tisch machen. In zweierlei Hinsicht. Ich habe gegenüber meinen Mitarbeitern die Karten offengelegt Vor meinen Mitarbeitern habe ich lange versucht, mir nichts anmerken zu lassen. Ich wollte sie nicht mit meinen Sorgen belasten. Sie sollen sich auf ihre Arbeit fokussieren. Doch wie gesagt: Meine Mitarbeiter leben natürlich nicht hinterm Mond, sie haben mitbekommen, dass etwas nicht stimmt. Also habe ich ein offenes Gespräch mit meinem Team geführt. Das hat nicht nur mir gutgetan. Ich habe klargemacht, dass ich immer ansprechbar bin, sie mich also nicht schonen sollen. Diese Offenheit hat etwas zwischen uns verändert – und zwar positiv. Meine Mitarbeiter haben gesehen: Die ist menschlich. Die spielt nicht Superwoman. Ich habe wie jeder andere Mensch auch Tage, an denen es mir nicht gut. An denen ich nicht die 100-Prozent-Frau bin. Seit die Mitarbeiter wissen, dass ich eine harte Zeit hinter mir habe, sind mein Team und ich zusammengerückt. Ich hatte mich vorher öfter oben drüber gefühlt, wenn sich die Mitarbeiter auch privat ausgetauscht haben. Dies ist heute anders. Ich bekomme auch stärker mit, was in meinem Team passiert. Natürlich muss ich nicht von jedem wissen, was in seinem Leben gerade los ist. Aber es ist mir wichtig, dass meine Mitarbeiter wissen, dass ich in ihnen mehr sehe als eine Arbeitskraft, nämlich einen Menschen. Wenn ich ganz bewusst anspreche: „Ich merke, dass es dir heute nicht gut geht. Willst du nicht den Rest des Tages freinehmen? Oder ins Homeoffice wechseln?“ – dann empfinden Mitarbeiter das auch als Wertschätzung. Sie antworten so oder so, aber immer mit Verantwortung gegenüber dem Unternehmen. Ich habe priorisiert Beruflich fokussiere ich mich jetzt ganz auf ein, beziehungsweise auf mein Unternehmen. Vorträge und Buchprojekte habe ich zurückgeschraubt. Und bei allen Anfragen, die reinkommen, schaue ich noch bewusster, was ich wirklich machen möchte, was mein Unternehmen weiterbringt und wo ich mich mit spannenden Menschen austauschen kann. Nein zu sagen, ist meine neue Devise. (Mehr dazu hier: Nein sagen – so gelingt es, Grenzen zu ziehen) Sachen gleichzeitig zu machen, ist okay. Aber es fühlt sich gut an, dass ich mich nun beruflich auf ein Großprojekt fokussieren und dieses mit Kraft vorantreiben kann. Und noch etwas fühlt sich gut an: Sich dem Stress nicht einfach zu ergeben, sondern immer wieder innezuhalten, das Leben neu auszurichten und dann selbstbestimmt, fokussiert und kraftvoll weiterzumachen.
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